Ich kann mir vorstellen das Sellwerk-Mitarbeiter an manchen Standorten glücklich sind. Aber nicht in der Oberpfalz.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Einarbeitung kann man ehrlich loben. Jeder Vertriebler erhält eine 3-Wöchige Basisschulung in der die gesamte Theorie erklärt wird.
Auch die Ausstattung, die man direkt an Tag 1 erhält ist gut.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Kurz gesagt: Die Umstände machen es für viele Kollegen quasi Unmöglich ihre Ziele zu erreichen. Nicht erreichte Ziele = kaum Gehalt, viel Druck, ständig Kündigungen.
Der Ruf bei vielen Kunden ist Katastrophal. Zurecht denn die Verkaufstaktiken sind Dubios. In nur ein paar Monaten von Gerichtsverfahren wegen Betrugs bis hin zu Bedrohungen durch Kunden alles erlebt.
Verbesserungsvorschläge
Der Komplette Vertrieb muss Umstrukturiert werden. Alle Kollegen mit denen ich gesprochen habe sind sich einig: wir sind zu viele. Die Gebiete sind VIEL zu klein. Dadurch sind die Vorgaben an Verkäufen quasi unmöglich zu schaffen.
Das führt zu massenhaft Kündigungen, geringen Gehältern und einem schlechten Ruf.
Arbeitsatmosphäre
Die meisten Kollegen wissen, dass sie sich auf einem sinkenden Schiff befinden. Der daraus resultierende Galgenhumor à la "wir sind ja eh nicht mehr lange hier", hat die Stimmung im Büro etwas aufgeheitert. Wöchentlich kommt von der Geschäftsleitung ein "es geht so nicht weiter".
Image
In einem Wort: Katastrophal. Viele Kunden sind bereits Sauer wegen nicht erbrachten Leistungen, zu hohen Preisen, "Versehentlich" abgeschlossenen Verträgen oder Weil jedes Halbjahr ein neuer Kollege vorbeikommt. Letzteres kommt scheinbar dadurch das kaum jemand ein ganzes Jahr an diesem Standort übersteht.
Work-Life-Balance
Unbeabsichtigt gut. Da es durch Mangelhafte Planung viel zu viele Vertriebler auf viel zu engem Raum gibt, gibt es für den einzelnen Kaum Kunden. D.h. man hat nichts zu tun und verbringt oft den ganzen Tag im Homeoffice. Wie viel man hier arbeitet bleibt einem selbst überlassen.
Karriere/Weiterbildung
Laut einiger Kollegen die es geschafft haben sich länger zu halten sieht eine Karriere im Vertrieb bei Sellwerk (in der Oberpfalz) etwa so aus:
bestehen der Probezeit: ungefähr 50% scheitern
überstehen 1. Jahr: ungefähr 80% scheitern
Die einzig, wirkliche Aufstiegsmöglichkeit ist vom Vertriebler zum Teamleiter (Area Manager) aufzusteigen. Das schaffen die wenigsten.
Kollegenzusammenhalt
Die Kollegen sind im Schnitt um die 30. Fast alles Junge Leute die nicht wussten worauf sie sich einlassen. Dafür ist der Kollegen Zusammenhalt erstaunlich gut. Alle versuchen sich gegenseitig zu helfen weil sie wissen das sie alle im gleichen Schlamassel sitzen.
Vorgesetztenverhalten
Mittelschwere Katastrophe. Die Teamleiter sind gut aber die Ebene darüber ist so berüchtigt, das ich schon vor meiner Anstellung schlechtes gehört habe. Zurecht wie sich herausstellt.
Arbeitsbedingungen
Gut: ab Tag 1 der Basisschulung gibt es einen Firmenwagen, -Handy und -Laptop. Alles in guter Qualität.
Schlecht: das Büro in Regensburg Spartanisch eingerichtet. Ein paar kahle Räume, ein paar Schreibtische, ein paar Stühle.
Kommunikation
Jeden Montag und Freitag ist Meeting, in dem man massig Infos bekommt. Dadurch hat man zwar alles was man braucht aber 90% der Informationen sind einfach nicht relevant. Die Zeit im Meeting wird dann nur abgesessen.
Gehalt/Benefits
In der Theorie lockt ein attraktives Gehalt und ein paar Nette Benefits. In der Praxis basiert das Gehalt aber fast komplett auf Provision. Sprich wer wenig Verkauft bekommt Hungerlohn. Und dadurch das die Gebietsplanung in der Oberpfalz dafür Sorgt das jeder Vertriebler nur ein paar kleine Dörfer betreut, Verkaufen die meisten wenig. Ein extra Stern für die Benefits.
Interessante Aufgaben
Kundentermine machen meistens Spaß. Leider nehmen sie nur etwa die Hälfte der Arbeitszeit ein. Die andere Hälfte besteht darin, desinteressierte Kleinunternehmer im Callcenter-Stil anzurufen und zu versuchen, ihnen einen Termin aufzuschwatzen.


