Eine Unternehmenskultur, in der Leistung zweitrangig ist
Arbeitsatmosphäre
Wer tatsächlich ambitioniert ist, gute Arbeit leisten und respektvoll mit Kollegen umgehen möchte, hat es in diesem Umfeld offenbar schwer.
Die wahrgenommenen Spielregeln sind andere: Kollegen bei jeder Gelegenheit kritisieren, unabhängig davon, ob die Kritik sachlich oder konstruktiv ist – und dieses Verhalten wird anschließend als Führungsstärke wahrgenommen. Besonders wichtig scheint es zu sein, auf die jeweiligen Lieblingsthemen des Managers aufzuspringen.
Ob eine Idee tatsächlich Mehrwert für Kunden oder das Unternehmen schafft, scheint dabei zweitrangig. Hauptsache, man entwickelt etwas, das den Vorstellungen des Managers entspricht, präsentiert es entsprechend und kann anschließend einen Erfolg vorweisen – selbst wenn es am Kundenbedarf vorbeigeht und später nicht genutzt wird.
Alternativ hilft offenbar eine lange Betriebszugehörigkeit und das richtige Netzwerk. Leistung, fachliche Qualität und Kundenorientierung scheinen dagegen zunehmend weniger entscheidend zu sein. Gefördert werden damit eher Sichtbarkeit und strategisches Positionieren als tatsächliche Leistung und nachhaltiger Mehrwert.
Gehalt/Benefits
Kollegen reagieren teilweise nicht mehr auf Nachrichten, sobald sie eine bestimmte Position erreicht haben. Wissen wird bewusst unklar oder gar nicht dokumentiert, wodurch sich einzelne Personen ihre Stellung als unverzichtbare Wissensträger sichern.
Wer auf Missstände hinweist, riskiert Ausgrenzung: keine Einbindung mehr in relevante Meetings und eine Darstellung gegenüber Vorgesetzten, man sei fachlich oder intellektuell nicht auf der Höhe. Gleichzeitig fallen Aussagen wie „Die meisten können ja sowieso nicht folgen“, weil kaum jemand Fragen stellt.
Dabei ist das Schweigen vermutlich weniger Ausdruck fehlenden Verständnisses als vielmehr des Erkennens der inoffiziellen Spielregeln. Die Hierarchien und möglichen Konsequenzen bei Widerspruch sind für viele offensichtlich – entsprechend hält man sich lieber zurück.


