Der rasante Absturz eines ehemaligen Vorzeigeunternehmens - Vertrauenskrise bei Trusted Shops
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Die Teamkolleg:innen sind nett
- Es gibt Health Pass Angebote zur Gesundheitsförderung
- Die Buroräume werden modernisiert
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ein messbarer Absturz:
Der dramatische Niedergang bei Trusted Shops zeigt sich eindeutig in den Kununu-Daten:
- Gesamtscore: 3,8 bei 71% Weiterempfehlung
- Letzte 24 Monate: 3,0 bei 43% Weiterempfehlung
- Letzte 12 Monate: 2,6 bei nur noch 30% Weiterempfehlung
Innerhalb der letzten Monate hat sich der Score und die Weiterempfehlung auf ein Niveau abgesenkt, das für ein Unternehmen mit früher starkem Ruf mehr als alarmierend ist. Nur noch drei von zehn Beschäftigten würden das Unternehmen weiterempfehlen - das spricht eine klare Sprache. Wer hier behauptet, das läge nur an "unzufriedenenen Stimmen", blendet aus, dass Trusted Shops früher auf Kununu Bestwerte vorweisen konnte. Die aktuellen Bewertungen spiegeln schlicht und ehrlich die Realität wider - und sie ist ernüchternd.
Die Gründe dafür:
- Eklatanter Vertrauensverlust in die Geschäftsführung
- Micromanagement und operative Eingriffe der Geschäftsführung
- Fehlbesetzungen auf Führungsebenen - bei gleichzeitigem Verlust langjähriger Leistungsträger:innen
- Keine Frauen auf obersten Führungsebenen trotz hohem Frauenanteil
- Stark unausgewogene Gehaltsstruktur ohne Leistungsbezug
- Keine echte Fachkarriere oder Expertenlaufbahn
- Mangelnde Zielorientierung und fehlende Konsequenz bei Nichterreichung (Ausnahme Vertrieb)
- Office Regelungen inkosistent und nicht durchdacht
- Ungleichbehandlung in Bezug auf Work-Life Balance
- Schwache Innovationskraft und langsame Produktentwicklung (fehlendes Know How auf Führungspostionen)
- Zu wenig interne Wertschätzung (z.b. Feiern nur für Außenwirklung zum Kunden)
Verbesserungsvorschläge
- Operativer Rückzug der Geschäftsführung, klare Delegation an Führungsebenen
- Faire, leistungsbezogene Gehaltsstruktur mit nachvollziehbaren Kriterien
- Gezielte Förderung von Frauen in oberen Führungspositionen
- Einführung einer Fachkarriere mit echten Entwicklungschancen für Expert:innen
- Stärkung der Unternehmenskultur durch mehr echte Mitarbeiterevents und gemeinsame abteilungsübergreifende Formate
- Klar definierte Arbeitszeitmodelle, verbindlich und vorbildhaft durch Führungskräfte gelebt
- Professionalisierung der Prozesse, inbesondere in der Produktentwicklung
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist von Unsicherheit, Frust und einem schleichenden Vertrauensverlust geprägt. Die einst vorhandende Dynamik und Energie sind einer lähmenden Kontrolle und Führungschwäche gewichen. Viele Mitarbeitende machen nur noch "Dienst nach Vorschrift" - nicht aus Desinteresse, sondern aus purer Resignation aufgrund der Führung.
Work-Life-Balance
Umstimmingkeiten wohin man schaut: Während einige Bereiche nahezu mit fast vollständiger Abwesenheit glänzen, stemmen andere das Tagesgeschäft unter Volllast. Es fehlt an klaren Regeln, an verbindlichen Arbeitszeiten und an Vorbildern auf Führungsebene. Auf Teamleiterebene gibt es einige Personen, die durch Abwesenheit mit außer Haus Tätigkeiten "glänzen". Der Frust über diese Unausgewogenheit ist groß.
Karriere/Weiterbildung
Die Karrierewege wirken willkürlich. Es gibt kaum funktionierende Entwicklungspfade für Expert:innen, stattdessen wird Führung zur einzigen Aufstiegschance - oft unabhängig davon, ob soziale oder fachliche Kompetenzen vorhanden sind. Talentförderung bleibt Stückwert, Konzepte versanden ohne Umsetzung.
Kollegenzusammenhalt
Zwar gibt es nach wie vor starke Teams, doch der Gesamteindruck ist: Rückzug statt Zusammenhalt. Die frühere Hilfsbereitschaft ist oft einem defensiven Verhalten gewichen. Verantwortung wird abgeschoben. Die Vertrauenskultur ist massiv geschwächt.
Umgang mit älteren Kollegen
Keine Unterschiede erkennbar
Vorgesetztenverhalten
Sehr unterschiedlich ausgeprägt: Einige Führungskräfte agieren emphatisch und kompetent, andere kompensieren fehlende Führungskompetenz mit Kontrolle. Meinungen werden oft übergangen oder ohne Einbindung gefällt.
Kommunikation
Statt transparenter Kommunikation gibt es top-down Mikromanagement. Die Geschäftsführung greift tief ins operative Tagesgeschäft ein, unterläuft ihre eigenen Führungskräfte und entzieht ihnen Gestaltungsfreiheit. Entscheidungen werden ohne Einbindung oder Wertschätzung der Fachexpertise getroffen.
Gehalt/Benefits
Die Gehaltsstruktur ist weder transparent noch fair. Es gibt eklatante Unterschiede, die in keinem Verhältnis zur Leistung, Verantwortung oder Expertise stehen. Die Schere geht immer weiter auseinander. Während manche Positionen stark überdurchschnittlich entlohnt werden - teils mit zweifelhaftem Beitrag zum Unternehmenserfolg - erhalten andere Teams, die tragende Rollen übernehmen, deutlich zu wenig Wertschätzung und finanzielle Anerkennung. Leistungsanreize fehlen weitgehend. Eine Gehaltsstruktur, die Frust statt Motivation erzeugt.
Gleichberechtigung
Trotz eines hohen Frauenanteils im Unternehmen gibt es keine Frauen auf den höchsten Führungsebenen. Ein einziges Beispiel weiblicher Besetzung endete nach kurzer Zeit mit einer "Trennung". Das zeigt: Diversität ist kein gelebter Wert, sondern bestenfalls kosmetisch. Der Pool an qualifizierten Frauen wäre vorhanden - ob intern oder extern. Es fehlt wohl am Willen, diesen auch zu nutzen.
Interessante Aufgaben
Es gibt zweifellos interessante und vielfältige Themen. Doch häufig mangelt es an professioneller Umsetzung. Prozesse wirken unausgereift und werden von Personen aufgesetzt, die keine Vorerfahrung auf dem Gebiet aufweisen. Die Ausführung bleibt daher oft sehr fehlerhaft und die Zeitinvestion in Prozesse ist deutlich zu groß.

