Wenn du außer dem Ausbau deiner fachlichen Expertise weder soziale noch finanzielle Ambitionen hast -> Deine Firma
Arbeitsatmosphäre
Es herrscht eine absolute Inflation der Bemühung in dieser Firma. Viele Kollegen gehen 5 Extrameilen, sodass "nur" eine Extrameile wirkt, wie eine Under-Performance. Die allermeisten Kollegen sind nett und hilfsbereit, wobei im Allgemeinen versucht wird, eine professionelle Fassade aufrechtzuerhalten. Es herrscht ein unausgesprochenes Verhaltensregelwerk, dass ein Recht auf Aufmerksamkeit oder Lautstärke nur derjenige hat, der mit herausragender Expertise glänzen kann. Dies bedingt, das Herzlichkeit und Authentizität eher zu Einzelfällen werden. So ist es auch schwer, mit Kollegen Gespräche mit Themen außerhalb der Fachlichkeit zu führen. Das ganze wird amplifiziert durch enormen Leistungsdruck aufgrund von extrem eng getakteten Projekten, Kundenerwartungen und Top-Down-Druck.
Image
Die Firma hat ein gutes Image. Es stimmt insofern mit der Realität überein, dass Kunden sicher in den meisten Fällen ein gute Dienstleistung erwarten können. Dass das oft zulasten der Mitarbeiter geht, gilt es auch zu bedenken.
Work-Life-Balance
Credit where Credit is due: Es gibt Gleit-/Vertrauensarbeitszeit, relativ flexible Modelle für Teilzeit, sowie längere Beschäftigungsunterbrechungen.
Mobile(!)-Office an drei von fünf Tagen der Woche.(an der Stelle sei mal ausgeklammert, dass sich keine, nicht alleinstehende Person unter Senior-Level bei dem Gehaltsgefüge langfristig ein Teilzeitmodell leisten könnte)
Karriere/Weiterbildung
Eine Person, die gänzlich in Ihrer Fortbildung im Bereich der IT-Security aufgeht, dabei keine wirklichen Ambitionen bezüglich Ausbau des beruflichen Netzwerks, finanzieller Stabilität oder Anstrengungen außerhalb des Hackens hegt, ist hier ggf. richtig. Hier gibt es viele brilliante Köpfe, von denen man lernen kann. Abseits davon:
Es wird mit flachen Hierarchien geworben. Das heißt übersetzt: quasi keine Aufstiegsmöglichkeiten. Das einzig Realistische wäre eine Teamleiterposition, für die allerdings überragende technische Fähigkeiten, sowie lange Betriebszugehörigkeit (scheinbar) Voraussetzung ist.
Auch geworben wird mit Weiterbildungsmöglichkeiten, was milde ausgedrückt irreführend ist. In den ersten 2 Jahren hat man jeweils circa 3-6 Tage Schulungen. Diese sind allerdings Grundvoraussetzung um auch nur eine Idee für verschiedene Aspekte des Jobs zu bekommen und sind in ihrer Tiefe auch schnell wieder vergessen, da man meist nicht Zeitnah genug entsprechende (nötige) Trainings erhält, um das hochspezifische Wissen zu festigen außer, und hier kommt das grundlegende Problem, man ist bereit, mehrere Arbeitswochen(!) seiner Freizeit zu investieren. Zertifikate:bezahlt,lernen:Freizeit
Gehalt/Benefits
Persönliche Erfahrung am Job-Markt an dieser Stelle, habe keine statistische Auswertung um die folgende Aussage zu decken: Pentester in Consulting-Unternehmen werden generell schlecht bezahlt (gemessen an der Komplexität und der geforderten fachlichen Dynamik des Jobs). Doch selbst in diesem Gefüge bildet die SySS GmbH noch den Bodensatz. Gehaltsgespräche werden beliebig ausgesetzt, Erhöhungen werden intransparent errechnet und halten nicht ansatzweise Schritt mit der Inflation. Bei Einstellungsgesprächen wird versucht, den Bewerber so weit wie möglich zu drücken. Ich weiß von niemanden, der direkt von der Uni kam und maßgeblich über 48k eingestiegen ist (Teilweise deutlich darunter). Es scheint generell nicht vorgesehen zu sein, 60k vor dem Senior-Level zu überschreiten. Es gab kürzlich eine Anpassung der Gehaltsbänder aus schierer Notwendigkeit. Ein Tropfen auf den heißen Stein.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es findet zumindest ein Haufen Greenwashing statt, indem man sich um eine möglichst elektrische Fahrzeugflotte bemmüht und über gefühlt jedem Lichtschalter und Wasserhahn ein Schildchen hängt, das dich auf deine persönliche Verantwortung im Bezug auf den Klimawandel erinnert.
Es gibt E-Ladesäulen auf dem Parkplatz aber wie nachhaltig das wirklich in einem Land ist, dessen Stromnetz sich hauptsächlich aus Braunkohle und zugekauftem Atomstrom speist, sei dahingestellt.
Kollegenzusammenhalt
Schwierig zu interpretieren, da der allgemeine Arbeitsmodus sehr isoliert und wenig Teamzentriert ist. Theoretisch sind die Meisten Kollegen sehr nett und hilfsbereit (Ein paar Häufchen im Beet gibt es natürlich auch), aber praktisch bedingt die Projektkultur, die, intern offen kommuniziert, 100% Auslastung anstrebt, wenig übrige Zeit und Energie für andere. Über die Arbeitsbedingungen, sowie das Gehalt wird hinter vorgehaltener Hand gemeckert, aber aufgestanden wird nicht. Vermutlich unter Anderem, weil der Betriebsrat eher zahnlos agiert.
Umgang mit älteren Kollegen
Es gibt sehr wenig ältere Kollegen. Der Grundsatz ist: Kannst du den Job ausüben, lässt man dich in Ruhe.
Vorgesetztenverhalten
Die SySS verfolgt eine technokratische Ordnung. In den Führungspositionen sitzen vornehmlich Leute, die herausragende Fachliche Kompetenz besitzen. Dies ist auch so ziemlich das einzige Attribut, nach dem gefiltert wird. Ab Abteilungsleiterlevel aufwärts würde ich keine der eingesetzten Personen als inspirierende, sozial-kompetente Führungsperson bezeichnen. Einzelne gefallen sich in der Rolle der intellektuellen Authorität so sehr, dass sie keine Gelegenheit verpassen, untergebene auf vermeintliche Unzulänglichkeiten aufmerksam zu machen. Wirklich gefördert werden nur Technikbesessene und Wunderkinder.
Selbstredend, dass das ein, sich selbst reproduzierendes, System ist.
Arbeitsbedingungen
Computer-Hardwaretechnisch kann man sich nicht beklagen, man sitzt in einigermaßen verwinkelten Großraumbüros mit adäquaten Stühlen und Höhenverstellbaren Schreibtischen. Mobile-Office-Ausrüstung wird bereitgestellt.
Kommunikation
Sowohl in der Einarbeitungszeit als auch später wird Leistung im Hintergrund und Anhand intransparenter Metriken getrackt. Kommunikation von HR und Manage finden hauptsächlich in Form von hinweisen statt, ob Leistungserwartungen unterschritten werden. Die Wahrnehmung, dass positive Affirmation oder gar Lob mehr als zu kurz kommt teilen viele Kollegen hinter vorgehaltener Hand.
Gleichberechtigung
Juckt keinen, was du in der Hose hast oder als was du dich identifizierst.
Interessante Aufgaben
Theoretisch gibt es unheimlich interessante Projekte. An die kommt man allerdings nur ran, wenn man sich hauptsächlich selbst vorher dazu befähigt, sie bearbeiten zu können. Mit aberwitziger Freizeit-Investition also. Ganz ohne, kann man den Job nicht machen, aber ist man zur Freizeit-Investition nur bedingt bereit, wird man ständig hinter denjenigen zurückbleiben, die keine dahingehende Grenze ziehen und in der Konsequenz teilweise bis zum Ausbrennen mit Standardprojekten zubetoniert.

