Führung durch Kontrolle statt Vertrauen – interne Talente bleiben auf der Strecke
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Was hier gerade passiert, ist aus meiner Sicht eine massive Verschlechterung der Führungskultur.
Wertschätzung? Kaum noch spürbar. Vertrauen? Fehlanzeige. Eigenverantwortung? Wird zunehmend durch Kontrolle ersetzt.
Mittlerweile entsteht für mich der Eindruck, dass Anwesenheit wichtiger ist als Leistung. Es wird sehr genau darauf geschaut, wer wann vor Ort ist, während die eigentliche Qualität der Arbeit aus meiner Sicht immer stärker in den Hintergrund rückt. Gerade für ein Unternehmen, das von motivierten und eigenverantwortlichen Mitarbeitenden lebt, ist das meiner Meinung nach der komplett falsche Ansatz.
Dazu kommen unnötig starke Hierarchien und eine Kommunikation, die ich als zunehmend indirekt und unangenehm empfinde. Kritik wird teilweise nicht offen mit den Betroffenen besprochen, sondern über Führungskräfte weitergegeben.
Gleichzeitig wird regelmäßig betont, wie viel auf Geschäftsführungsebene zu tun sei und wie hoch die eigene Arbeitsbelastung ist. Umso unverständlicher ist es für mich, dass offenbar trotzdem ausreichend Zeit bleibt, die Anwesenheit einzelner Mitarbeitender persönlich zu kontrollieren. Da stellt sich schon die Frage, welche Prioritäten hier eigentlich gesetzt werden.
Auch die kleinen Dinge sind mittlerweile bezeichnend. Geburtstage werden teilweise nicht einmal mehr wahrgenommen. Natürlich ist das für sich genommen nur eine Kleinigkeit. Aber genau solche Kleinigkeiten zeigen, ob Mitarbeiter als Menschen oder nur noch als Arbeitskraft gesehen werden.
Besonders kritisch finde ich die Entwicklung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Gerade dann braucht es Führung. Nicht mehr Kontrolle. Statt Lösungen, Vertrauen und Zusammenhalt entsteht aus meiner Sicht zunehmend Druck. Die wirtschaftliche Situation scheint dabei immer wieder als Begründung für zusätzliche Kontrolle und Einschränkungen herhalten zu müssen.
Gleichzeitig fällt auf, dass die Belastung im Team hoch ist und immer wieder Mitarbeitende fehlen. Ob einzelne Ursachen dafür verantwortlich sind, kann ich nicht beurteilen. Aber wenn die Stimmung dauerhaft schlechter wird, sollte man sich vielleicht irgendwann fragen, warum.
Was mich persönlich besonders nachdenklich macht: Es entsteht inzwischen der Eindruck, dass Mitarbeitende so lange unter Druck gesetzt und demotiviert werden, bis sie irgendwann freiwillig gehen. Ob das tatsächlich beabsichtigt ist, kann und will ich nicht behaupten. Die aktuelle Entwicklung vermittelt mir allerdings genau diesen Eindruck.
Und wenn das tatsächlich der Weg sein sollte, wäre es aus meiner Sicht ein ziemlich gefährlicher Weg. Denn damit verliert man irgendwann genau die Leute, die ein Unternehmen eigentlich halten und weiterentwickeln sollten.
Ein weiterer Punkt, den ich für äußerst fragwürdig halte, ist der Umgang mit internen Talenten und die Besetzung von Führungspositionen. In meiner Wahrnehmung wurden Führungspositionen wiederholt mit externen Personen besetzt, anstatt sichtbar auf interne Erfahrung und vorhandenes Know-how zu setzen. Gerade wenn gleichzeitig immer wieder von „frischem Wind“ gesprochen wird, entsteht bei Mitarbeitenden schnell der Eindruck, dass langjährige interne Erfahrung eher als eingefahren oder weniger wertvoll betrachtet wird.
Das halte ich für ein fatales Signal. Wie soll man Mitarbeitende motivieren, Verantwortung zu übernehmen, sich weiterzuentwickeln und langfristig für das Unternehmen einzusetzen, wenn der Eindruck entsteht, dass Entwicklungsmöglichkeiten und Führungspositionen grundsätzlich eher von außen besetzt werden ? Wer seine eigenen Talente dauerhaft nicht sichtbar fördert, darf sich meiner Meinung nach irgendwann nicht wundern, wenn genau diese Talente das Unternehmen verlassen
Bis zur Veränderung in der Geschäftsführung war meine Wahrnehmung noch eine andere. Die frühere Geschäftsführung hat aus meiner Sicht viele positive Dinge angestoßen und eine deutlich andere Kultur vorgelebt. Danach gab es mehrere Veränderungen in der Führung. Unter der jetzigen Konstellation habe ich zunehmend das Gefühl, dass erst einmal Revier markiert und Autorität demonstriert werden soll.
Das ist keine moderne Führung.
Wer gute Leute halten will, braucht Vertrauen. Wer junge Talente entwickeln will, braucht Perspektiven. Wer durch eine schwierige wirtschaftliche Phase kommen will, braucht ein Team, das hinter dem Unternehmen steht.
Mit Druck, Kontrolle und fehlender Wertschätzung erreicht man aus meiner Sicht genau das Gegenteil.
Mein Eindruck ist deshalb klar: Die Mitarbeiterbindung wird damit nicht gestärkt, sondern weiter beschädigt. Wenn sich an dieser Führungskultur nichts ändert, werden meiner Einschätzung nach immer mehr gute Mitarbeitende irgendwann die Konsequenz ziehen und gehen.
Und dann leidet zwangsläufig auch die Qualität.
Von mir daher aktuell keine Empfehlung als Arbeitgeber. Wer Wert auf Vertrauen, Wertschätzung, offene Kommunikation und moderne Führung legt, sollte sich sehr genau anschauen, wie die aktuelle Führungskultur tatsächlich gelebt wird.

