Tolles Team, aber zunehmende Unruhe und fehlende Fairness nach Geschäftsführerwechsel
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ich mochte meine Aufgaben und hatte viel Freiraum in meinem täglichen Arbeiten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Starke Verschlechterung von Führung, Kommunikation und Fairness nach dem Geschäftsführerwechsel.
Unfaire Gehaltsstruktur, kaum Entwicklungsmöglichkeiten und wenig Transparenz von oben.
Verbesserungsvorschläge
Transparente und faire Gehaltsstrukturen schaffen sowie bestehende Mitarbeitende wertschätzen.
Klare Prozesse bei Sozialleistungen schaffen, insbesondere bei der BAV und anderen Benefits.
Gleichbehandlung sicherstellen und Rollen unabhängig von Sympathie oder Lautstärke bewerten.
Arbeitsatmosphäre
Im direkten Team war das Miteinander überwiegend positiv, und einige Kolleg:innen sind mir bis heute wichtig. Auch meine direkten Vorgesetzten sowie der frühere Geschäftsführer haben wertschätzend geführt und ein stabiles, angenehmes Arbeitsumfeld geschaffen.
Mit dem Wechsel in der Geschäftsführung kippte die Atmosphäre jedoch spürbar. Informationen wurden zunehmend zurückgehalten, was Unsicherheit erzeugte und einen deutlichen Anstieg an Flurfunk und Vorabgerüchten begünstigte. Parallel entstand eine ausgeprägte Ellbogenmentalität, da weniger die fachliche Leistung zählte, sondern eher Lautstärke und Anpassung an die neue Führung. Diese Entwicklung hat das Betriebsklima nachhaltig belastet und die zuvor gute Atmosphäre stark verschlechtert.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance war insgesamt durchschnittlich. Positiv war, dass Überstunden nicht ständig anfielen. Problematisch war jedoch die Art, wie sie gehandhabt wurden: Man konnte sie zwar grundsätzlich für Ausgleichszeiten nutzen, aber nur bis zu einer Obergrenze von zehn Stunden. Alles darüber hinaus wurde am Monatsende einfach gestrichen. In stressigen Phasen führte das dazu, dass geleistete Mehrarbeit schlicht verfiel, wenn man sie nicht sofort im selben Monat ausgleichen konnte.
Die Arbeitszeiten selbst waren kaum flexibel. Es handelte sich um ein starres 9-to-5-Modell, und obwohl Home-Office möglich war, wurde es nicht immer gern gesehen und sorgte regelmäßig für Diskussionen. Rücksicht auf persönliche Situationen wurde unterschiedlich gehandhabt – manche Mitarbeitende hatten deutlich mehr Spielraum als andere.
Der Arbeitsalltag war stark auf reine Bildschirmarbeit fokussiert, mit wenig Raum für informellen Austausch. Insgesamt war die Work-Life-Balance nicht katastrophal, aber das Unternehmen hat wenig aktiv dazu beigetragen, sie wirklich zu verbessern.
Vorgesetztenverhalten
Mein direkter Teamlead hat mich immer respektvoll behandelt, meine Arbeit klar anerkannt und offen kommuniziert. Insgesamt war die Zusammenarbeit angenehm, auch wenn ich mir bei einzelnen Themen – wie etwa Gehaltsverhandlungen – ein stärkeres Einsetzen gewünscht hätte.
Mit dem Wechsel in der Geschäftsführung veränderte sich das Führungsverhalten spürbar. Die neue Leitung war intern kaum präsent, Entscheidungen kamen häufig ohne Einbindung der Mitarbeitenden, und Rückmeldungen aus den Teams fanden wenig Beachtung. Dadurch entstand schnell das Gefühl, dass die tatsächliche Arbeit und die Belastungen der einzelnen Bereiche kaum wahrgenommen wurden.
In wichtigen Gesprächen, etwa meinem Gehaltsgespräch, erlebte ich einen sehr harten, wenig wertschätzenden Ton, der eher Druck erzeugte als Lösungen ermöglichte. Insgesamt führte der neue Führungsstil zu deutlicher Unruhe und einem spürbar schlechteren Klima.
Kommunikation
Im direkten Team war die Kommunikation grundsätzlich gut. Durch tägliche Stand-ups und regelmäßige Abstimmungen wusste man jederzeit, woran andere arbeiten. Manche Meetings waren zwar unnötig umfangreich, trotzdem herrschte insgesamt eine hohe Transparenz. Herausfordernd war hingegen, dass einige Teammitglieder zeitweise schlecht erreichbar waren – sowohl im Chat als auch telefonisch – ohne sich vorher abzumelden. Das führte gelegentlich zu Verzögerungen in Abläufen und erschwerte die Zusammenarbeit.
Die Unternehmenskommunikation veränderte sich nach dem Wechsel in der Geschäftsführung deutlich. Gemeinsame Ziele wurden kaum noch sichtbar gemacht, Veranstaltungen wie Sommerfeste oder Weihnachtsfeiern wurden reduziert oder gestrichen, und Informationen wurden merklich selektiver weitergegeben. Mitarbeitende in operativen Rollen hatten kaum noch direkten Zugang zur Führungsebene, da Kommunikation bevorzugt ausschließlich über Teamleads lief. Dadurch fehlte Raum für Rückmeldungen und Kritik, was zu Unsicherheiten, Spannungen und einer insgesamt deutlich intransparenteren Kommunikation führte.
Gehalt/Benefits
Die Gehälter waren bereits vor dem Geschäftsführerwechsel eher niedrig, wurden damals aber durch Wertschätzung teilweise ausgeglichen. Mit der neuen Geschäftsführung änderte sich das deutlich: Neue Mitarbeitende wurden mit deutlich höheren Gehältern eingestellt, während bestehende Gehälter trotz Nachfrage nicht angepasst wurden.
In meiner letzten Gehaltsverhandlung bekam ich ein Angebot, das klar unter dem Branchenschnitt lag und im Verlauf sogar weiter reduziert wurde. Statt einer echten Erhöhung wurden mir Zusatzleistungen wie Spritgeld oder die betriebliche Altersvorsorge präsentiert – Leistungen, die teils ohnehin gesetzlich vorgesehen sind oder für mich steuerlich keinen Vorteil boten. Die BAV wurde trotz mehrfacher Anfragen zudem nie umgesetzt.
Abgesehen von einem kleinen Weihnachtsbonus gab es keine nennenswerten Sozialleistungen. Insgesamt empfand ich die Vergütung als nicht marktgerecht und wenig nachvollziehbar.
Gleichberechtigung
Während meiner Zeit im Unternehmen hatte ich zunehmend den Eindruck, dass Gleichbehandlung nicht konsequent umgesetzt wurde. Unter der neuen Geschäftsführung wurden neue Mitarbeitende eingestellt, deren Gehälter spürbar über dem Niveau langjähriger Kolleg:innen lagen. Gleichzeitig wurde bei bestehenden Mitarbeitenden mit Verweis auf fehlendes Budget keine Anpassung vorgenommen. Das führte zu einem deutlich unausgewogenen Gehaltsgefüge.
Zudem wirkte der Umgang der Geschäftsführung mit Mitarbeitenden nicht in allen Fällen einheitlich. Besonders im Austausch hatte ich mehrfach das Gefühl, dass Männer und Frauen unterschiedlich ernst genommen wurden. Einige Aussagen und Gesprächssituationen erzeugten den Eindruck, dass weibliche Mitarbeitende weniger Gehör fanden oder schneller abgewertet wurden. Dieser Unterschied in der Wahrnehmung war für viele Kolleginnen spürbar und hat das Vertrauen in eine faire Behandlung geschwächt.
Insgesamt fehlte mir eine klare, transparente und konsistente Linie, die sicherstellt, dass alle Mitarbeitenden unabhängig von Geschlecht, Position oder Betriebszugehörigkeit gleichwertig behandelt werden.