Kündigung nach der Probezeit – wie mit meiner Situation umgegangen wurde, hat mich tief enttäuscht
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Homeoffice-Regelung ist sehr großzügig. Der Bewerbungs- und Onboarding-Prozess ist sehr gut. Meine direkten Kollegen waren sehr nett.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich konnte beobachten, dass der Performance-Druck bei manchen Kolleg:innen teilweise immens hoch ist und diese Kolleg:innen mitunter weit über das normale Maß hinaus leisten müssen. Die Leistung wurde zwar „anerkannt“, aber ich hatte den Eindruck, dass man an der Verbesserung der jeweiligen Arbeitsbedingungen nicht wirklich interessiert war.
Mir wurde in Bezug auf meine Angststörung nicht wirklich entgegengekommen. Zwar wurde anerkannt, dass ich offen mit dem Thema umgehe, doch konkrete Unterstützung oder Alternativen wurden mir nicht angeboten.
Es hieß durchgehend, dass bestimmte Office-Tage sowie Dienstreisen verpflichtend seien – unabhängig davon, ob jemand an einer Angststörung leidet oder nicht.
Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich bereits in Therapie und arbeitete aktiv an der Verbesserung meiner Situation. Dennoch wurde mir zum Ende der Probezeit gekündigt – mutmaßlich aus fachlichen Gründen.
Diese Entscheidung konnten jedoch weder ich noch meine Kolleg:innen im App-Team oder teilweise im Design-Team nachvollziehen, mit denen ich täglich eng zusammengearbeitet habe. Nicht alle wussten, dass ich gekündigt wurde und es wurde offiziell auch nicht so verkündet.
Verbesserungsvorschläge
Verivox ist grundsätzlich großzügig, was das Homeoffice betrifft. Dennoch würde ich mir wünschen, dass Menschen wie ich, die an einer Angststörung leiden, noch stärker berücksichtigt werden – insbesondere wenn es um Präsenzpflicht bei Team-Tagen oder Dienstreisen geht.
Zwar hieß es offiziell, dass eine Anwesenheit im Büro einmal pro Woche bzw. viermal im Monat ausreichend sei, doch im Design-Team wurde großen Wert darauf gelegt, dass man am Dienstag, dem sogenannten Team-Tag, vor Ort ist.
Die Hürde, abzusagen und nicht ins Büro zu kommen, war dadurch spürbar hoch – insbesondere für jemanden mit psychischen Belastungen.
Arbeitsatmosphäre
Ich empfand die Atmosphäre in meinem Projektteam und auch im Design-Team als grundsätzlich gut. Die Kolleg:innen waren sehr hilfsbereit und freundlich.
Übergreifend hatte ich jedoch den Eindruck, dass trotz der flachen Hierarchien deutlich zu spüren war, wer über einem steht, und dass Diskussionen nicht immer auf Augenhöhe möglich waren.
Image
Verivox ist bemüht, frisch und modern zu wirken – in Teilen gelingt das vielleicht auch, was jedoch eher den Mitarbeitenden zu verdanken ist. Eine richtige Start-up-Mentalität habe ich nicht wahrgenommen, da die internen Strukturen teilweise recht starr sind.
Work-Life-Balance
Insgesamt war es okay. Allerdings gab es verpflichtende Dienstreisen, die sich nicht immer mit dem Privatleben vereinbaren ließen. Eine Reise von Berlin nach Heidelberg dauert mit der Bahn meist rund acht Stunden. Wenn die Dienstreise dann auch noch mehrere Tage am Stück in Anspruch nimmt, ist das nicht für jede:n machbar – insbesondere, wenn man Kinder hat, alleinerziehend ist und keine Remote-Teilnahme an Workshops angeboten wird.
In meiner Abteilung wurde außerdem darauf geachtet, dass während der Kernarbeitszeit (10:00–16:00 Uhr) keine privaten Termine stattfinden sollen. Das erscheint mir, besonders in einer Stadt wie Berlin, wenig alltagstauglich, besonders, wenn es um Termine mit dem Kind geht. Ich hätte mir gewünscht, dass es möglich ist, Termine auch in der Arbeitszeit wahrnehmen zu können, solange das Team informiert ist und die Arbeitszeit entsprechend nachgeholt wird und Arbeitsergebnisse nicht darunter leiden.
Kollegenzusammenhalt
Wie oben bereits beschrieben, habe ich das Miteinander weitgehend als freundlich empfunden – zumindest in den Teams, in denen ich gearbeitet habe (App-Team, Design-Team).
Es gab aber auch die eine oder andere Situation, in der ich mir gewünscht hätte, dass man zunächst mit den entsprechenden Kolleg:innen spricht, bevor man ein Urteil fällt – vor allem, wenn man an der jeweiligen Situation nicht beteiligt war oder die genauen Umstände nicht kennt.
Vorgesetztenverhalten
Ich konnte aufgrund einer Angststörung Dienstreisen nicht wahrnehmen und auch nicht an jedem sogenannten Team-Tag im Büro zu sein. Meine Arbeitsleistung hat darunter aber keineswegs gelitten, da ich mit meinem Team grundsätzlich remote zusammengearbeitet habe. Da ich mittlerweile wusste, dass Dienstreisen nicht verhandelbar sind, habe ich meinen Vorgesetzten darum gebeten, sich Gedanken zu machen, ob ich deshalb um meine „Übernahme“ nach der Probezeit bangen muss. Ein paar Wochen später wurde mir dann mitgeteilt, dass ich zum Ende der Probezeit gekündigt werde. Als Grund wurden mir überraschenderweise fachliche Gründe genannt – und das, obwohl es in dem Probezeit-Gespräch ein paar Wochen zuvor absolut keine Hinweise auf eine Kündigung gab. Das grundsätzliche Feedback war sehr positiv, auch wenn es Bereiche gab, in denen ich mich verbessern konnte. Der Schlusssatz im Protokoll lautet: „Lass uns gemeinsam die UX bei Verivox ein großes Stück besser machen, und ich bin mir sicher, dass du mit deiner Expertise hierzu mit beitragen wirst.“ Daher stellt sich mir die Frage, ob ich ohne Angststörung auch gekündigt worden wäre?
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind gut. Das Berliner Großraumbüro ist modern eingerichtet, aber auch sehr schnell recht laut, sodass es für mich mitunter sehr schwer war, konzentriert zu arbeiten.
Es gibt Kaffee, Tee, man kann sich Essen in der Mikrowelle aufwärmen und ein mal pro Woche kommt einen Obstkorb.
Die Arbeitsmaterialien sind auch auf dem aktuellsten Stand. Für Online-Meetings bekommt man zudem ein Headset gestellt.
Am Potsdamer Platz gibt es verschiedene Möglichkeiten Mittags Essen zu gehen oder Essen zu holen. Die Anbindung an das Büro über den öffentlichen Nahverkehr ist sehr gut.
Kommunikation
Das Unternehmen ist in viele verschiedene Bereiche unterteilt. Teilweise könnte der Informationsaustausch zwischen den Teams besser sein, aber man ist bemüht, durch regelmäßige Austauschrunden Abhilfe zu schaffen.
Innerhalb des Unternehmens gibt es Formate, in denen Zahlen und Fakten aus dem jeweiligen Zeitraum mit allen Mitarbeitenden geteilt werden.
Gehalt/Benefits
Mein Gehalt war für Berliner Verhältnisse sehr gut.
Gleichberechtigung
Ich denke, grundsätzlich ist Gleichbehandlung im Unternehmen gegeben. Wenn man jedoch – wie in meinem Fall – mit einer Angststörung lebt und einem verpflichtende Dienstreisen auferlegt werden, ohne alternative Lösungen anzubieten, ist das aus meiner Sicht keine echte Gleichberechtigung.
Wenn man nicht reisen kann, ist die Teilnahme an bestimmten Workshops ausgeschlossen – insbesondere, wenn keine Möglichkeit zur Remote-Teilnahme vorgesehen ist. Man hat dann schlichtweg Pech gehabt.
Ich hätte mir hier mehr Flexibilität gewünscht – insbesondere schon bei der Planung von Workshops. Es sollte berücksichtigt werden, dass Kolleg:innen aus verschiedenen Gründen nicht vor Ort teilnehmen können. Das ist vergleichbar mit der Erwartung, dass eine Person im Rollstuhl zur Arbeit kommt, ohne sicherzustellen, dass das Gebäude barrierefrei zugänglich ist.
Interessante Aufgaben
Ich war für das UX Design der Verivox-App zuständig und habe die Aufgaben als sehr motivierend und spannend empfunden.
Musste aber auch mit manchen Einschränkungen umgehen. Mein Team (App) musste während meiner Zeit bei Verivox ohne Product Owner:in/Manager:in auskommen müssen, was zur krassen Überbelastung bestimmter Teile des Teams geführt hat und so die Produktivität deutlich eingeschränkt hat. Das Problem war bekannt, wurde allerdings zu meiner Zeit nicht gelöst. Ich habe an mehreren Stellen auf das Problem aufmerksam gemacht.

