Arbeitsalltag zwischen Kontrolle, Druck und geringer Wertschätzung
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist bereits sehr schlecht. Ständige Kontrollen beim Verlassen der Halle gehören zum Alltag. Manchmal muss man sogar die Schuhe ausziehen, weil angeblich etwas darin versteckt sein könnte. Man fühlt sich wie im Knast: Wenn die Schicht beginnt, endet oder wir Pause haben, ertönt eine Klingel.
Auch die Mitarbeiterboxen, die wir nicht abschließen können und die für jeden zugänglich sind, werden kontrolliert. Befindet sich darin etwas, das man nicht für die Arbeit benötigt, wird sofort von Diebstahl gesprochen. Eine Stempeluhr sucht man vergeblich – es gibt keine.
Die Pausenzeiten werden ebenfalls nicht richtig eingehalten. Es gibt eine 25-minütige und eine 10-minütige Pause. Spätzuschläge werden auch nicht gezahlt; diese müssten eigentlich erst ab Mitternacht entfallen. Wir arbeiten jedoch bis 23:35 Uhr.
Des Weiteren kommen ständig neue Mitarbeiter, weil viele dort nur wenige Monate durchhalten. Das bedeutet, dass man immer wieder neue Leute einarbeiten muss, die kurze Zeit später ebenfalls wieder gehen.
Image
Zalando hat zwar nicht das beste Image, und das merkt man auch im Arbeitsalltag. Nach außen möchte das Unternehmen zu den besten Arbeitgebern gehören und vermittelt den Eindruck, sehr viel für die Mitarbeiter zu tun. In Wirklichkeit sieht es jedoch oft ganz anders aus.
Work-Life-Balance
40 Stunden pro Woche im Zweischichtsystem bis 23:35 Uhr und nur 27 Urlaubstage – eine Katastrophe.
Karriere/Weiterbildung
Die einzigen Weiterbildungsmöglichkeiten erhält man, wenn man Ersthelfer, Brandschutzhelfer oder Sicherheitsbeauftragter wird. Möchte man in anderen Abteilungen arbeiten, fällt die Einarbeitung meist sehr kurz aus – oft dauert sie nur einen Tag, wenn überhaupt.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind, wie bereits oben beschrieben, sehr schlecht vor allem durch die ständigen Kontrollen und den permanenten Druck, die vorgegebene Stückzahl zu erreichen.
Bearbeitet man Schmuck, Uhren oder ähnliche Artikel, werden diese nach dem Etikettieren zusätzlich von einem Specialist oder Mentor kontrolliert. Nach der Kontrolle werden die Waren in einem Käfig verstaut. Außerdem muss jeder, der an der Kontrolle beteiligt war, unterschreiben, dass die Ware vollständig war.
Kommunikation
Auch der Punkt Kommunikation schneidet sehr schlecht ab. Etwa 90 % der Mitarbeiter sind Polen und sprechen ausschließlich Polnisch. Diejenigen, die Deutsch sprechen können, kann man an einer Hand abzählen. Die Lösung einer Führungskraft war, dass man als deutschsprachiger und in Deutschland lebender Mitarbeiter doch bitte Polnisch lernen solle.
Gehalt/Benefits
Man erhält lediglich den Grundlohn – und das war’s. Weder gibt es eine Jahresprämie noch Spät- oder Nachtzuschläge oder andere Boni, wenn man mehr als die vorgegebene Menge schafft. Der Grundlohn liegt meist nur ein bis zwei Euro über dem gesetzlichen Mindestlohn.
Urlaubs- und Weihnachtsgeld erhält man zwar abhängig von der Betriebszugehörigkeit, diese fallen jedoch ebenfalls sehr gering aus. Positiv ist, dass man Zalando-Aktien sowie einen 40%-Gutschein für bestimmte Artikel erhält. Schade ist allerdings, dass der Gutschein nicht auf viele Markenartikel angewendet werden kann.
Getränke werden ebenfalls angeboten, darunter stilles Wasser und Sprudelwasser. Obst und Gemüse gibt es auch – allerdings sollte man nicht „zu viel“ nehmen. Bei Zalando gelten bereits zwei Äpfel und zwei Tomaten als zu viel.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben hängen stark davon ab, in welcher Abteilung man arbeitet. In den meisten Abteilungen macht man jedoch den ganzen Tag das Gleiche: Artikel scannen und etikettieren, Artikel auf den Sorter legen oder Artikel mit Preisschildern versehen. Dabei steht man acht Stunden lang am selben Platz. Setzt man sich einmal hin, wird man sofort kritisch beobachtet.

