Zwischen Außendarstellung und Realität: Wo Fairness, Führung und Wertschätzung auf der Strecke bleiben
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv hervorheben kann ich eigentlich nur einen Teil meiner damaligen Kolleginnen und Kollegen – und das vor allem auf menschlicher, weniger auf fachlicher oder unternehmerischer Ebene.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Über mangelnde Fairness, unterschiedliche Behandlung und Favoritismus ließe sich aus meiner Erfahrung sehr viel schreiben. Verschärft wird dies durch eine aus meiner Sicht nahezu bedingungslose Ausrichtung an den Interessen der Auftraggeber bzw. Schiffseigner.
Dabei entsteht der Eindruck, dass auf Eigentümer- und Managementseite wirtschaftliche Interessen häufig stärker gewichtet werden als die Menschen, die die Leistung tatsächlich erbringen. Mitarbeitende sind jedoch weder austauschbare Roboter noch reine Kostenfaktoren.
Die Folgen zeigen sich aus meiner Sicht in hoher Fluktuation, sinkender Bindung und einem spürbaren Verlust an Professionalität und Erfahrung in vielen Bereichen.
Verbesserungsvorschläge
Solange persönliche Netzwerke, gegenseitige Absicherung und informelle Abhängigkeiten stärker wirken als Leistung, Qualifikation und nachvollziehbare Führungsstandards, ist aus meiner Sicht keine nachhaltige Veränderung zu erwarten.
Dazu gehört auch, Führungspositionen konsequenter nach Kompetenz, Leistung und Führungsqualität zu besetzen und bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen. Solange schwache Führung durch interne Loyalitäten stabilisiert wird, bleiben echte Verbesserungen schwierig.
Arbeitsatmosphäre
Die Unternehmenskultur habe ich als stark von Bevorzugung einzelner Personen und informellen Netzwerken geprägt erlebt. Aus meiner Sicht fehlte es an konsequenter Gleichbehandlung und an transparenten, nachvollziehbaren Maßstäben bei Entscheidungen.
Besonders problematisch empfand ich Unterschiede in der Behandlung von Mitarbeitenden je nach Nationalität sowie unterschiedliche Vergütungen für vergleichbare beziehungsweise identische Tätigkeiten. Auch geschlechtsspezifische Ungleichbehandlung und eine deutlich wahrnehmbare Bevorzugung einzelner Personen waren aus meiner Sicht Teil der gelebten Unternehmenskultur.
Insgesamt entstand für mich der Eindruck, dass persönliche Nähe, Herkunft oder Zugehörigkeit zu bestimmten internen Kreisen teilweise mehr Gewicht hatten als Leistung, Qualifikation und einheitliche Standards.
Gleichberechtigung
Vielfalt wird aus meiner Sicht eher nach außen kommuniziert als im Arbeitsalltag konsequent gelebt. In der tatsächlichen Behandlung von Mitarbeitenden habe ich deutliche Unterschiede wahrgenommen, insbesondere im Zusammenhang mit Nationalität, Herkunft und interner Zugehörigkeit.
Von echter Gleichbehandlung kann aus meiner Erfahrung nur eingeschränkt gesprochen werden. Bevorzugung einzelner Personen, unterschiedliche Maßstäbe sowie Unterschiede bei Vergütung und Behandlung trotz vergleichbarer Tätigkeiten haben bei mir den Eindruck einer nicht konsequent gelebten Gleichberechtigung hinterlassen.
Was ältere Kollegen anbetrifft, auch hier habe ich keine erkennbare, systematische Unterstützung oder besondere Wertschätzung älterer Mitarbeitender wahrgenommen. Erfahrung und langjährige Berufspraxis schienen aus meiner Sicht nicht immer den Stellenwert zu haben, den man bei einem internationalen Arbeitgeber erwarten würde.
Besonders kritisch sehe ich zudem den Umgang mit sogenannten Offshore-Vertragskonstruktionen. Nach meiner Erfahrung können solche Vertragsmodelle Mitarbeitende erheblich benachteiligen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsumgebung habe ich als stark hierarchisch und von persönlichen Abhängigkeiten geprägt erlebt. Ein offener, vertrauensvoller Umgang wurde aus meiner Sicht nicht überall gefördert. Kritische Rückmeldungen oder abweichende Meinungen konnten schnell als problematisch wahrgenommen werden, was ein Klima schafft, in dem Mitarbeitende eher vorsichtig agieren als offen kommunizieren.
Die Arbeitsbedingungen hängen stark von Einsatzort, Position und Vertragsmodell ab. Besonders problematisch empfand ich die teilweise mangelnde Transparenz bei vertraglichen Konstruktionen, Zuständigkeiten und tatsächlichen sozialen beziehungsweise arbeitsrechtlichen Folgen. Gerade bei Offshore-Verträgen können für Mitarbeitende erhebliche Nachteile entstehen. Nach meiner Erfahrung wurde darüber nicht immer ausreichend, klar und proaktiv informiert.
Das nach außen vermittelte soziale Verantwortungsbewusstsein deckte sich aus meiner Sicht nicht immer mit dem tatsächlichen Umgang mit Mitarbeitenden, ausgenommen sind die favorisierten Mitarbeiter, die unter positivie Diskriminierung fallen.
Gehalt/Benefits
Die Vergütung war aus meiner Sicht teilweise selbst im Verhältnis zu gesetzlichen Mindeststandards sehr niedrig. Überstunden wurden nicht vollständig vergütet, Benefits über die Jahre deutlich reduziert. In vier Jahren gab es trotz steigender Anforderungen keine Gehaltserhöhung.
Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten empfand ich als sehr begrenzt. Transparente Entwicklungspfade, nachvollziehbare Beförderungskriterien und echte, systematische Weiterbildung waren aus meiner Sicht kaum vorhanden.

