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Mitarbeiter sind keine 24/7-Ressourcen – permanente Überlastung bis zum Burnout

1,1
Nicht empfohlen
Ex-Angestellte/r oder Arbeiter/inHat bis 2026 im Bereich IT in Berlin gearbeitet.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Wo soll man anfangen? Mitarbeiter werden aus meiner Sicht nicht als Menschen mit Grenzen, sondern als ständig verfügbare Ressourcen behandelt. In der IT verschwimmen Arbeitszeit und Freizeit, On-Call gehört zum Alltag und wird nicht angemessen kompensiert. Man kommt morgens zur Arbeit und weiß trotzdem nicht, wann der Arbeitstag wirklich endet.
Dazu kommen enormer Druck, fehlendes Vertrauen und ein Führungsverhalten, bei dem persönliche Nähe teilweise wichtiger zu sein scheint als Leistung. Das Ergebnis ist eine toxische Arbeitskultur, in der viele irgendwann nur noch versuchen, den nächsten Tag zu überstehen.
Ich bin letztendlich gegangen, weil ich gemerkt habe, dass diese Arbeitsweise auf Dauer meine psychische Gesundheit gefährdet. Ein Arbeitsplatz, bei dem man sich ernsthaft Gedanken über Burnout machen muss, sollte dringend seine Kultur und seine Führungsstrukturen hinterfragen.

Verbesserungsvorschläge

Als Erstes sollte das Unternehmen aufhören, permanente Überlastung als normalen Teil des IT-Arbeitsalltags zu behandeln. On-Call-Dienste müssen fair kompensiert werden und es muss klare Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit geben. Führungskräfte sollten nach Leistung und objektiven Kriterien handeln und nicht nach persönlicher Nähe.
Vor allem aber muss die Gesundheit der Mitarbeiter ernst genommen werden. Wenn Menschen dauerhaft gestresst sind, nicht abschalten können und Richtung Burnout gehen, ist nicht der Mitarbeiter das Problem – dann ist das System das Problem.

Arbeitsatmosphäre

Stellt euch ein IT-Team vor, in dem Tag und Nacht ineinander übergehen. Abschalten? Kaum möglich. Es gibt einen On-Call-Dienst, der zusätzliche Belastung bedeutet, aber nicht angemessen kompensiert wird. Dazu kommen permanenter Druck, Stress und eine Atmosphäre, in der man ständig aufpassen muss, was man sagt. Von Vertrauen oder echter Wertschätzung kann meiner Erfahrung nach keine Rede sein. Für mich war das auf Dauer ein direkter Weg Richtung Burnout.

Image

Nach außen wirkt das Unternehmen international und modern. Die Realität im Arbeitsalltag habe ich teilweise komplett anders erlebt. Ein modernes Logo und internationale Büros bringen wenig, wenn die Menschen dahinter dauerhaft unter Druck stehen und ausbrennen.

Work-Life-Balance

Work-Life-Balance existiert hier aus meiner Erfahrung praktisch nicht. In einem IT-Umfeld sollte man sich überlegen, ob es normal sein kann, auch nach Feierabend ständig erreichbar sein zu müssen. On-Call, zusätzliche Arbeit und die Erwartung, im Zweifel trotzdem verfügbar zu sein, führen dazu, dass Arbeit irgendwann nicht mehr endet. Freizeit ist keine echte Freizeit mehr, wenn man jederzeit mit dem nächsten Anruf rechnen muss.

Karriere/Weiterbildung

Für Weiterentwicklung bleibt wenig Raum, wenn man hauptsächlich damit beschäftigt ist, die permanente Arbeitsbelastung auszuhalten. Langfristige Karriereplanung war für mich unter diesen Bedingungen nicht realistisch.

Gehalt/Benefits

Wenn von Mitarbeitern erwartet wird, auch außerhalb der normalen Arbeitszeit verfügbar zu sein, muss diese zusätzliche Belastung entsprechend honoriert werden. Das war für mich nicht der Fall. Die tatsächliche Belastung stand aus meiner Sicht in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem, was dafür zurückkommt.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Wer seine Mitarbeiter dauerhaft überlastet und dabei akzeptiert, dass Arbeit und Privatleben verschwimmen, sollte nicht von einer gesunden Unternehmenskultur sprechen. Mitarbeiter sind keine Ressourcen, die man rund um die Uhr abrufen kann. Gesundheit und psychische Belastbarkeit sollten keine nachrangigen Themen sein.

Kollegenzusammenhalt

Die Kollegen waren größtenteils nicht das Problem – die Strukturen waren es. Wenn Menschen dauerhaft unter Druck stehen, kaum abschalten können und Angst vor den Konsequenzen offener Kritik haben, leidet zwangsläufig auch der Zusammenhalt. Viele versuchen irgendwann nur noch, irgendwie durch den nächsten Tag zu kommen.

Vorgesetztenverhalten

Einer der größten Kritikpunkte. Es entsteht sehr deutlich der Eindruck, dass Nähe zur Führung wichtiger sein kann als Leistung. Wer auf der richtigen Seite steht, hat es leichter. Wer Probleme anspricht oder nicht einfach mit allem mitgeht, hat es deutlich schwerer. Das schafft kein Vertrauen, sondern ein Umfeld, in dem Mitarbeiter lernen, lieber den Mund zu halten.

Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen waren für mich einer der Hauptgründe zu gehen. Dauerhafter Stress, ständige Erreichbarkeit, On-Call und eine fehlende klare Grenze zwischen Arbeit und Privatleben sind keine nachhaltigen Arbeitsbedingungen. Wenn ein IT-Mitarbeiter nachts auf sein Handy schaut und sich fragt, ob er jetzt wieder arbeiten muss, läuft etwas grundlegend falsch. Ich habe die Belastung als so hoch erlebt, dass ich ernsthafte Burnout-Symptome befürchtet habe.

Kommunikation

Kommunikation funktioniert vor allem dann gut, wenn man keine kritischen Fragen stellt. Probleme anzusprechen kann schnell zum eigenen Problem werden. Vieles wird von oben entschieden und nach unten weitergegeben. Offene Kommunikation und ehrliches Feedback habe ich deutlich vermisst.

Gleichberechtigung

Von Gleichberechtigung kann ich aus meiner Erfahrung nicht wirklich sprechen. Es gibt einen deutlichen Eindruck von Bevorzugung bestimmter Personen aufgrund persönlicher Nähe. Wenn für manche andere Regeln gelten als für andere, zerstört das jede Motivation und jedes Vertrauen.

Interessante Aufgaben

Die eigentliche Arbeit könnte interessant sein. Das Problem ist das Umfeld. Selbst interessante Aufgaben machen keinen Spaß mehr, wenn man permanent unter Druck steht, ständig erreichbar sein soll und das Gefühl hat, dass die eigene Gesundheit dabei keine Rolle spielt.


Umgang mit älteren Kollegen

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Anonym · Sieh, ob’s deinen Kolleg:innen auch so geht.