Über 10 Jahre gerne dabei gewesen – inzwischen erkenne ich meinen Arbeitgeber kaum wieder
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Der Druck hat bei mir persönlich ein Ausmaß erreicht, bei dem es nicht mehr nur darum ging, ob ich gerne zur Arbeit gehe oder ob mich mein Job stresst. Ich war an einem Punkt, an dem ich mich ernsthaft gefragt habe, ob ich überhaupt noch weiterleben möchte.
Genau dieser Moment hat mir deutlich gemacht, dass eine Grenze überschritten ist. Ich habe für mich entschieden: Keine Firma, kein Umsatz, kein Ziel und kein beruflicher Druck dieser Welt sind es wert, dass ein Mensch aufgrund seiner Arbeit über solche Fragen nachdenken muss.
Seitdem versuche ich, die Dinge anders einzuordnen. Arbeit darf fordern und Vertrieb darf auch Druck bedeuten. Aber wenn die Belastung einen Menschen bis zu einem solchen Punkt bringt, stimmt aus meiner Sicht etwas Grundlegendes nicht mehr.
Ich kann hier nur für meine persönliche Erfahrung sprechen. Für mich war dieser Punkt jedoch real – und er ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich die derzeitige Arbeits- und Führungssituation so kritisch bewerte und mich auf dem Markt nach Optionen umsehe.
Verbesserungsvorschläge
Gebt Mitarbeitern wieder mehr Vertrauen und lasst insbesondere Vertriebsmitarbeiter stärker das tun, wofür sie eingestellt wurden:
Nicht jede Tätigkeit, jedes Telefonat und jeder Arbeitsschritt muss dokumentiert oder kontrollierbar sein. Wenn Kontrolle als Unterstützung bezeichnet wird, vom Mitarbeiter aber als permanente Überwachung wahrgenommen wird, sollte man hinterfragen, warum dieser Eindruck entsteht.
Ändert Prozesse dort, wo Veränderungen notwendig sind – aber gebt neuen Prozessen auch einmal Zeit. Ständig neue Strategien, Dateien, Programme und Vorgehensweisen kosten Zeit und Akzeptanz.
Hört stärker auf die Mitarbeiter, die täglich beim Kunden sind. Theoretische Vertriebskonzepte sind wichtig, ersetzen aber keine jahrelange Erfahrung am Markt.
Vereinfacht außerdem interne Prozesse. Digitalisierung sollte Arbeit reduzieren und nicht dazu führen, dass Mitarbeiter verschiedene Listen und Systeme durchsuchen und am Ende trotzdem jemanden in der Zentrale anrufen müssen, um eine verlässliche Information zu erhalten.
Und vor allem: Schafft wieder mehr Vertrauen. Führung bedeutet für mich nicht nur, Aufgaben zu verteilen, Ergebnisse einzufordern und auf Fehler hinzuweisen. Ein Vorgesetzter sollte auch hinter seinem Team stehen, Verantwortung übernehmen, zuhören und seine Mitarbeiter entwickeln.
Nach über zehn Jahren wünsche ich mir nicht das Zeppelin von gestern zurück. Aber ich wünsche mir ein Zeppelin, bei dem Veränderungen wieder das Arbeiten verbessern, statt den Mitarbeitern zunehmend die Freude an ihrer Arbeit zu nehmen.
Arbeitsatmosphäre
Früher bin ich wirklich gerne zur Arbeit gegangen. Heute fahre ich häufig angespannt und mit einem schlechten Gefühl hin. Die eigentliche Tätigkeit ist dabei nicht das Problem. Es ist vielmehr die Atmosphäre, die durch Leistungsdruck, Kontrolle, wechselnde Vorgaben und die Art der Führung entstanden ist.
Kommunikation
Einer meiner größten Kritikpunkte. Informationen und Anweisungen gibt es ausreichend – echte Kommunikation dagegen deutlich zu wenig.
Viele Dinge werden vorgegeben. Einen offenen Austausch darüber, wie es den Mitarbeitern geht, was draußen beim Kunden funktioniert oder welche Prozesse verbessert werden könnten, vermisse ich.
Auch das Vertrauen in die Kommunikation meiner Führungskraft habe ich weitgehend verloren.
Kollegenzusammenhalt
Insgesamt okay bis gut. Natürlich gibt es Gruppenbildung, Lästereien und teilweise gegenseitiges Anschwärzen. Das ist allerdings nicht erst seit gestern so.
Problematisch wird es für mich dort, wo sich Führungskräfte an solchen Dynamiken beteiligen oder Gespräche über Mitarbeiter geführt werden, sobald diese nicht mehr im Raum sind.
Work-Life-Balance
Für mich mittlerweile sehr schlecht. Vernünftige Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen fehlen teilweise. Gleichzeitig kommen auch spät abends noch E-Mails von Führungskräften.
Wer morgens beginnt, kann teilweise erst einmal zahlreiche E-Mails und administrative Themen abarbeiten, bevor die eigentliche Arbeit beginnt.
Inzwischen beschäftigt mich die Arbeit auch deutlich über den Feierabend hinaus. Für mich persönlich ist eine Grenze erreicht, bei der Arbeit und Privatleben nicht mehr ausreichend getrennt sind.
Vorgesetztenverhalten
Mein größter Kritikpunkt.
Ich vermisse Vertrauen, einen offenen Austausch und das Gefühl, dass die Führung hinter ihren Mitarbeitern steht. Bei Problemen entsteht bei mir eher der Eindruck, dass sehr schnell darauf gezeigt wird, wer verantwortlich war.
Kritische oder abweichende Meinungen werden nach meiner Erfahrung häufig abgewunken. Gleichzeitig werden Fehler nicht vergessen und teilweise später erneut aufgegriffen.
Von Führung wünsche ich mir mehr Zuhören, Rückendeckung und gemeinsames Lösen von Problemen – und weniger Kontrolle und reine Aufgabenverteilung.
Interessante Aufgaben
Die eigentliche Tätigkeit ist einer der Gründe, warum ich noch immer hier bin. Vertrieb, Kunden, Produkte und die ständig neuen Herausforderungen machen grundsätzlich Spaß.
Würde man einen Teil der Bürokratie, Kontrolle und ständig wechselnden Vorgaben reduzieren, könnte ich diesen Punkt ohne große Bedenken sehr gut bewerten.
Gleichberechtigung
Für mich wird nicht jeder Mitarbeiter gleich behandelt. Es entsteht der Eindruck, dass persönliche Sympathien eine Rolle spielen können. Manche Mitarbeiter werden positiv dargestellt, während bei anderen stärker die negativen Punkte hervorgehoben werden.
Umgang mit älteren Kollegen
Grundsätzlich gut. Ältere und langjährige Kollegen werden nach meiner Erfahrung respektvoll behandelt. Teilweise entsteht allerdings auch der Eindruck, dass bei älteren Mitarbeitern weniger eingefordert wird und jüngere beziehungsweise leistungsstärkere Mitarbeiter dies auffangen sollen.
Arbeitsbedingungen
Hier gibt es wenig zu kritisieren. Funktionaler Arbeitsplatz, großes Büro, Laptop, Firmenhandy und Firmenwagen. Die Voraussetzungen, vernünftig arbeiten zu können, sind grundsätzlich vorhanden.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Thema wird unternehmensseitig kommuniziert und es gibt regelmäßig Informationen dazu. Im eigenen Arbeitsalltag könnte für mich allerdings sichtbarer werden, welche konkreten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und welche messbaren Ergebnisse daraus entstehen.
Gehalt/Benefits
Aus meiner Sicht der Leistung entsprechend und grundsätzlich gut. Im Vertrieb gibt es eine Ergebnisbeteiligung, dazu Firmenwagen, 30 Tage Urlaub, JobRad und weitere Mitarbeiterangebote.
Das ist definitiv eine Stärke des Unternehmens.
Image
Zeppelin hat nach außen weiterhin einen starken Namen. Gerade deshalb finde ich die interne Entwicklung schade.
Mein Bild des Unternehmens war vor einigen Jahren deutlich positiver. Das Potenzial und viele gute Voraussetzungen sind weiterhin vorhanden – die aktuelle Entwicklung der Kultur passt für mich jedoch immer weniger zu dem Arbeitgeber, für den ich viele Jahre sehr gerne gearbeitet habe.
Karriere/Weiterbildung
Schulungen und Aufstiegsmöglichkeiten sind grundsätzlich vorhanden. Die Vielzahl verpflichtender Online-Schulungen empfinde ich teilweise allerdings eher als Belastung.
Bei Aufstiegsmöglichkeiten entsteht bei mir zudem der Eindruck, dass Anpassungsfähigkeit an bestehende Strukturen und Meinungen teilweise stärker honoriert wird als nachweisbarer Erfolg oder kritisches Hinterfragen.


