Organisation im Krisenmodus - Blinder Aktionismus
Gut am Arbeitgeber finde ich
Seibert hat grundsätzlich viel Potenzial: gute Ideen, Innovationskraft und viele Menschen, die etwas bewegen wollen. Genau deshalb ist es so wichtig, wieder zu den eigenen Werten zurückzufinden.
Teamwork, Fair Play, Offenheit und ehrliches Feedback dürfen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern müssen im Alltag wieder spürbar gelebt werden. Dazu gehört auch, kritisches und differenziertes Feedback ernst zu nehmen, statt es abzuwehren oder Menschen dafür abzustrafen.
Aus meiner Sicht braucht es jetzt ein echtes Inspect & Adapt: ehrlich hinschauen, klare Erkenntnisse ableiten und diese konsequent umsetzen. Weniger Aktionismus, weniger ständige Strategiewechsel, mehr Verbindlichkeit und mehr Verantwortung.
Seibert kann aus dieser Krise gestärkt hervorgehen – aber nur, wenn die Organisation bereit ist, sich ehrlich mit den aktuellen Problemen auseinanderzusetzen und die eigenen Werte wieder ernst nimmt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Seibert ist über viele Jahre kontinuierlich gewachsen und wurde zunehmend größer und erfolgreicher. Lange Zeit war das Unternehmen von Optimismus, Tatendrang und Wachstum geprägt. Das hat aus meiner Sicht auch deshalb funktioniert, weil es über viele Jahre keine echte Krise auf Makroebene gab.
Umso deutlicher zeigen sich nun strukturelle Schwächen. Besonders kritisch sehe ich die starke Abhängigkeit von einer zentralen Cash Cow, die lange vieles getragen hat. Gleichzeitig wurden Geschäftsbereiche ausgegründet oder weiterentwickelt, ohne aus meiner Sicht ausreichend zu prüfen, ob diese sich langfristig auch eigenständig wirtschaftlich tragen können. Spätestens als deutlich wurde, dass dies nicht überall der Fall ist, hätte es eine klare, strategische und nachvollziehbare Antwort gebraucht.
Stattdessen erlebe ich aktuell eher blinden Aktionismus. Mitarbeitende sollen sich innerhalb kurzer Zeit immer wieder auf neue Themen oder KI-Tools spezialisieren. Kaum ist eine Richtung gesetzt, kommt bereits die nächste vermeintlich wichtigere Technologie auf den Markt, und die Prioritäten verschieben sich erneut. Dadurch entsteht hoher Druck, ohne dass für mich eine stabile und überzeugende strategische Linie erkennbar ist.
Die Unternehmensrichtung und Strategien ändern sich quasi mit der Windrichtung.
Hinzu kommt, dass interne Rollen und unterstützende Funktionen zunehmend kritisch oder fast schon pauschal als Kostenfaktor betrachtet zu werden scheinen. Dabei sind gerade diese Rollen wichtig, um Prozesse, Qualität, Zusammenarbeit und Verlässlichkeit im Unternehmen sicherzustellen. Statt ihre Funktion differenziert zu betrachten, entsteht jedoch der Eindruck, dass ihr Beitrag in schwierigen Phasen eher abgewertet wird.
Auch interne Prozesse wirken dadurch geschwächt. Selbst wenn es klare Abläufe und Verantwortlichkeiten gibt, werden Entscheidungen aus meiner Sicht immer wieder durch einzelne Lead-Rollen oder die Geschäftsführung übersteuert – teils ohne ausreichend transparente oder valide Begründung. Das führt dazu, dass Strukturen, Prozesse und Verantwortlichkeiten immer wieder infrage gestellt oder über den Haufen geworfen werden.
Insgesamt entsteht für mich der Eindruck eines Unternehmens, das lange von Wachstum, Optimismus und einer starken wirtschaftlichen Basis getragen wurde, nun aber in einer schwierigeren Marktphase zu wenig strategische Klarheit zeigt.
Verbesserungsvorschläge
Aus meiner Sicht braucht es wieder mehr strategische Klarheit und Verbindlichkeit. Entscheidungen sollten stärker nachvollziehbar begründet werden, insbesondere wenn Prioritäten kurzfristig verändert oder bereits getroffene Entscheidungen übersteuert werden.
Wichtig wäre außerdem ein klareres gemeinsames Verständnis davon, was gute Führung bedeutet. Führung sollte Orientierung geben, priorisieren, Entscheidungen einordnen und nicht jeden neuen Impuls ungefiltert als Auftrag weitergeben. Gerade in unsicheren Zeiten braucht es Führungskräfte, die Stabilität schaffen und Verantwortung übernehmen.
Bestehende Prozesse, Rollen und Verantwortlichkeiten sollten wieder verbindlicher genutzt werden. Wenn Prozesse eingeführt werden, müssen sie auch Bestand haben und dürfen nicht beliebig durch einzelne Personen oder höhere Entscheidungsebenen außer Kraft gesetzt werden. Sonst verlieren Mitarbeitende Vertrauen in die Organisation.
Auch interne Rollen und unterstützende Funktionen sollten differenzierter betrachtet werden. Ihr Beitrag zu Qualität, Zusammenarbeit, Prozesssicherheit und organisatorischer Stabilität sollte klarer anerkannt und sinnvoll eingebunden werden, statt sie vor allem unter Effizienz- oder Kostendruck zu betrachten.
Im Umgang mit neuen Themen wie KI wäre mehr Fokus hilfreich. Statt Mitarbeitende in kurzen Abständen auf immer neue Tools oder Skills auszurichten, sollte klarer definiert werden, welche Fähigkeiten wirklich strategisch relevant sind und wie Mitarbeitende realistisch beim Aufbau dieser Kompetenzen unterstützt werden.
Für die Arbeitsatmosphäre wäre es wichtig, wieder stärker an einer offenen und respektvollen Kommunikationskultur zu arbeiten. Kritik sollte direkter, transparenter und konstruktiver adressiert werden, statt über Nebenkommunikation, Lästern oder informelle Abwertung. Vertrauen, Fair Play und Teamwork müssten wieder aktiver vorgelebt werden.
Insgesamt würde ich mir wünschen, dass die Organisation aus der aktuellen Krise nicht nur kurzfristige Maßnahmen ableitet, sondern strukturell daraus lernt: mit klareren Prioritäten, transparenteren Entscheidungen, stärkerer Führung, verlässlicheren Prozessen und einem bewussteren Umgang mit der eigenen Unternehmenskultur.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre hat sich aus meiner Sicht in den letzten zwei Jahren deutlich verschlechtert: Kollegialer Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung, Fehlerkultur und Fair Play wirken spürbar schwächer. Statt Vertrauen und offener Kommunikation entstehen zunehmend Misstrauen, Nebenkommunikation und Unsicherheit. Besonders belastend ist, dass bestehende Prozesse und Verantwortlichkeiten nicht immer verlässlich wirken, wodurch Vertrauen verloren geht
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War mal gut
Work-Life-Balance
Schwierig, da immer wieder neue wechselnde Herausforderungen auf die MA zukommen. Besonders problematisch ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund, dass Mitarbeitende zunehmend den Eindruck gewinnen, sich im Zwei-Monats-Takt neu ausrichten zu müssen, um bis zum Jahresende nicht von Kündigung bedroht zu sein.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungsbedarfe werden zwar von Teams und PD aufgenommen und angestoßen, scheitern jedoch häufig an Budgetentscheidungen bestimmter Leadrollen oder werden nachträglich wieder revidiert. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Weiterentwicklung grundsätzlich gewünscht, in der Umsetzung aber nicht verlässlich unterstützt wird.
Gehalt/Benefits
Das Gehaltskalkulationssystem wirkt unklar, veraltet und wenig praxistauglich. Es ist weder ausreichend nachvollziehbar noch einfach anwendbar und scheint sowohl Mitarbeitende als auch Verantwortliche zu überfordern. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass kaum jemand mit dem aktuellen System wirklich zufrieden ist.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt hat sich aus meiner Sicht in den letzten zwei Jahren spürbar verschlechtert. Was früher von gegenseitiger Unterstützung, Vertrauen und Fair Play geprägt war, wirkt heute deutlich angespannter. Statt offenem Austausch entstehen häufiger Misstrauen, Abgrenzung und Nebenkommunikation, wodurch das frühere Gefühl von Teamzusammenhalt verloren gegangen ist.
Vorgesetztenverhalten
Aktuell fehlt aus meiner Sicht ein gemeinsames Verständnis davon, was gute Führung bedeutet. Führung sollte nicht darin bestehen, jeden Impuls oder jede Idee der Geschäftsführung ungefiltert als Auftrag weiterzugeben. Gute Führung bedeutet auch, einzuordnen, zu priorisieren, Verantwortung zu übernehmen und bei Bedarf klar Haltung zu zeigen.
Dazu gehören Verbindlichkeit, Prozesssicherheit und die Bereitschaft, auch unbequeme Rückfragen zu stellen. Gerade in einer angespannten Phase braucht es Führungskräfte, die Orientierung schaffen, statt blinden Aktionismus weiter zu verstärken.
Arbeitsbedingungen
Arbeitsatmosphäre beeinflusst den Arbeitsalltag negativ. Grundsätzlich gute Arbeitsmittel. Verlässliche interne IT.
Kommunikation
Die Kommunikation wirkt aktuell häufig reaktiv, wenig transparent und von wechselnden Prioritäten geprägt. Entscheidungen und Richtungswechsel werden nicht immer nachvollziehbar begründet, wodurch Unsicherheit entsteht und Vertrauen in Prozesse sowie Verantwortlichkeiten verloren geht. Gerade in der aktuellen Situation wären mehr Klarheit, Verbindlichkeit und offene Kommunikation wichtig.
Interessante Aufgaben
Interessante Aufgaben gibt es grundsätzlich, allerdings wirken Prioritäten und Verantwortlichkeiten zunehmend wechselhaft. Themen, die zunächst relevant und spannend erscheinen, werden teilweise nach kurzer Zeit wieder verworfen, ohne dass die Gründe dafür nachvollziehbar erklärt werden. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Aufgaben weniger strategisch gesteuert, sondern stärker kurzfristig und reaktiv gesetzt werden.
