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Bewertung

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Mehr Schein als Sein – vom Arbeitgeber mit Perspektive zum Unternehmen voller Kontrolle

2,2
Nicht empfohlen
Ex-Angestellte/r oder Arbeiter/inHat zum Zeitpunkt der Bewertung nicht mehr im Bereich Administration / Verwaltung in Mainz gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Ich habe zu Beginn meiner Zeit beim VP viele Jahre wirklich gerne dort gearbeitet.

Die Kommunikation erfolgte auf Augenhöhe, Vorgesetzte haben Mitarbeitende gefördert, gepusht, zugehört und Anliegen ernst genommen. Man hatte das Gefühl, gesehen und als Mensch sowie als fachlich wertvoller Mitarbeitender wahrgenommen zu werden.

Gerade deshalb ist es für mich besonders enttäuschend, wie sich meine Wahrnehmung im Laufe der Zeit verändert hat. Die positive Arbeitsatmosphäre und der Umgang miteinander, die ich zu Beginn erlebt habe, habe ich später zunehmend vermisst.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Zu Beginn war der VP noch ziemlich „bodenständig“, leider hat sich das aus meiner Sicht mit dem starken Wachstum des Unternehmens deutlich verändert.

Mit dem rasanten Wachstum wurden zunehmend auch Personen mit mehr Verantwortung ausgestattet, bei denen man sowohl fachlich als auch menschlich erhebliche Zweifel an der Eignung für diese Positionen erkennen konnte. Aus meiner Sicht hat sich dadurch eine Unternehmenskultur entwickelt, die zunehmend von Kontrolle, Neid, Missgunst und persönlichem Machtdenken geprägt war.

Das frühere Wir-Gefühl ging dabei immer mehr verloren. Nicht nur innerhalb einzelner Teams, sondern im gesamten Unternehmen. Statt gemeinsam an einem Strang zu ziehen, entstand zunehmend der Eindruck von Abgrenzung, Konkurrenz und gegenseitigem Misstrauen. Dass eine solche Entwicklung nicht spurlos an einem Unternehmen vorbeigeht, dürfte niemanden überraschen.

Besonders enttäuschend empfand ich dabei die obere Führungsebene. Der Anspruch, den das Unternehmen nach außen vermittelt, und meine tatsächlichen Erfahrungen lagen teilweise weit auseinander.

„Mehr Schein als Sein“ trifft es für mich deshalb ziemlich gut. Oder, um es mit einem Satz eines Vorredners zu sagen: „Der Fisch stinkt vom Kopf.“

Wenn ich meine Erfahrung überspitzt zusammenfassen müsste, dann ungefähr so:

„Ihr seid super – solange ihr den Mund haltet.“
„Ihr könnt mit uns wachsen – solange ihr nicht hinterfragt, wohin.“
„Wir tun Gutes für euch – solange das Bild nach außen stimmt.“

Genau diese Diskrepanz zwischen Außendarstellung und dem, was ich intern erlebt habe, gehört für mich zu den größten Enttäuschungen meiner Zeit dort.

Verbesserungsvorschläge

Einige grundlegende Veränderungen wären aus meiner Sicht dringend notwendig.

1. Langjährige Mitarbeitende stärker wertschätzen: Menschen, die das Unternehmen über Jahre mit aufgebaut und geprägt haben, sollten nicht als selbstverständlich angesehen werden. Erfahrung und Loyalität sollten wieder mehr Gewicht bekommen.
2. Professionelle Einarbeitung: Neue Mitarbeitende sollten von fachlich versierten und dafür geeigneten Personen eingearbeitet werden. Eine gute Einarbeitung ist keine Nebensache, sondern die Grundlage dafür, dass Mitarbeitende langfristig erfolgreich arbeiten können.
3. Weniger Entscheidungen nach Sympathie: Fachliche Kompetenz, Leistung und nachvollziehbare Kriterien sollten entscheidend sein und nicht persönliche Nähe oder die Frage, wer mit wem gut kann.
4. Führungsebenen kritisch hinterfragen: Hier sehe ich den größten Handlungsbedarf. Führungspositionen sollten mit Personen besetzt sein, die fachlich und menschlich für diese Verantwortung geeignet sind und Mitarbeitende tatsächlich führen, fördern und entwickeln können.

Kurz gesagt: Nicht bei den Mitarbeitenden anfangen aufzuräumen, sondern bei den Strukturen und insbesondere auf Führungsebene. Denn meiner Erfahrung nach liegen dort einige der eigentlichen Probleme.

Arbeitsatmosphäre

Kommunikation findet durchaus statt, allerdings überwiegend in dem Rahmen, in dem sie von oben gewünscht und kontrolliert wird. Ein offener und ehrlicher Austausch auf Augenhöhe ist nicht möglich.

Vieles wird meiner Erfahrung nach nicht transparent kommuniziert, sondern läuft eher hintenrum. Entscheidungen wirken dadurch nicht nachvollziehbar und eher davon abhängig, wer gerade am längeren Hebel sitzt oder bei wem man einen guten Stand hat.

Kritische Themen offen anzusprechen, ist aus meiner Sicht nicht unbedingt willkommen. Wer widerspricht oder unbequeme Fragen stellt, muss damit rechnen, dass sich der Umgang mit ihm verändert.

Besonders schade ist dabei die Diskrepanz zwischen dem Anspruch, den das Unternehmen nach außen vermittelt, und dem, was ich intern tatsächlich erlebt habe. Für mich war das Vorgesetztenverhalten daher einer der größten Kritikpunkte während meiner Zeit im Unternehmen.

Gehalt/Benefits

Mehr Schein als echte Entwicklungsmöglichkeiten

„Kannst du was, bist du was“ – zumindest so lange, bis man seine Leistung erbracht hat und aus unternehmerischer Sicht unbequem wird.

Mein Eindruck aus vielen Jahren VP: Wer sich anpasst, wenig hinterfragt und immer funktioniert, kann durchaus eine Weile gut zurechtkommen. Gerade für Berufseinsteiger mag das Unternehmen deshalb zunächst attraktiv wirken. Es werden Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven vermittelt, die in der Realität aus meiner Sicht allerdings deutlich anders aussehen.

Sobald man eigene Vorstellungen entwickelt, kritisch nachfragt oder konkrete Weiterentwicklung einfordert, wird es deutlich schwieriger. Beförderungen werden mit teilweise abenteuerlichen Begründungen abgelehnt, während gleichzeitig neue Mitarbeitende mit genau solchen Entwicklungsperspektiven gewonnen werden, die später auch nicht eingehalten werden.

Besonders problematisch: Kritik und Widerspruch wurden aus meiner Sicht nicht als Möglichkeit zur Verbesserung verstanden, sondern grundsätzlich als Problem (und von manchen sogar als persönliches Problem).

Arbeitsbedingungen

Hier gibt es tatsächlich wenig zu kritisieren.

Die Arbeitsplätze sind modern, gut ausgestattet und ergonomisch gestaltet. Auch bei den angebotenen Benefits wird meiner Erfahrung nach Wert auf Nachhaltigkeit gelegt.

Diesen Bereich kann ich daher tatsächlich positiv hervorheben. Wenn es um die Ausstattung der Arbeitsplätze und nachhaltige Benefits geht, macht das Unternehmen einiges richtig.

Gleichberechtigung

Nach meiner Erfahrung spielen Sympathien und persönliche Beziehungen im Umgang mit Mitarbeitenden eine auffallend große Rolle. Wer gut ins gewünschte Bild passt und wenig hinterfragt, scheint es deutlich leichter zu haben.
Fachliche Kompetenz allein reicht aus meiner Erfahrung nicht unbedingt aus. Mitarbeitende, die Verbesserungsvorschläge einbringen, Prozesse hinterfragen oder sich aktiv für Veränderungen einsetzen, werden meiner Wahrnehmung nach nicht als Bereicherung gesehen. Wer unbequem wird und sich nicht anpasst, kann schnell zum Problem werden.

Auch beim Umgang mit langjährigen bzw. älteren Mitarbeitenden hatte ich nicht den Eindruck, dass Erfahrung und fachliche Kompetenz immer die Wertschätzung erfahren, die sie verdienen. Für mich entstand vielmehr der Eindruck, dass Anpassungsfähigkeit und persönliche Nähe zu bestimmten Personen teilweise höher gewichtet werden als Leistung.


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Arbeitgeber-Kommentar

HR Team

Liebe*r Mitarbeiter*in;

vielen Dank für dein ausführliches Feedback und die offenen Worte. Es ist schade, dass sich deine Wahrnehmung im Laufe der Jahre verändert hat. Wir freuen uns, dass du die Arbeitsbedingungen und Benefits positiv hervorhebst, und nehmen deine Hinweise ernst.

Für deinen weiteren beruflichen Weg wünschen wir dir alles Gute und viel Erfolg!

Viele Grüße
Dilber & das HR-Team

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