Zwischen Flurfunk, Richtungswechseln und Schuldzuweisungen: Wer Chaos als agile Methode versteht, wird glücklich.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Gehaltszahlung erfolgt pünktlich. Außerdem liefert das Unternehmen regelmäßig neue Argumente dafür, warum Arbeitgeberbewertungen für Bewerber hilfreich sein können.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die enorme Diskrepanz zwischen Außen- / Selbstdarstellung und gelebter Realität.
Gleichzeitig tritt die Geschäftsführung nach meinem Eindruck zunehmend in den Hintergrund und die Zukunft des Unternehmens wird maßgeblich von Restrukturierungsverantwortlichen gestaltet. Auch das gehört vermutlich zu den Signalen, die Bewerber in ihre persönliche Bewertung einfließen lassen sollten.
Die größte Herausforderung scheint aktuell dazu auch nicht der Markt zu sein, sondern eine einheitliche Führung. Unterschiedliche Botschaften, sichtbare Meinungsverschiedenheiten und fehlende Orientierung sorgen regelmäßig für Fragezeichen bei Mitarbeitenden.
Wer auf klare Entscheidungen, Verlässlichkeit und strategische Führung hofft, benötigt mitunter ein gewisses Maß an Geduld.
Verbesserungsvorschläge
Mehr Transparenz, klare Verantwortlichkeiten und eine offenere Kommunikationskultur wären aus meiner Sicht die wichtigsten Hebel. Probleme sollten nicht erst dann angesprochen werden, wenn sie bereits eskaliert sind. Ebenso würde dem Unternehmen eine Führungskultur gut tun, die stärker auf Vertrauen, Verlässlichkeit und Zusammenarbeit setzt.
Auch der Umgang mit Kritik könnte professioneller sein. Ein Blick auf die Antworten zu Kununu-Bewertungen vermittelt häufig eher den Eindruck von Schadensbegrenzung als von ehrlicher Selbstreflexion. Die wiederkehrende Einladung, sich doch bitte persönlich zu melden, wirkt auf Dauer weniger wie echtes Interesse an Feedback und mehr wie eine Standardantwort.
Dabei sind die Bewertungen selbst oft aufschlussreich. Noch aufschlussreicher sind teilweise die Reaktionen darauf. Wer die Kommentare und Antworten aufmerksam liest, erhält einen recht guten Eindruck davon, wie mit Kritik und unbequemen Themen umgegangen wird.
Zudem würde mehr Veränderungsbereitschaft nicht schaden. An vielen Stellen entsteht der Eindruck, dass Prozesse und Strukturen vor allem deshalb bestehen, weil sie schon immer so waren. Das ist bequem, macht Unternehmen im dynamischen Markt jedoch selten erfolgreicher.
Die aktuelle Entwicklung spricht aus meiner Sicht für sich. Zahlreiche personelle Veränderungen sorgen für zusätzliche Unruhe, während Transparenz und Einordnung häufig auf der Strecke bleiben.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre erlebe ich als ausgesprochen angespannt. Statt eines gemeinsamen Miteinanders entsteht bei mir häufig der Eindruck, dass Abteilungen eher gegeneinander als miteinander arbeiten. Verantwortung wird gerne weitergereicht und Fehler scheinen oft leichter einen Absender zu finden als Lösungen. Auf Unterstützung kann man nicht hoffen, man wird alleine gelassen.
Offene Kommunikation findet aus meiner Sicht überwiegend über den Flurfunk statt. Wichtige Informationen erreichen Mitarbeitende häufig spät oder gar nicht. Ein Arbeiten auf Augenhöhe habe ich nur vereinzelt erlebt.
Besonders herausfordernd ist für mich, dass Führungsverantwortung und tatsächliche Führungskompetenz nicht immer im gleichen Verhältnis stehen. Dadurch entstehen aus meiner Sicht unnötige Reibungsverluste, Unsicherheiten und eine Kultur, in der man eher darauf achtet, nicht aufzufallen, als gemeinsam gute Ergebnisse zu erzielen.
Wer politische Geschicklichkeit höher bewertet als Transparenz und Teamgeist, wird sich hier vermutlich wohler fühlen als ich.
Kommunikation
Die Kommunikation wirkt nach außen oft deutlich besser, als sie intern tatsächlich erlebt wird. Über Herausforderungen oder die tatsächliche Situation des Unternehmens wird aus meiner Sicht nur sehr eingeschränkt und meist auf Schönwetter-Niveau gesprochen.
Wer nicht am Hauptstandort sitzt, bekommt viele Informationen schlicht nicht mit. Transparente Kommunikation findet kaum statt. Stattdessen läuft vieles über Flurfunk. Dieser funktioniert allerdings auch nur, wenn man vor Ort ist und die richtigen Kontakte hat.
Termine empfinde ich häufig als grenzwertig. Schuldzuweisungen, gegenseitige Vorwürfe und Diskussionen darüber, welche Abteilung oder Person angeblich keinen Mehrwert liefert, gehören regelmäßig dazu. Teilweise wird sogar offen darüber gesprochen, wer das Unternehmen besser verlassen sollte. Ein respektvoller und lösungsorientierter Austausch sieht für mich anders aus.
Kollegenzusammenhalt
Kollegenzusammenhalt ist für mich kaum erkennbar. Häufig entsteht der Eindruck, dass die eigene Absicherung wichtiger ist als gegenseitige Unterstützung. Entsprechend vorsichtig gehen viele miteinander um.
Auch Führungskräfte stehen aus meiner Sicht nicht immer hinter ihren Teams. Wer Rückhalt, Vertrauen und Loyalität erwartet, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance ist gut. Überstunden oder ständige Erreichbarkeit stehen zumindest in meinem Umfeld nicht im Fokus.
Positiv formuliert bedeutet das viel Freiheit. Etwas weniger positiv formuliert entsteht der Eindruck, dass es kaum jemanden interessiert, ob man da ist, fehlt oder welche Themen man gerade bearbeitet. Wirkliche Aufmerksamkeit erhält man oft erst dann, wenn ein Problem auftritt und ein Verantwortlicher gesucht wird.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten gehört für mich ebenfalls zu den größten Schwachstellen des Unternehmens. Führung auf Augenhöhe erlebe ich nur selten. Unterstützung, Rückhalt und eine klare Orientierung vermisse ich häufig, insbesondere dann, wenn Themen kritisch werden oder bereichsübergreifende Konflikte entstehen.
Auffällig ist für mich vor allem die Zusammenarbeit zwischen Vertrieb, Marketing und Produkt. Statt gemeinsamer Zielbilder entstehen häufig wechselnde Prioritäten, widersprüchliche Erwartungen und kurzfristige Richtungswechsel. Entscheidungen werden getroffen, angepasst oder wieder verworfen, ohne die Hintergründe transparent zu kommunizieren.
Besonders im Marketing entsteht bei mir regelmäßig der Eindruck, dass operative Hektik und kurzfristige Maßnahmen eine langfristige Strategie ersetzen. Für Produktteams macht das verlässliches Arbeiten nicht einfacher.
Wer sich klare Entscheidungen, eine nachvollziehbare Kommunikation und Führung mit Rückgrat wünscht, sollte seine Erwartungen entsprechend einbremsen.
Interessante Aufgaben
Interessante Aufgaben gibt es durchaus. Die Herausforderung besteht eher darin, dass Projekte selten die Chance bekommen, konsequent zu Ende gedacht zu werden.
Durch ständige personelle Veränderungen, Umstrukturierungen und hohe Fluktuation erleben manche Themen regelmäßig ihr Comeback. Wer schon länger dabei ist, kann sich daher darüber freuen, dieselben Diskussionen und Projekte in einer neuen Version immer wieder erneut kennenzulernen.
Vorhandene Kompetenzen werden aus meiner Sicht nicht dort eingesetzt, wo sie den größten Nutzen für das Unternehmen stiften könnten.
Gleichberechtigung
Keine besonderen negativen Auffälligkeiten.
Umgang mit älteren Kollegen
Keine besonderen negativen Auffälligkeiten.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen wirken an vielen Stellen unnötig kompliziert. Die technische Ausstattung erfüllt ihren Zweck, bleibt aus meiner Sicht jedoch hinter dem zurück, was man von einem modernen Digitalunternehmen erwarten würde.
Hinzu kommt eine hohe Anzahl an Systemen, Tools und Prozessen. Dabei ist häufig nicht klar, wer für was verantwortlich ist oder an wen man sich bei Problemen wenden soll. Zuständigkeiten wirken oft verteilt, aber selten eindeutig.
Auch bei Themen wie Arbeitszeiten, Gleitzeit oder Überstundenausgleich fehlt für mich die notwendige Transparenz. Unterschiedliche Regelungen, Verträge und individuelle Vereinbarungen führen dazu, dass selbst langjährige Mitarbeitende teilweise unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was eigentlich gilt. Einheitlichkeit und Klarheit sehen für mich anders aus.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nur so lange es dem Unternehmen monetär nutzt.
Gehalt/Benefits
Gehalt und Sozialleistungen sind grundsätzlich vorhanden und werden meist zuverlässig gezahlt. Abrechnung kontrollieren macht aber immer Sinn.
Im Vergleich zu anderen Unternehmen im digitalen Umfeld empfinde ich die Vergütung nicht als besonders wettbewerbsfähig. Die Gehaltsentwicklung
spiegelt aus meiner Sicht Verantwortung, Erfahrung und Marktgegebenheiten nicht angemessen wider.
Wer vor allem wegen des Gehalts kommt, wird deutlich attraktivere Angebote am Markt finden. Wer andere Prioritäten hat, kann damit sicherlich leben.
Image
Das Image des Unternehmens wirkt auf mich deutlich schwächer als die eigene Darstellung vermuten lässt. Öffentliche Kundenbewertungen und -feedbacks zeichnen über viele Jahre hinweg ein recht konstantes Bild.
Im Arbeitsalltag entsteht bei mir häufig der Eindruck, dass Vertragsabschlüsse und Kunden(-zwangs-)bindung einen höheren Stellenwert haben als nachhaltige Kundenzufriedenheit. Wer auf langfristige Begeisterung setzt, hat andere Prioritäten als das Unternehmen.
Die Diskrepanz zwischen Eigenbild und Fremdbild ist dabei schwer zu übersehen. Die Geschäftsführung erkennt es nicht oder will es nicht erkennen.
Karriere/Weiterbildung
Nicht vorhanden.


