Unzuverlässiger Arbeitgeber, toxische Kultur
Gut am Arbeitgeber finde ich
Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass durch den Standort Deutschland ein gewisser gesetzlicher Arbeitnehmerschutz besteht – das bietet zumindest eine gewisse Basis. Allerdings: Diese wenigen positiven Aspekte wiegen die strukturellen, kulturellen und zwischenmenschlichen Probleme bei weitem nicht auf. Viele der positiven Bewertungen auf dieser Plattform stammen zudem aus einer frühen Phase der Unternehmensentwicklung, die mit der heutigen Realität nicht mehr vergleichbar ist.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Wenn das Gesamtergebnis negativ ist, verlieren einzelne gute Aspekte an Bedeutung. Ein Blick auf die Vielzahl negativer Bewertungen der letzten drei Jahre – insbesondere im vergangenen Jahr – zeigt deutlich, wohin sich das Unternehmen entwickelt. Die aktuell auf Kununu angezeigte Gesamtnote wirkt auf den ersten Blick noch halbwegs akzeptabel, was allerdings vor allem an den meist positiven Bewertungen aus den „romantischen Anfangsjahren“ der deutschen Niederlassung liegt. Diese Zeiten sind längst vorbei und spiegeln nicht mehr die heutige Realität wider.
Selbst das offizielle Bild hier zeigt Mitarbeitende, von denen viele das Unternehmen inzwischen verlassen haben – oft aus nachvollziehbaren Gründen. Der Bewertungsdurchschnitt der letzten fünf Jahre liegt bei 2,38 – im Jahr 2024 sogar nur noch bei 2,21. Der Trend ist klar erkennbar.
Einzelne positive Bewertungen – teils offensichtlich aus dem Umfeld bestimmter Führungskräfte – können diesen Abwärtstrend nicht kaschieren. Jede:r kann hier eine ehrliche Bewertung abgeben, und nur der Durchschnitt über viele Stimmen zeigt, was wirklich Sache ist.
Die Unternehmen kann kein glaubwürdiges oder positives Arbeitsumfeld darstellen, wenn gerade diejenigen Mitarbeitenden, die sich engagieren, Verantwortung übernehmen und sich mit ihrer Arbeit identifizieren, gezielt ausgegrenzt, demotiviert oder sogar aus dem Unternehmen gedrängt werden. Genau das ist hier aber der Fall: Hochqualifizierte, erfahrene und loyale Fachkräfte wurden entweder systematisch übergangen oder subtil zum Verlassen des Unternehmens gedrängt. Die Gründe reichen von strukturellem Mobbing über fehlende Anerkennung bis hin zu manipulativer Behandlung durch Vorgesetzte. Besonders erschreckend ist, dass diese Entwicklung intern sichtbar ist, aber entweder stillschweigend hingenommen oder durch das Management gedeckt wird.
Wenn also ausgerechnet die fähige und engagierte Kolleg:innen verschwinden, hinterlässt das nicht nur eine fachliche Lücke, sondern untergräbt auch das Vertrauen aller übrigen Mitarbeitenden in Führung, Kultur und Zukunft des Unternehmens. In den letzten Jahren hat das Unternehmen vermehrt befristete Arbeitsverträge vergeben. Viele der auf diese Weise eingestellten Personen sind nach Ablauf ihrer Verträge wieder verschwunden. In einem solchen Klima kann kein positives internes Image entstehen – ganz gleich, was extern kommuniziert wird.
Verbesserungsvorschläge
Es wurde viel konstruktives Feedback gegeben, das jedoch in der Routine verloren ging, wahrscheinlich absichtlich.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre ist von Angst, Misstrauen, Unsicherheit und Intransparenz geprägt. Entscheidungen des Managements sind oft willkürlich und für Mitarbeitende nicht nachvollziehbar. Eigenverantwortung wird gehemmt, statt gefördert. Entscheidungen werden häufig über die Köpfe der Mitarbeitenden hinweg getroffen, was ein Gefühl der Ohnmacht erzeugt. Konstruktives Feedback wird nicht gefördert, sondern als Bedrohung wahrgenommen. Zusammenarbeit mit Feedback endet oft mit Isolation oder Vergeltungsmaßnahmen/Repressalien. Der Umgangston ist oft passiv-aggressiv – echtes Miteinander gibt es nur in Nischen.
Vetternwirtschaft und Begünstigung sind im Unternehmen deutlich spürbar, was sich negativ auf Fairness, Mitarbeitermoral und Chancengleichheit auswirkt.
Image
Das äußere Image ist poliert – intern sieht es ganz anders aus. Viele neue Mitarbeitende sind nach wenigen Monaten ernüchtert. Das Unternehmen vermarktet sich als modern und mitarbeiterzentriert, doch die Realität ist geprägt von Mikromanagement, interner Officepolitik und fehlender Integrität.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance ist in diesem Unternehmen kaum erreichbar – nicht wegen der Menge an Arbeit allein, sondern wegen der toxischen Grundatmosphäre und der ständigen Unsicherheit. Wer im Büro arbeitet, verbringt den Großteil seines Tages – und damit seines Lebens – in einem Umfeld, das von Misstrauen, politischem Kalkül und verdecktem Konkurrenzkampf geprägt ist. Planungssicherheit gibt es nicht; Arbeitslasten und Verantwortungen ändern sich willkürlich.
Auffällig ist zudem die massive Ungleichverteilung der Arbeitslast: Während einige Kolleg:innen unter permanenter Überforderung leiden, gibt es gleichzeitig Mitarbeitende, die offensichtlich unterbeschäftigt sind – oft geschützt durch ihre Nähe zu bestimmten Führungskräften. Es wird weggeschaut, wenn Aufgaben ignoriert oder nur oberflächlich erledigt werden. Teilweise wird sogar sichtbar „beschäftigt getan“, während die eigentlichen Aufgaben unbearbeitet bleiben – ohne Konsequenzen.
Karriere/Weiterbildung
Karriereperspektiven sind in diesem Unternehmen stark eingeschränkt und oft abhängig von internen Beziehungen statt von Leistung, Erfahrung oder Engagement. Obwohl formal klare Karrierewege existieren, gibt es in der Realität keine strukturierte Personalentwicklung und keine echten Entwicklungsgespräche. Beförderungen oder neue Verantwortlichkeiten erfolgen häufig willkürlich oder auf persönliche Nähe zu bestimmten Führungskräften – transparente Kriterien fehlen vollständig.
Weiterbildungsmöglichkeiten sind begrenzt und werden nur selektiv gefördert. Wer aktiv nach Schulungen fragt, bekommt meist ausweichende Antworten oder wird vertröstet. Eigeninitiative wird nicht belohnt, sondern eher ignoriert – in manchen Fällen sogar als Störung wahrgenommen. Mitarbeitende, die fachlich wachsen oder sich langfristig entwickeln möchten, stoßen schnell an unsichtbare Grenzen, die kaum kommuniziert werden.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter Kollegen variiert stark zwischen den Abteilungen. Eine offene Fehlerkultur oder echte Teamarbeit sind selten erkennbar. In manchen Teams gibt es echten Zusammenhalt, aber diese positiven Ausnahmen werden durch die Gesamtstruktur belastet. Konkurrenzdenken wird durch mangelnde Führung und fehlende klare Rollenverteilung gefördert. Mitarbeitende werden gegeneinander ausgespielt, es herrscht Misstrauen statt Vertrauen. In einigen Fällen wurden Mitarbeitende bewusst isoliert, um sie zur Kündigung zu drängen – unterstützt oder zumindest gedeckt von der Leitung.
Umgang mit älteren Kollegen
Auffällig ist, dass es nur sehr wenige Kollegen gibt, die 50 Jahre oder älter sind – was unweigerlich die Frage aufwirft: Warum? Es entsteht der Eindruck, dass erfahrene Mitarbeitende in nicht-schlüsselrelevanten Positionen schrittweise durch junge, unerfahrene Einsteiger ersetzt werden, um diese möglichst früh im Sinne der Unternehmenslogik zu „formen“. Damit geht nicht nur wertvolles Wissen verloren, sondern auch ein Stück Identität. Nur wenige derjenigen, die das Unternehmen von Anfang an mit aufgebaut haben, sind überhaupt noch da.
Vorgesetztenverhalten
Führung findet überwiegend nach dem Prinzip der Kontrolle statt, nicht der Entwicklung. Viele Führungskräfte scheinen unzureichend ausgebildet im Bereich Mitarbeiterführung und im Umgang mit Menschen. Strategien oder Visionen fehlen, stattdessen dominieren Mikromanagement und kurzfristiges Denken. Konstruktive Kritik wird ignoriert oder sanktioniert, Loyalität zählt mehr als Kompetenz. Entscheidungen wirken willkürlich und nicht nachvollziehbar. Wer Fragen stellt oder Verbesserungsvorschläge macht, wird häufig gaslighted. Führungskräfte decken sich gegenseitig und schützen sich selbst – auf Kosten der Mitarbeitenden.
Arbeitsbedingungen
Die physische Arbeitsumgebung ist unruhig und wenig förderlich für konzentriertes Arbeiten. Jüngste Entscheidungen zum Homeoffice wurden z. B. ohne Rücksprache getroffen – es ging weniger um Produktivität als um Kontrolle. Die räumlichen Umstrukturierungen im Büro erfolgten ebenso ohne Einbindung der Mitarbeitenden und führten zu Unzufriedenheit und Produktivitätsverlust. Im Büro ist es sehr laut, es gibt keine Klimaanlage und der alte, stinkende Teppichboden ist muffig. Die produktiven Mitarbeiter sitzen in offenen Räumen eng beieinander, die Küche ist zu klein und die Toiletten für so viele Mitarbeiter unzureichend. Gleichzeitig steht die Hälfte des Büros leer, und die Führungskräfte haben separate Büros und deutlich bessere Arbeitsbedingungen. Es ist eine Schande, unter solchen Bedingungen in einem Technologieunternehmen in Deutschland zu arbeiten.
Kommunikation
Transparente Kommunikation ist kaum vorhanden. Entscheidungen werden oft kurzfristig und intransparent getroffen, es fehlt ein professionelles Kommunikationskonzept. Flurfunk ersetzt offizielle Informationen. Feedback wird zwar eingefordert, aber selten umgesetzt. Die Kommunikation dient vor allem dazu, die Fassade zu wahren. Feedback wird zwar eingefordert, aber selten umgesetzt. Widersprüche oder Intransparenzen werden entweder ignoriert oder so lange verdreht, bis man selbst an der eigenen Wahrnehmung zweifelt.
Aus wichtigen Kommunikationsflüssen ohne nachvollziehbaren Grund ausgeschlossen zu werden, keine Rückmeldungen von Vorgesetzten zu erhalten oder monatelang – teils über ein Jahr – auf wichtige Freigaben zu warten, gehört hier zum Alltag. Ignoriert zu werden ist keine Ausnahme, sondern Teil der Struktur. Einzelne Mitarbeitende oder ganze Teams werden gezielt von unternehmensweiten Informationen und Entscheidungen abgekoppelt – was zu Frustration, Unsicherheit und einem Gefühl von Bedeutungslosigkeit führt.
Gehalt/Benefits
Die Gehälter liegen klar unter dem Branchendurchschnitt und sind insbesondere für eine Region mit hohen Lebenshaltungskosten nicht angemessen. In vielen Positionen entsprechen die Vergütungen eher einem Einstiegsniveau – unabhängig von Erfahrung, Qualifikation oder Verantwortung. Gehaltserhöhungen sind selten, nicht transparent begründet und oft marginal. Boni oder andere leistungsabhängige Zahlungen existieren entweder nicht oder sind willkürlich verteilt.
Zwar profitieren Mitarbeitende in Deutschland grundsätzlich vom starken gesetzlichen Arbeitnehmerschutz – doch das Unternehmen setzt gezielt externe juristische Beratung ein, um sich selbst bestmöglich abzusichern. Das bedeutet im Klartext: Wer hier arbeitet, sollte selbst über rechtlichen Beistand verfügen oder zumindest gut informiert sein, um sicherzustellen, dass die eigenen Rechte gewahrt bleiben. Ein gesundes Gleichgewicht zwischen Unternehmensinteresse und Mitarbeiterschutz ist hier leider nicht gegeben.
Gleichberechtigung
Formell wird Gleichberechtigung kommuniziert, faktisch gibt es jedoch Unterschiede in der Behandlung. Frauen in Führungspositionen sind unterrepräsentiert. Entscheidungen erscheinen oft willkürlich und Aufstiegsmöglichkeiten sind intransparent. Entscheidungen über Beförderungen oder Rollenverteilungen wirken oft politisch motiviert.
In einigen Abteilungen zeigt sich ein deutlich unausgewogenes Geschlechterverhältnis – während in manchen Bereichen fast ausschließlich Frauen arbeiten, sind andere Teams rein männlich besetzt. Besonders auffällig wird dies, wenn solche Teams räumlich getrennt agieren – die Atmosphäre erinnert dann eher an eine Kaserne als an ein modernes, vielfältiges Arbeitsumfeld. Eine gezielte Förderung von Gleichberechtigung oder Durchmischung ist nicht erkennbar.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben könnten spannend sein – wären da nicht die permanente Überlastung, die fehlende Struktur und ständige Richtungswechsel. Rollen und Verantwortlichkeiten sind unklar. Oft übernehmen Mitarbeitende Aufgaben, die weder zu ihrer Position passen noch im Rahmen ihrer Kapazitäten liegen. Vorschläge zur Verbesserung oder Innovation werden selten ernsthaft verfolgt, sondern versanden.