Zwischen Präsenzzwang, Prozess-Chaos und Überlastung: Warum dieser Arbeitgeber sein Employer Branding verfehlt
Gut am Arbeitgeber finde ich
Pünktliches Gehalt, Kolleg:innen
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Der Umgang mit den Mitarbeiter:innen, nicht vorhandene Prozesse und Strukturen
Verbesserungsvorschläge
Ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe und ehrliches Fehlermanagement auch aus der obersten Führung
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist seit einigen Monaten spürbar angespannt und von einem deutlich schlechteren Miteinander geprägt. Der Umgangston ist häufig negativ und von oben herab was sich merklich auf die Stimmung in beinahe allen Bereichen auswirkt. Die Atmosphäre wird als belastend empfunden, weil Wertschätzung und Vertrauen zunehmend fehlen. Insgesamt ist die Atmosphäre unangenehm und demotivierend geworden.
Work-Life-Balance
Zum Thema Work-Life-Balance lässt sich feststellen, dass die bisherigen, eher flexibel gelebten Home-Office-Regelungen zunehmend wieder strenger kontrolliert und spürbar zurückgefahren werden. Die Art der kommunikativen Umsetzung vermittelt dabei vielen Mitarbeitenden den Eindruck, dass ihnen nicht (mehr) vertraut wird, im Home Office tatsächlich zu arbeiten. Dadurch wird Misstrauen geschürt. Zugleich werden zahlreiche Mitarbeitende mit sehr kurzen Vorlaufzeiten faktisch gezwungen, ihre bisherige Work-Life-Balance von heute auf morgen umzustellen und Betreuungs‑, Pendel- und Alltagsroutinen komplett neu zu organisieren.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Wenn wieder mehr Präsenz und weniger mobiles Arbeiten verlangt wird, steigt der Pendelverkehr – und damit CO₂-Ausstoß und Belastung der Mitarbeitenden. Das passt aus meiner Sicht nicht zu einem glaubwürdigen Umwelt- und Sozialbewusstsein.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist im Großen und Ganzen sehr gut. Man unterstützt sich gegenseitig, fängt vieles auf, was strukturell fehlt, und versucht gemeinsam, trotz der schwierigen Gesamtsituation noch das Beste daraus zu machen.
Vorgesetztenverhalten
Die direkte Führung vor Ort wird als bemüht, ansprechbar und unterstützend erlebt. Je höher jedoch die Hierarchieebene, desto größer wirkt für mich die Distanz: Die oberen Führungsebenen erscheinen mir oft abgehoben und realitätsfern. Ich habe den Eindruck, dass dort wenig Verständnis dafür vorhanden ist, was wir Mitarbeitenden brauchen und was uns im Alltag bewegt – verbunden mit dem Gefühl, dass „von oben herab“ auf diejenigen geschaut wird, die die eigentliche Wertschöpfung im Unternehmen erbringen.
Arbeitsbedingungen
Aus meiner Sicht sind die Arbeitsbedingungen stark durch unzureichende Prozesse, fehlende Strukturen und eine sehr unübersichtliche, wenig vernetzte IT-Landschaft geprägt.
Viele Abläufe wirken schlecht organisiert, es gibt zahlreich Doppelarbeiten und manuelle Tätigkeiten, die mit durchdachten, digital unterstützten Prozessen vermeidbar wären. Verantwortlichkeiten und Schnittstellen sind oft unklar, Informationen müssen mehrfach gesucht oder erfasst werden. Das macht die tägliche Arbeit für mich häufig nervig, unbefriedigend und wenig zielführend.
Ehrlich gesagt hätte ich vor meinem Einstieg beim TÜV NORD nicht erwartet, dass zentrale Prozesse so wenig standardisiert, so schlecht aufeinander abgestimmt und insgesamt so wenig digitalisiert sind. Ich bin davon ausgegangen, in einem deutlich moderner aufgestellten, prozessual und technisch besser unterstützten Umfeld zu arbeiten.
Kommunikation
Die interne Kommunikation ist insgesamt gruselig und sorgt eher für Frust als für Orientierung. Der Vorstand kommuniziert so gut wie gar nicht und wenn, dann viel zu spät, sodass wichtige Informationen die
Belegschaft kaum rechtzeitig erreichen. Ein Großteil der „Kommunikation“ läuft über Social Media, wo nach außen Hochglanzbilder vermittelt werden, die mit der internen Realität wenig zu tun haben. Die wenigen Botschaften aus den oberen Reihen wirken hierarchisch und von oben herab, ohne irgendein Gefühl von Miteinander oder Dialog zu erzeugen.

