Gut am Arbeitgeber finde ich
Transparente Karriere- und Provisionsstruktur. Jeder weiß, welche Ziele für die nächste Beförderung erreicht werden müssen.
Sehr guter Kollegenzusammenhalt. Die Kollegen unterstützen sich gegenseitig und stehen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.
Moderne Büroräume mit guter Ausstattung sowie kostenlosen Softdrinks und Obst.
Gute Verdienstmöglichkeiten für leistungsstarke Mitarbeiter durch ein attraktives Provisionsmodell ohne feste Obergrenze.
Homeoffice-Ausstattung wird zur Verfügung gestellt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Extremes Micromanagement. Es herrscht eine permanente Kontrolle der Mitarbeiter. Bleiben Aktivitäten für kurze Zeit aus, wird man teilweise bereits nach 15 Minuten vom Abteilungsleiter per Microsoft Teams angeschrieben und gefragt, warum aktuell keine Aktivität stattfindet. Vertrauen in eigenverantwortliches Arbeiten sucht man hier vergeblich.
Der Fokus liegt nahezu ausschließlich auf Kontaktstatistiken und Kennzahlen. Die Qualität der Kundenbeziehungen rückt dadurch häufig in den Hintergrund.
Homeoffice wird stark an die persönliche Performance gekoppelt und bei schlechten Kennzahlen als Maßnahme eingeschränkt oder entzogen.
Sehr hoher Leistungsdruck, wodurch sich die Tätigkeit eher wie ein stark kennzahlengetriebener Call-Center-Vertrieb als ein eigenverantwortlicher B2B-Vertrieb anfühlt.
Von Führungskräften wird die Extrameile erwartet. Pünktlicher Feierabend wird nicht gerne gesehen und Überstunden gehören zur gelebten Kultur.
Hohe Fluktuation im Vertrieb.
Vergleichsweise niedriges Fixgehalt im Branchenvergleich.
Mitarbeiter werden bei Entscheidungen häufig erst nach der Umsetzung um Feedback gebeten, anstatt frühzeitig eingebunden zu werden.
Verbesserungsvorschläge
Weniger Micromanagement und mehr Vertrauen in die Mitarbeiter. Nicht jeder Call muss bis ins kleinste Detail analysiert werden.
Den Fokus stärker auf Qualität statt ausschließlich auf Kontaktstatistiken legen. Gute Kundenbeziehungen entstehen nicht nur durch eine hohe Anzahl an Kontakten.
Homeoffice nicht als Belohnung oder Maßnahme nutzen, sondern unabhängig von kurzfristigen Kennzahlen ermöglichen.
Neue Mitarbeiter in den ersten Monaten realistischer an ihren Zielen messen. Gerade nach der Probezeit ist die Erwartung eines monatlichen Abschlusses nicht für jeden Kundenstamm realistisch.
Mitarbeiter früher in Entscheidungsprozesse einbinden, anstatt erst nach der Umsetzung nach Feedback zu fragen.
Gute Leistungen sollten häufiger anerkannt werden und nicht ausschließlich Defizite im Fokus stehen.
Das Fixgehalt wettbewerbsfähiger gestalten, um im Vergleich zu anderen Personaldienstleistern attraktiver zu sein
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich als sehr leistungs- und kontrollorientiert erlebt. Es herrschte aus meiner Sicht ein ständiges Micromanagement. Aktivitäten und Kennzahlen wurden eng überwacht und nahezu jeder Call wurde im Nachgang detailliert analysiert und auseinandergenommen. Anstatt Vertrauen aufzubauen, hatte ich häufig das Gefühl, permanent unter Beobachtung zu stehen.
Erreichte Erfolge wurden zwar zur Kenntnis genommen, jedoch lag der Fokus schnell wieder auf der nächsten Leistungssteigerung. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass es selten "genug" war. Wer sich in einem Umfeld mit sehr enger Führung und kontinuierlicher Kontrolle wohlfühlt, mag damit gut zurechtkommen. Für mich persönlich war diese Arbeitsatmosphäre auf Dauer jedoch nicht passend.
Image
Das Image von SOLCOM habe ich nach außen als gemischt wahrgenommen. Als Personaldienstleister im Projektgeschäft ist das Unternehmen zwar bekannt und verfügt über einen großen Kundenstamm. Gleichzeitig hatte ich jedoch mehrfach die Situation, dass Ansprechpartner eine Zusammenarbeit mit mir ablehnten, weil sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit SOLCOM gemacht hatten.
Ebenso kam es vor, dass Kunden SOLCOM intern bereits ausgeschlossen hatten. Trotz vorhandenem Bedarf wurde eine Zusammenarbeit deshalb von Kundenseite grundsätzlich abgelehnt. Das hat die Akquise in manchen Fällen deutlich erschwert und war für mich als Vertriebler frustrierend, obwohl ich auf diese Vorgeschichte keinen Einfluss hatte.
Das Unternehmen tritt professionell auf und investiert entsprechend in seinen Außenauftritt. Als Arbeitgeber würde ich das Unternehmen jedoch differenzierter betrachten. Nach außen wird viel mit Karriere, Verdienstmöglichkeiten und Entwicklungschancen geworben. Im Arbeitsalltag stehen jedoch hoher Leistungsdruck und Kennzahlen deutlich im Vordergrund, als man es anhand des Außenauftritts erwarten würde.
Work-Life-Balance
Eine gute Work-Life-Balance gibt es aus meiner Sicht nicht. Es gibt eine minutengenaue Arbeitszeiterfassung und die Sollarbeitszeit muss vollständig erfüllt werden. Vertrauensarbeitszeit existiert nicht. Positiv ist lediglich, dass der Arbeitsbeginn zwischen 08:00 und 09:00 Uhr flexibel möglich ist und private Termine wahrgenommen werden können, sofern die verlorene Arbeitszeit nachgeholt wird.
Von Führungskräften wird die Extrameile erwartet. Pünktlich Feierabend zu machen ist nicht gerne gesehen und Überstunden gehören zur gelebten Kultur.
Homeoffice ist erst nach der Probezeit möglich. Standard sind zwei Tage pro Woche, ein dritter Tag kann in Absprache mit der Führungskraft gewährt werden. Voraussetzung dafür sind gute Kennzahlen. Stimmen die Zahlen nicht, wird Homeoffice gerne als Maßnahme eingeschränkt oder komplett gestrichen. Dadurch wird Homeoffice faktisch als Belohnung für gute Leistung und als Sanktion bei schlechter Performance eingesetzt.
Karriere/Weiterbildung
Das Karrieremodell ist transparent aufgebaut und wird von Anfang an offen erklärt. Jeder weiß, welche Voraussetzungen für die nächste Beförderung erfüllt werden müssen. Aufstiegschancen und Beförderungen erfolgen leistungsorientiert und orientieren sich am erwirtschafteten Deckungsbeitrag. Dieses System empfand ich als fair und sehr gut.
Etwas kritisch sehe ich allerdings die Erwartungen direkt nach der Probezeit. Ab diesem Zeitpunkt wird praktisch jeden Monat ein Abschluss erwartet, damit man sich weiterhin im Karrieremodell befindet. Bleibt dieser aus, wird von den Vorgesetzten regelmäßig thematisiert, dass man sich aktuell nicht mehr im Karrieremodell befindet. Gerade für Mitarbeiter, die sich noch im Aufbau ihres Kundenstamms befinden, empfinde ich diese Erwartung als sehr hoch.
Gehalt/Benefits
Das Fixgehalt ist im Vergleich zur direkten Konkurrenz wie Hays oder FERCHAU eher schlecht. Dafür bietet SOLCOM ein attraktives Provisionsmodell mit nach oben hin praktisch keinen Grenzen. Wer leistungsstark ist und gute Ergebnisse erzielt, kann hier entsprechend sehr gut verdienen. Der Fokus liegt daher klar auf der variablen Vergütung und weniger auf einem guten Fixgehalt.
Zusätzlich gibt es ein Benefit-Portal sowie die Möglichkeit, Homeoffice-Ausstattung vom Unternehmen gestellt zu bekommen. Das ist ein positiver Punkt – auch wenn das Unternehmen beim Thema mobiles Arbeiten insgesamt restriktiv aufgestellt ist.
Ein Firmenwagen ist erst ab der Position des Key Account Managers möglich und wird ab einer bestimmten Karrierestufe zusätzlich bezuschusst. Eine Alternative in Form einer Mobilitäts- oder Car Allowance gibt es allerdings nicht.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war aus meiner Sicht sehr gut. Man hatte das Gefühl, dass alle im selben Boot sitzen und sich gegenseitig unterstützen. Bei Fragen konnte man sich jederzeit an die Kollegen wenden und erhielt schnell Hilfe oder hilfreiche Tipps. Die Zusammenarbeit untereinander war respektvoll und hilfsbereit, sodass man sich im Team trotz des anspruchsvollen Arbeitsalltags gut aufgehoben fühlte.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kollegen gab es an meinem Standort so gut wie keine. Bis auf die beiden Teamleiter und den Abteilungsleiter lag das Durchschnittsalter der Kollegen schätzungsweise zwischen 25 und 35 Jahren.
Während meiner Zeit habe ich vier Kollegen gehen und vier neue Kollegen kommen sehen. Es war also wirklich ein ständiges Kommen und Gehen. SOLCOM schreibt drei- bis viermal im Jahr Stellen für Vertriebsmitarbeiter aus. Die Fluktuation ist entsprechend hoch. Das Arbeitstempo und die hohen Erwartungen sorgen meiner Meinung nach dafür, dass nur die wenigsten langfristig im Vertrieb bleiben. Daher gibt es kaum ältere Kollegen. Das Umfeld richtet sich vor allem an jüngere Mitarbeiter, die bereit sind, für die Möglichkeit auf ein hohes Einkommen ein sehr hohes Arbeitstempo und Leistungsdruck in Kauf zu nehmen.
Vorgesetztenverhalten
Der Umgang mit den Vorgesetzten war grundsätzlich respektvoll. Hier und da konnte der Ton etwas rauer werden, wenn der ein oder andere mal schlechte Laune hatte. Ansonsten war der Umgang aber stets respektvoll und es herrschte eine Duz-Kultur. Zwar war das Verhältnis nicht komplett auf Augenhöhe, die Führungskräfte wirkten aber auch nicht abgehoben. Man konnte durchaus miteinander scherzen und Witze machen, dennoch war jederzeit spürbar, dass die Hierarchie vorhanden ist.
Entscheidungen wurden grundsätzlich von oben getroffen. Mitarbeiter wurden zwar häufig nach Feedback gefragt, allerdings meist erst, nachdem Neuerungen bereits umgesetzt worden waren. Im eigentlichen Entscheidungsprozess wurden die Mitarbeiter kaum einbezogen. Das Motto war häufig: "Das ist jetzt so, macht mal." Erst einige Monate später wurde dann gefragt, wie die Änderungen angekommen sind.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen waren insgesamt gut. Die Büros waren modern eingerichtet und die Schreibtische gut ausgestattet. Als Arbeitsgeräte gab es je nach Verfügbarkeit Laptops von HP oder Dell sowie ein iPhone (Standard oder Mini). Die Geräte waren zwar gebraucht, befanden sich aber in einem guten Zustand und erfüllten ihren Zweck.
Die IT hatte hin und wieder ihre Probleme, diese wurden jedoch in der Regel zügig behoben. Die Büroräume waren klimatisiert und mit Luftreinigern ausgestattet, wodurch auch an warmen Tagen angenehm gearbeitet werden konnte.
Für das leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt. Es standen kostenlose Softdrinks sowie alle zwei Wochen ein Obstkorb zur Verfügung. Einziger kleiner Kritikpunkt war die Kaffeemaschine, die leider regelmäßig ausgefallen ist.
Kommunikation
Die Kommunikation war aus meiner Sicht stark auf Kennzahlen ausgerichtet. Insbesondere lag der Fokus nahezu ausschließlich auf der Kontaktstatistik. In Feedbackgesprächen ging es häufig darum, warum bestimmte Kontaktzahlen nicht erreicht wurden oder wie diese weiter gesteigert werden könnten. Andere Aspekte, wie die Qualität der Arbeit, persönliche Entwicklung oder positive Leistungen, rückten für mein Empfinden oft in den Hintergrund.
Auch Telefonate wurden regelmäßig detailliert nachbesprochen.
Gleichberechtigung
In diesem Bereich gab es aus meiner Sicht nichts zu beanstanden. Alle Mitarbeiter wurden unabhängig von Geschlecht oder Herkunft gleich behandelt.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren insgesamt weniger abwechslungsreich, als es zunächst den Anschein macht. Der Arbeitsalltag bestand zu etwa 90 % aus telefonischer Kaltakquise. Zwar betreut jeder Mitarbeiter seinen eigenen Kundenstamm und hat dadurch mit unterschiedlichen Unternehmen und Persönlichkeiten zu tun, der eigentliche Fokus liegt jedoch fast ausschließlich auf der telefonischen Akquise. Dadurch erinnerte der Arbeitsalltag für mich eher an ein Callcenter als an einen klassischen B2B-Vertrieb mit viel Eigenverantwortung.
Administrative Tätigkeiten, wie die Pflege von Daten, das Erstellen von Projektverträgen oder andere organisatorische Aufgaben, sollten möglichst wenig Zeit in Anspruch nehmen, da sie die Vertriebsarbeitszeit beeinträchtigen. Die Vertriebsarbeitszeit von 08:00 bis 16:30 Uhr ist vollständig für Akquise vorgesehen. Besonders zwischen 08:00 und 10:00 Uhr gilt Fokuszeit, in der ausschließlich telefoniert werden soll. Auch die Suche nach passenden Freiberuflern bringt nur begrenzt Abwechslung. Der Großteil der Arbeit besteht auch hier aus Telefonaten.