Modernes Image nach außen, veraltete Führungskultur nach innen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die technische Arbeitsumgebung war grundsätzlich solide. Auch das Büro und einzelne Rahmenbedingungen waren in Ordnung. Zu Beginn meiner Zeit gab es außerdem durchaus positive Aspekte in der Zusammenarbeit und einige Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich gerne gearbeitet habe.
Positiv war auch, dass es grundsätzlich interessante Themenfelder gab. Das Potenzial war aus meiner Sicht vorhanden – wurde aber durch Führung, Projektstruktur und fehlende strategische Weiterentwicklung nicht ausreichend genutzt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Am kritischsten sehe ich Führungskultur, Kommunikation, Entwicklungsmöglichkeiten und Innovationsfähigkeit. Aus meiner Sicht war das Unternehmen stark hierarchisch geprägt, mit wenig echter Mitsprache und wenig Offenheit für neue Ideen. Entscheidungen wirkten häufig nicht transparent, und bei Konflikten oder schwierigen persönlichen Situationen habe ich wenig Unterstützung erlebt.
Auch die Projektverteilung empfand ich als unfair und wenig entwicklungsfördernd. Anspruchsvollere Aufgaben gingen häufig an bekannte Personen innerhalb bestehender Strukturen, während andere kaum Chancen bekamen, sich sichtbar weiterzuentwickeln.
Besonders enttäuschend war für mich die fehlende Gehalts- und Karriereentwicklung. Trotz Erfahrung und Einsatz habe ich kaum Perspektive gesehen. Insgesamt passte das externe Bild eines modernen Unternehmens für mich nicht zur internen Realität.
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen sollte Führung, Kommunikation und Innovationskultur grundlegend hinterfragen. Aus meiner Sicht braucht es deutlich modernere Führungsprinzipien, mehr Offenheit für neue Technologien und echte strategische Weiterentwicklung statt reaktiver Verwaltung bestehender Strukturen.
Gerade bei Themen wie künstlicher Intelligenz, Produktentwicklung und moderner Softwarestrategie habe ich wenig Mut und wenig Zukunftsorientierung erlebt. Statt neue Ansätze konsequent zu prüfen und sauber aufzubauen, wirkte vieles auf mich zögerlich, defensiv und stark von bestehenden Denkweisen geprägt.
Auch interne Produkt- und Projektinitiativen sollten professioneller geführt werden: mit klarer Strategie, belastbarer Verantwortung, realistischen Ressourcen und echter Konsequenz. Wenn neue Ideen gestartet, aber bei Schwierigkeiten nicht nachhaltig geführt werden, entsteht viel Aufwand ohne echten Fortschritt.
Arbeitsatmosphäre
Zu Beginn habe ich die Arbeitsatmosphäre als deutlich positiver erlebt. Über die Jahre, insbesondere seit der Corona-Zeit, hat sich das jedoch stark verändert. Der Zusammenhalt wurde aus meiner Sicht nicht ausreichend aktiv gefördert, digitale Formate oder verbindende Teammaßnahmen haben mir gefehlt. Die Atmosphäre wurde zunehmend distanzierter, hierarchischer und von wenig echter Mitsprache geprägt.
Kommunikation
Die Kommunikation habe ich häufig als intransparent und wenig wertschätzend erlebt. Entscheidungen wurden oft von oben getroffen, ohne Mitarbeitende nachvollziehbar einzubinden. Auch bei schwierigen persönlichen oder familiären Situationen hatte ich nicht das Gefühl, dass wirklich lösungsorientiert oder empathisch kommuniziert wurde.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war aus meiner Sicht stark abhängig von einzelnen Personen und Projektkonstellationen. In vielen Situationen entstand eher Konkurrenzdruck als echte gegenseitige Unterstützung. Wenn Probleme auftraten, wurden Verantwortlichkeiten aus meiner Wahrnehmung eher weitergegeben, statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance war zeitweise durch Homeoffice und flexible Arbeitsformen grundsätzlich möglich. In Konfliktsituationen hatte ich jedoch den Eindruck, dass individuelle Lebensrealitäten, etwa familiäre Verpflichtungen, nur begrenzt berücksichtigt wurden. Dadurch entstand für mich am Ende deutlich mehr Druck als Flexibilität.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten habe ich als stark hierarchisch und wenig unterstützend erlebt. Mir fehlten echtes Interesse an Entwicklung, konstruktives Feedback und eine faire Konfliktkultur. In schwierigen Phasen hatte ich nicht den Eindruck, dass gemeinsam nach Lösungen gesucht wurde, sondern eher, dass Druck aufgebaut wurde.
Interessante Aufgaben
Interessante Aufgaben und größere Projekte waren aus meiner Sicht nicht fair zugänglich. Projektleitungen arbeiteten häufig mit denselben bekannten Personen zusammen, wodurch andere Mitarbeitende kaum Chancen auf neue, anspruchsvollere oder sichtbarere Projekte hatten. Dadurch blieb für mich oft vor allem ausführende Arbeit übrig, die wenig Entwicklungspotenzial bot.
Gleichberechtigung
Vielfalt und Gleichberechtigung waren nach außen vorhanden, wurden aus meiner Sicht im Arbeitsalltag aber nicht immer überzeugend gelebt. Entscheidend war weniger die formale Zusammensetzung des Teams, sondern die tatsächliche Kultur: Mitsprache, Fairness und respektvoller Umgang waren für mich nicht durchgehend spürbar.
Umgang mit älteren Kollegen
Dazu kann ich nur eingeschränkt etwas sagen. Mein Eindruck war, dass Erfahrung nicht immer ausreichend wertgeschätzt wurde, insbesondere wenn gleichzeitig viele sehr junge und unerfahrene Mitarbeitende in verantwortungsvolle Rollen kamen.
Arbeitsbedingungen
Die technische und räumliche Arbeitsumgebung war grundsätzlich ordentlich. Büro, Ausstattung und Arbeitsmittel waren aus meiner Sicht nicht das Hauptproblem. Die größeren Schwierigkeiten lagen für mich eher in Führung, Kommunikation, Projektverteilung und Entwicklungsmöglichkeiten.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach außen gab es durchaus Ansätze zu sozialem Bewusstsein und moderner Unternehmenskultur. In meiner persönlichen Erfahrung passte das jedoch nicht immer zum tatsächlichen Umgang mit Mitarbeitenden, insbesondere in schwierigen Situationen.
Gehalt/Benefits
Gehalt und Entwicklungsmöglichkeiten habe ich als enttäuschend erlebt. Über mehrere Jahre gab es trotz Einsatz und Erfahrung keine angemessene Gehaltsentwicklung. Gleichzeitig wirkte es auf mich so, als würden neue Mitarbeitende möglichst kostengünstig eingestellt, was sich aus meiner Sicht auch auf Qualität, Zusammenarbeit und Belastung im Team ausgewirkt hat.
Image
Das externe Image wirkte auf mich deutlich positiver als die interne Realität. Nach außen wird eine moderne, menschliche und professionelle Unternehmenskultur vermittelt. Meine persönliche Erfahrung war jedoch, dass diese Werte im Arbeitsalltag nicht konsequent eingelöst wurden.
Karriere/Weiterbildung
Klare Karrierepfade oder echte Weiterentwicklung habe ich kaum erlebt. Wer nicht bereits in bestimmten Projektstrukturen sichtbar war, hatte aus meiner Sicht wenig Chancen, sich weiterzuentwickeln oder anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen. Weiterbildung und Entwicklung wirkten für mich nicht systematisch gefördert.

