In Theorie gut, In der Praxis teils problematisch.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Cooles junges Team. Sehr spaßige Team Events. Man darf man selbst sein und muss sich nicht verstellen. Sehr schönes und modernes Office. Wir haben viel Musik gehört und zusammen gelacht. In manchen Bereichen wird einem sehr viel Vertrauen geschenkt z.B. Kreditkartennutzung, Nutzung des Lofts nach Feierabend. Man durfte private Termine wahrnehmen. Man kann THEORETISCH kommen und gehen wann man will.
Verbesserungsvorschläge
Arbeitszeiterfassung einführen und Überstunden bezahlen. Mentale Gesundheit ernster nehmen und sicherstellen. HR verstärkt im Interesse der Angestellten agieren lassen. Fairere Bezahlung. Feedback annehmen und sich verbessern wollen. Die Angestellten mehr wertschätzen. Offen für neue Ideen sein und mehr Risiken eingehen. Beziehung zwischen den Angestellten und Management stärken. Manager mit mehr Expertise einstellen oder die jüngeren Manager fördern. Bessere Systeme für Ausfälle von Angestellter erstellen, die die mentale Gesundheit aller sichern. Standorte mehr in das Firmengeschehen involvieren. Manchmal hatte ich das Gefühl Entscheidungen wurden unbedacht und teils rücksichtslos getroffen.
Arbeitsatmosphäre
Als ich bei STAYERY anfing, hatte ich zunächst den Eindruck, es sei mein Traumarbeitgeber. Von außen wirkte die Firma sehr offen und modern, aber leider musste ich feststellen, dass ich mich getäuscht habe. Anfangs wurden zahlreiche Veranstaltungen geplant, man hat gemeinsam gelacht und die Atmosphäre war ausgelassen. Mit ambitionierteren Zielen gingen jedoch auch ein großer Druck, unrealistische Erwartungen und Vorstellungen einher, die mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht zu erreichen waren. Je mehr Druck ausgeübt wurde, desto mehr Personen verließen die Firma. Darunter hat das Büroklima stark gelitten, viele Teammitglieder zogen die Arbeit von zuhause vor, und die allgemeine Stimmung im Büro wurde kühler. In meiner Wahrnehmung wurde der Begriff Start-up oft als Rechtfertigung benutzt, wenn Dinge nicht gut liefen oder man sich unfair behandelt fühlte.
Image
Das Image nach außen war sehr gut, aber innerhalb der Firma wurde viel geredet. Einige Mitarbeitende – mich eingeschlossen – entschieden sich letztlich für einen Ausstieg, da es an echter Wertschätzung und Menschlichkeit im Umgang fehlte.
Work-Life-Balance
Generell kann man private Termine wahrnehmen, was ich gut fand. Man hat ebenfalls eine gewisse Freiheit, was den Arbeitsbeginn angeht. Allerdings muss man misstrauische Blicke und Kommentare in Kauf nehmen, wenn man später auftaucht oder früher geht. Grundsätzlich wird keine Arbeitszeit erfasst. Es gibt kaum eine Person in der Firma, welche keine Überstunden leistet. Entlohnt werden diese natürlich nicht. Im Allgemeinen wird gesagt, man solle im besten Interesse von STAYERY handeln, was meinem Empfinden nach auch die Erwartung birgt, sich zu überarbeiten und unbezahlte Überstunden zu leisten. Wenn Angestellte die Firma verlassen, muss man die Arbeit der fehlenden Personen aufnehmen, ohne eine Anpassung des eigenen Gehalts oder Rücksicht auf die mentale Gesundheit der Mitarbeiter. Zu meiner Zeit gab es nur die gesetzlichen Urlaubstage. Bei jeder Umfrage wurde eine Änderung auf die mittlerweile standardmäßigen 30 Tage angefordert, doch dies wurde nie umgesetzt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Thema Nachhaltigkeit spielte in meiner Wahrnehmung während meiner Zeit bei STAYERY leider keine nennenswerte Rolle. Ein umweltfreundliches Mindset oder ein bewusster Umgang mit Ressourcen waren kaum erkennbar, außerhalb des nachhaltigen Shampoos und Duschgels.
Karriere/Weiterbildung
Im Bereich Weiterbildung gab es wenig aktive Unterstützung. Zwar bestand grundsätzlich die Möglichkeit, durch Eigeninitiative Angebote zu recherchieren und wahrzunehmen, allerdings fehlte eine strukturierte Förderung durch das Unternehmen selbst. Oft musste ich mir Wissen und Skills selbst aneignen, wofür man im Arbeitsalltag keine Zeit hatte. Aufstiegsmöglichkeiten gibt es kaum. Wenn man Glück hat, bekommt man einen höheren Jobtitel, behält aber weiterhin dieselben Aufgaben wie zuvor. Was ich allerdings gut fand, war die Möglichkeit, Abteilungen innerhalb der Firma zu wechseln.
Kollegenzusammenhalt
Zu meiner Zeit war die Rollenverteilung im Unternehmen teilweise klar hierarchisch, wodurch sich zwei getrennte Gruppen entwickelten: die Manager und die Mitarbeiter. Innerhalb dieser Gruppen war der Zusammenhalt gut. Untereinander eher weniger. Vertrauen und offene Kommunikation waren nicht immer auf beiden Seiten gleichermaßen gegeben. Entscheidungen wurden in manchen Fällen vorwiegend auf Führungsebene getroffen, ohne ausreichende Einbindung des Teams. Das führte zu einer gewissen Entfremdung und einem Mangel an gegenseitigem Verständnis. Mikromanagement und das Tolerieren von Fehlverhalten des Managements, verstärkten meiner Meinung nach diese Spaltung.
Vorgesetztenverhalten
Leadership wird leider kleingeschrieben. Meiner Erfahrung nach heißt Management hier, das Team zu delegieren und Druck auszuüben. Es gibt nur wenig, was einem die Teamleads wirklich beibringen. Sei dies aufgrund von Zeitdruck oder Lücken in den eigenen Skillsets. Es gab nur wenige Ausnahmen. Ich habe mich oft auf mich allein gestellt gefühlt und auch nach mehrfacher Bitte um Unterstützung folgten keine Änderungen.
Arbeitsbedingungen
Es gibt Snacks und Getränke, ein paar Aktivitäten, und da hört es auch wieder auf. Man bekommt limitierte Tools an die Hand, um seine Arbeit zu erledigen. Die Dokumentenablage ist zu meiner Zeit sehr chaotisch gewesen. Viel Druck und unrealistische Erwartungen sowie lange Kommunikationsstrecken haben meinen Arbeitsalltag erschwert. Teilweise habe ich Wochen auf Entscheidungen oder Arbeiten des Managements gewartet und musste dann selbst alles last minute erledigen. Was die Arbeitszeiten anging, habe ich immer viel Druck empfunden. Zu meiner Zeit war das Büro um 18:30 Uhr noch komplett voll, weshalb ich das Gefühl hatte, nicht gehen zu dürfen. Bereits am ersten Arbeitstag war dies der Fall und zu keinem Zeitpunkt wurde einem gesagt, dass man gehen darf. Es war keine Seltenheit, dass sich Kollegen zu günstigen Zeitpunkten herausschlichen.
Kommunikation
Obwohl STAYERY eine überschaubare Firma ist und kommuniziert wurde, dass jeder an der Entwicklung der Firma teilhaben kann und soll, wurde man des Öfteren vor vollendete Tatsachen gestellt. Oft hat mir das WIESO gefehlt, wenn neue Prozesse eingeführt oder Entscheidungen getroffen wurden, welche den Arbeitsalltag beeinflussten. Feedback, welches ich gegeben habe, traf meistens auf taube Ohren und wurde gegenargumentiert. Es wurde zwar aktiv nach Feedback gefragt, aber negative Kommentare wurden meines Erachtens ungern gesehen und eher unter den Teppich gekehrt. Es wurde versucht den Fokus auf die positiven Aspekte zu legen, anstatt firmenseitig Verantwortung zu übernehmen. Die Umfragen dienten meines Erachtens zur Einschätzung der Firmenloyalität anstatt als Grundlage für potenzielle Verbesserungen, da diese kaum folgten. Die erwähnten Umfragen wurden ebenfalls „anonym“ genannt, waren allerdings durch Angaben der Abteilung und der kleinen Teams schnell zuzuordnen, woraufhin Teammitglieder zu HR-Gesprächen gerufen wurden.
Gehalt/Benefits
Die Gehaltsstruktur wirkte auf mich nicht immer nachvollziehbar. Wachsende Aufgaben und höhere Verantwortung heißen hier nicht gleich mehr Gehalt. Teilweise musste ich beobachten, dass gewisse Mitarbeitende um Gehaltserhöhungen kämpften, während andere deutlich bevorzugt schienen. Insbesondere bei der geschlechtlichen Gleichbehandlung entstand der Eindruck, dass nicht alle Kollegen gleichwertig behandelt und entlohnt wurden. Die Sozialleistungen waren okay.
Gleichberechtigung
Ich hatte unter anderem das Gefühl, das Männer teils ernster genommen wurden. Was ich allerdings gut fand, war, dass die Anzahl von Männern und Frauen im Büro sehr ausgeglichen war und auch viele Frauen in Führungspositionen vertreten waren. Diversität gab es innerhalb der Firma kaum.
Interessante Aufgaben
Ich war zufrieden mit dem Großteil meiner Aufgaben. Allerdings musste ich oft die „Drecksarbeit“ erledigen, egal ob diese zu meiner Rollenbeschreibung passte oder ob ich bereits komplett ausgelastet war.