Unternehmenskultur zeigt sich nicht nur, wenn alles funktioniert.
Verbesserungsvorschläge
_Wenn der Umgang am Ende mehr sagt als der Anfang
Unternehmen treffen Personalentscheidungen, berufliche Wege trennen sich – das gehört zum Arbeitsleben. Auch die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses während der Probezeit ist ein legitimer unternehmerischer Vorgang.
Kritikwürdig ist hier weniger das Ergebnis als die Diskrepanz zwischen vorheriger Kommunikation, tatsächlichen Rahmenbedingungen und späterer Begründung.
_Ein guter Anfang
In die ersten drei Monate wurde viel investiert. Kollegen nahmen sich intensiv Zeit für die Einarbeitung. Im Feedbackgespräch wurden Fortschritte, Begeisterung für das Produkt und Lernbereitschaft ausdrücklich gewürdigt. Verbesserungspotenzial wurde benannt – die Gesamtbewertung stand dennoch auf Grün.
_Viel Verantwortung, wenig Begleitung
Danach nahm die fachliche Begleitung deutlich ab, während bereits eigenständig Kundentermine verantwortet wurden. Das Produkt ist komplex und kompliziert – beide Begriffe sind bewusst gewählt.
Die Herausforderung lag in der Kombination: Nach drei Monaten mussten fachliche Tiefe, Zusammenhänge und Besonderheiten des Produkts erfasst, das Onboarding-Paket und kundenspezifische Anforderungen berücksichtigt und zugleich ein souveränes Auftreten beim Kunden gezeigt werden.
Dass dabei Unzufriedenheit auf Kundenseite entstehen kann, ist wenig überraschend. Eine Mitarbeiterin nach drei Monaten weitgehend eigenständig beim Kunden einzusetzen, ist eine Führungsentscheidung. Die daraus entstehenden Schwierigkeiten später als unzureichende fachliche Entwicklung zu bewerten, wirft Fragen auf.
_Bewertung ohne erkennbaren Maßstab
Darüber hinaus war die Position neu geschaffen worden. Eine vergleichbare Rolle, ein etablierter Maßstab für die Lernkurve oder transparente Bewertungskriterien waren nicht erkennbar. Die Führungskräfte, die später urteilten, hatten keinen Kundentermin begleitet.
Nach sechs Monaten galt die fachliche Entwicklung dennoch als nicht ausreichend. Das Engagement sei erkennbar, reiche aber nicht. Auf die Frage nach konkreten Kriterien folgte keine nachvollziehbare Antwort.
Kritik muss nicht angenehm sein, um berechtigt zu sein. Sie braucht jedoch einen nachvollziehbaren Maßstab.
_Versprochen wurde etwas anderes
Im Drei-Monats-Gespräch fiel das Zwischenfazit positiv aus. Zugleich wurde zugesichert, bei einer veränderten Wahrnehmung frühzeitig das Gespräch zu suchen.
Das geschah vor der Kündigung nicht. An einem Freitag fand noch ein rund sechsstündiger Kundentermin statt; anschließend wurde mitgeteilt, dass das Arbeitsverhältnis nicht fortgeführt werde. Zwei Tage später endete die Probezeit.
Auch das weitere Vorgehen warf Fragen auf. Später wurde dargestellt, das Kündigungsschreiben sei im Gespräch nicht mitgenommen worden. Nach eigener Erinnerung wurde dort jedoch kein Schreiben ausgehändigt. Die daraus entstandenen Schwierigkeiten bei der Bundesagentur für Arbeit wurden unmittelbar angesprochen und um Klärung gebeten – ohne zufriedenstellendes Ergebnis.
So entstand der Eindruck, dass nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses die Unternehmensinteressen stärker gewichtet wurden als eine professionelle Handhabung, die auch die berechtigten Belange eines ausscheidenden Mitarbeiters berücksichtigt.
Wo blieb die zugesagte Offenheit – und wo die Ehrlichkeit, die Voraussetzung jeder vertrauensvollen Zusammenarbeit ist?
_Was bleibt
Positiv bleiben engagierte Kollegen, ein interessantes Produkt und die Möglichkeit, früh Verantwortung zu übernehmen.
Dass ein Unternehmen ein Arbeitsverhältnis während der Probezeit nicht fortsetzt, steht nicht im Zentrum der Kritik. Entscheidend sind der Weg dorthin, die angelegten Maßstäbe und der Umgang mit den Konsequenzen.
Insbesondere das Führungsverhalten hinterlässt einen kritischen Eindruck. Denn auch die Art, wie Führung praktiziert und mit ihren Folgen umgegangen wird, prägt die Qualität eines Arbeitgebers.
Unternehmenskultur zeigt sich nicht nur dort, wo alles funktioniert, sondern vor allem dort, wo es schwierig wird.


