Tolle Erlebnisse und starker Zusammenhalt an Bord – deutlicher Verbesserungsbedarf an Land
Gut am Arbeitgeber finde ich
Innerhalb kürzester Zeit kann man sehr viel von der Welt sehen – darunter auch abgelegene Regionen, die man privat vermutlich nur schwer oder gar nicht bereisen würde. Diese besonderen Erlebnisse gehören für mich zu den größten Vorteilen der Arbeit an Bord.
Die Chief Purser und andere Abteilungsleiter lassen sich im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten regelmäßig etwas für die Crew einfallen. Dazu gehören beispielsweise eine Open Bar auf dem Außendeck, Kickerturniere oder in warmen Fahrtgebieten ein gemeinsames Grillabendessen – zubereitet vom großartigen Küchenchef und unterstützt vom Kapitän als Grillmaster. Solche Veranstaltungen stärken den Zusammenhalt und sorgen für schöne gemeinsame Momente außerhalb des Arbeitsalltags.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Informationen, die Mitarbeitende unmittelbar betreffen, werden teilweise deutlich zu spät weitergegeben. Zudem wirken einige landseitige Positionen aus meiner Sicht nicht passend besetzt. Das Auftreten einzelner Vertreter des Landteams habe ich bei ihren Aufenthalten an Bord sowohl gegenüber der Crew als auch gegenüber Gästen als unangemessen und wenig professionell erlebt. Einzelne Äußerungen empfand ich sogar als einschüchternd oder drohend. Ein solcher Umgang mit Mitarbeitenden ist nicht mehr zeitgemäß – besonders in einer Branche, in der qualifiziertes Personal zunehmend schwer zu finden ist.
Auch die Möglichkeiten für Landgänge werden bei der operativen Reiseplanung aus meiner Sicht nicht ausreichend berücksichtigt. Wenn an bestimmten Destinationen beispielsweise nur etwa 100 Gäste gleichzeitig an Land gehen können, hat die Crew häufig kaum eine realistische Möglichkeit, das Schiff zu verlassen. Gerade bei vielen aufeinanderfolgenden Seetagen wäre eine bessere Planung im Interesse der Erholung und Motivation der Mitarbeitenden wichtig.
Verbesserungsvorschläge
Die Kommunikation sollte auf allen Ebenen deutlich verbessert und auf ein verlässliches, transparentes und professionelles Niveau gebracht werden. Das betrifft insbesondere das Recruiting, die Kommunikation der Kapitäne mit der Crew sowie den Informationsaustausch zwischen dem operativen Management an Land und den Schiffen.
Langjährige Mitarbeitende sollten stärker und persönlicher wertgeschätzt werden – insbesondere bei Betriebszugehörigkeiten von zehn, 20 oder 25 Jahren. Eine standardisierte Geburtstagsmail ist ein guter Anfang, ersetzt jedoch keine echte Anerkennung für langjährige Loyalität und geleistete Arbeit.
Neue und insbesondere noch junge oder unerfahrene Mitarbeitende sollten bereits vor ihrem ersten Einsatz genau wissen, welche Aufgaben, Anforderungen und Arbeitsbedingungen sie an Bord erwarten. Das gilt besonders für Mitarbeitende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Eine einwöchige, strukturierte Vorbereitung an Land – vergleichbar mit einem praxisnahen Onboarding oder Bootcamp – könnte Grundlagen vermitteln, offene Fragen klären und den Einstieg an Bord erheblich erleichtern.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre an Bord habe ich als sehr positiv erlebt. Der tägliche Umgang miteinander war angenehm, respektvoll und professionell.
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Neue Mitarbeitende erkennen an Bord häufig sehr schnell, dass die tatsächlichen Bedingungen nicht immer mit den im Recruiting vermittelten Informationen übereinstimmen. Nach meiner Erfahrung wurden zwischen der Einstellung und dem Einstieg wichtige Informationen teilweise nicht vollständig oder nicht korrekt weitergegeben. Einzelne Zusagen stellten sich an Bord als nicht umsetzbar oder unzutreffend heraus.
Besonders unverständlich ist dies, wenn die zuständigen Recruiter selbst bereits an Bord gearbeitet haben und die tatsächlichen Abläufe kennen müssten. Eine offenere und realistischere Kommunikation während des gesamten Bewerbungs- und Einstellungsprozesses würde Enttäuschungen vermeiden und das Vertrauen stärken.
Work-Life-Balance
Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist an Bord nur schwer möglich. Bei täglichen Arbeitszeiten von mindestens zehn bis teilweise 14 Stunden bleibt wenig echte Freizeit. Gerade auf Expeditionsreisen erschweren die vielen Seetage zusätzlich die Möglichkeit, das Schiff zu verlassen. Häufig bleibt lediglich der gemeinsame Ausklang am Abend an der Bar.
Karriere/Weiterbildung
Deutschkurse werden lediglich ein- bis zweimal im Jahr und häufig während Reisen angeboten, auf denen das operative Tagesgeschäft bereits besonders viel Aufmerksamkeit verlangt. Dadurch ist eine regelmäßige und sinnvolle Teilnahme nur eingeschränkt möglich.
Andere Weiterbildungsangebote an Bord gibt es nach meiner Erfahrung inzwischen kaum noch. Ein großer Teil der Verantwortung wird an die jeweiligen Abteilungsleiter weitergegeben. Diese können Fragen jedoch teilweise selbst nicht beantworten, weil ihnen die notwendigen Informationen und Schulungsangebote ebenfalls fehlen.
Aus meiner Sicht sollten Führungskräfte regelmäßig an Schulungen zu Personalführung, Kommunikation und einem respektvollen Umgang mit Mitarbeitenden teilnehmen. Gerade das Auftreten einzelner landseitiger Arbeiter habe ich teilweise als wenig wertschätzend und herablassend erlebt.
Gehalt/Benefits
Die Bezahlung ist grundsätzlich besser als in vielen vergleichbaren Positionen an Land. Rechnet man das Gehalt jedoch auf die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden und Arbeitstage herunter, liegt der rechnerische Stundenlohn nach meiner Erfahrung teilweise unter dem Niveau des deutschen Mindestlohns.
Langjährige Mitarbeitende erhalten bestimmte Benefits teilweise erst nach wiederholtem Nachfragen, während sie neuen Mitarbeitenden offenbar schneller angeboten werden, damit offene Positionen besetzt werden können. Problematisch finde ich außerdem, dass bei einer Beförderung der bisherige Seniority- beziehungsweise Loyalty-Bonus zunächst entfällt. Begründet wird dies damit, dass man eine neue Position übernimmt – die zuvor geleisteten Jahre im Unternehmen verlieren dadurch jedoch spürbar an Wert.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Umweltbewusstsein wird von der Crew im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten gut gelebt. Allerdings werden viele der entsprechenden Maßnahmen den Gästen aus meiner Sicht nicht deutlich, umfassend oder konsequent genug vermittelt. Dadurch finden sie bei den Gästen nicht immer die notwendige Akzeptanz und Unterstützung.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt an Bord war sehr gut. Man unterstützte sich gegenseitig und konnte sich auch in arbeitsintensiven Situationen aufeinander verlassen.
Umgang mit älteren Kollegen
Die Wertschätzung innerhalb des Teams kann noch so gut sein – sie sollte auch von der Unternehmensleitung gelebt werden. Wenn selbst nach einer sehr langjährigen Unternehmenszugehörigkeit keine persönliche Anerkennung oder auch nur ein Dank vom Operations Management erfolgt, fehlt aus meiner Sicht die notwendige Wertschätzung.
Vorgesetztenverhalten
Die direkten Vorgesetzten in unserem Bereich an Bord habe ich als sehr positiv erlebt. Sie waren nahezu jederzeit ansprechbar und standen bei Fragen oder Problemen unterstützend zur Seite. Die niedrige Gesamtbewertung bezieht sich daher vor allem auf die Führung und den Umgang von Landseite.
Arbeitsbedingungen
Zeitweise besteht deutlicher Personalmangel. Mitunter fehlt kurzfristig eine Ablösung zum geplanten Einstieg, obwohl bevorstehende Ausstiege bereits frühzeitig kommuniziert wurden. In solchen Fällen werden Verträge teilweise kurzfristig und ohne nachvollziehbare Planung verlängert oder Positionen bleiben für mehrere Tage, Wochen oder sogar komplette Reisen unbesetzt. Teilweise betrifft dies gleichzeitig mehrere Positionen innerhalb einer Abteilung. Für die verbleibenden Mitarbeitenden führt das zu einer zusätzlichen Belastung und nochmals längeren Arbeitszeiten.
Kommunikation
Während die Kommunikation an Bord überwiegend gut funktionierte, habe ich die Kommunikation von Landseite als sehr schlecht erlebt. Hier besteht aus meiner Sicht deutlicher Verbesserungsbedarf, insbesondere bei einem verlässlichen Informationsfluss und bei Rückmeldungen.
Gleichberechtigung
Auch nach vielen Jahren im Unternehmen konnte ich nicht erkennen, dass Vielfalt und individuelle Stärken aktiv gefördert werden. Mein persönlicher Eindruck war vielmehr, dass Mitarbeitende und ihre Gestaltungsmöglichkeiten zunehmend eingeschränkt wurden, anstatt ihre unterschiedlichen Fähigkeiten gezielt zu fördern.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren grundsätzlich interessant. Besonders viel Freude machte die Arbeit, wenn man Raum für eigene Ideen bekam und seinen persönlichen Stil einbringen konnte. Bei strikten Vorgaben von Landseite beschränkte sich die Tätigkeit dagegen häufig darauf, diese lediglich umzusetzen.

