Bei der ganzen Homeoffice-Kritik übersieht man leicht, dass das Unternehmen auch sonst nicht sehr viel zu bieten hat
Gut am Arbeitgeber finde ich
Von der vergleichsweise geringen Vergütung und der veralteten Stufentabelle abgesehen, hat man ein ganz solides Tarifwerk. Ansonsten werden einem die standardmäßigen Benefits angeboten. Je nach ausgeübter Tätigkeit hat man auch eine ganz gute Work-Life-Balance
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das Vertrauen in den Konzern hat in den letzten zehn Jahren stark gelitten. Nicht nur, dass die Bedingungen für die TÜV-Mitarbeitenden ohnehin schon unter Marktniveau lagen, die Verantwortlichen waren es sich lange Zeit gewohnt, Entscheidungen ohne Rücksicht auf die Interessen der Belegschaft zu treffen. Aber nicht damit genug, dass die Mitarbeitenden aufgrund knallharter Tarifpolitik über viele Jahre kontinuierlich Reallohneinbußen hinnehmen mussten, es wurde immer wieder betont, wie teuer und unproduktiv wir im Vergleich zum Ausland oder zur Konkurrenz sind. Wer sich kritisch äußerte, bekam zu hören "wem es nicht passt, der kann ja gehen". Und so ging das über viele Jahre, bis die Unzufriedenheit mit dem Konzern in der gesamten Arbeitsatmosphäre spürbar wurde; weil aber jedes Jahr neue Rekordzahlen vermeldet wurden, musste man sich darum ja nicht weiter kümmern. Bis die Homeoffice-Affäre jetzt das Fass zum Überlaufen gebracht hat und sich der angestaute Frust nun auch öffentlich entlädt.
...auf einmal merkt man auch ganz oben, dass eine Politik, die dauerhaft auf dem Rücken der Mitarbeitenden ausgetragen wird, in einem Dienstleistungsunternehmen, dessen einziges Kapital die Mitarbeitenden selbst sind, vielleicht keine so gute Idee ist...
Verbesserungsvorschläge
Ich habe den Eindruck, dass die Chefetage bemüht ist, den Schaden zu begrenzen. Allerdings zweifle ich daran, dass man verstanden hat, dass der Schaden bereits angerichtet ist und das Misstrauen in die Konzernpolitik mittlerweile sehr tief sitzt. Ich vermute, dass man nur versucht mit kosmetischen Mitteln ("Benefits") die Wogen zu glätten, statt ernsthaft etwas im Sinne der Mitarbeitenden bewegen zu wollen. Im Gegenteil, am Horizont scheinen mir schon die nächsten Sparmaßnahmen heraufzuziehen. Es wäre kein Wunder, wenn viele Kollegen dann von selbst die Reißleine ziehen.
Arbeitsatmosphäre
siehe unten
Karriere/Weiterbildung
Für den Standard-Sachverständigen gibt es eigentlich keine "Karriere". Positionen im Middle Management sind meist sehr unattraktiv gestaltet (deutlich mehr Arbeit für ein zu kleines Gehaltsplus). Weiterbildung hängt stark von disziplinarischen Vorgesetzten ab.
Gehalt/Benefits
Bei der Konkurrenz sind gut 1000€ / Monat mehr drin
Kommunikation
siehe unten

