Starker Leistungsdruck, unrealistische Vorgaben und sinkende Wertschätzung
Verbesserungsvorschläge
-Realistische Zielvorgaben, die regionale Marktbedingungen berücksichtigen
-Mehr Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern statt Austauschbarkeit zu vermitteln
-Wiedereinführung echter Kundenbindung statt kurzfristigem Abschlussdenken
-Führungskräfte sollten Außendienst-Alltag besser verstehen, z. B. durch regelmäßige Begleitungen (gerade die aus anderen Regionen)
-Onboarding für neue Mitarbeiter entschärfen, realistische Einarbeitungsziele statt überhöhter Umsatzzwang
-Druck reduzieren, um Motivation und Qualität langfristig zu sichern
-Analyse der Kündigungsgründe langjähriger Mitarbeiter und Umsetzung daraus resultierender Maßnahmen
Arbeitsatmosphäre
Seit Oktober letzten Jahres hat sich die Arbeitsatmosphäre deutlich verschlechtert. Der Druck ist massiv gestiegen, obwohl wir als Sales Manager im Vergleich zum Vorjahr teilweise das Doppelte an Umsatz generiert haben. Wertschätzung ist kaum noch spürbar – im Gegenteil: Es wird schnell vermittelt, dass Mitarbeiter leicht ersetzbar sind und eine langfristige Zusammenarbeit offenbar nicht gewünscht ist. Stattdessen werden Mitarbeiter bei Nicht erreichen der kaum erfüllbaren Ziele teilweise sogar ermahnt oder abgemahnt, was das Klima weiter verschlechtert.
Dass innerhalb von nur drei Monaten vier gute, und zum Teil langjährige Mitarbeiter eigenständig gekündigt haben, spricht für sich.
Image
Während das äußere Bild von Sellwerk vielleicht noch solide wirkt, sieht die Realität im Inneren anders aus. Die stark gestiegenen Anforderungen, unrealistischen Zielsetzungen und die fehlende Mitarbeiterbindung spiegeln sich nun auch im Ruf wider – nicht zuletzt, weil immer mehr erfahrene Mitarbeiter das Unternehmen freiwillig verlassen. Die Entwicklung lässt Zweifel daran aufkommen, ob das langfristige Image von Sellwerk nachhaltig positiv gehalten werden kann. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass Druck und Controlling über allem stehen und der Vertrieb zunehmend an Bodenständigkeit, Fairness und Realitätsnähe verliert.
Karriere/Weiterbildung
Auch das Thema Aufstieg wirkt eher demotivierend: Grundsätzlich soll man bei guter Leistung und Zielerreichung höhere Stufen erreichen können. In der Praxis müssen Mitarbeiter, die teilweise über 100.000 € Neuumsatz generiert haben, regelrecht darum bitten. Selbst wenn die Zielvorgaben weit übertroffen werden, werden zusätzliche Bedingungen angehängt, um „ganz sicherzugehen“. Wird auch diese Hürde erfüllt, folgt die Höherstufung oft nur auf Probe – erneut mit Zielen, um zu testen, ob man den Titel „wirklich verdient“. Das vermittelt eher Misstrauen als Motivation.
Vorgesetztenverhalten
Unsere Chefin am Standort hat lange Zeit versucht, den Druck abzufedern und ein gesundes Arbeitsklima zu erhalten. Mittlerweile ist das aber kaum noch möglich, da die Vorgaben von oben immer extremer werden. Die Führungsebene trifft Entscheidungen ausschließlich anhand von Excel-Tabellen & Controlling-Daten, ohne Bezug zu den realen Bedingungen im Außendienst. Unrealistische Zielvorgaben – insbesondere der Vergleich zwischen Thüringen und wirtschaftlich völlig anderen Regionen wie München – führen dazu, dass Anforderungen schlicht nicht umsetzbar sind.
Arbeitsbedingungen
Die internen Vorgaben haben sich stark ins Negative entwickelt. Es wird zunehmend erwartet, Kunden „abzufrühstücken“, sobald eine Unterschrift in Sicht ist. Nachhaltige Betreuung oder Kundenbindung spielt praktisch keine Rolle mehr. Selbst neue Mitarbeiter stehen unter enormem Druck: Wer in den ersten drei Monaten keine Umsätze von 10.000 € pro Monat erreicht, muss mit Konsequenzen rechnen. Diese Bedingungen erschweren nicht nur den Arbeitsalltag erheblich, sondern machen das Unternehmen für neue Kollegen unattraktiv.
Kommunikation
Die Kommunikation zwischen Führungsebene und Außendienst ist geprägt von unrealistischen Vorgaben, mangelnder Einschätzung der realen Marktsituation und fehlendem Verständnis für regionale Unterschiede. Rückmeldungen aus der Praxis werden kaum berücksichtigt. Stattdessen werden Kennzahlen und Zielvorgaben über alles gestellt, was die Zusammenarbeit erschwert und die Motivation insgesamt sinken lässt.


