Wer Innovation erwartet, wird enttäuscht – Stillstand statt Fortschritt
Gut am Arbeitgeber finde ich
Leider nicht mehr viel. Der größte Pluspunkt waren für mich die Kolleginnen und Kollegen sowie der gute Zusammenhalt innerhalb der Teams. Viele Mitarbeitende sind fachlich hervorragend und unterstützen sich gegenseitig, obwohl die Rahmenbedingungen immer schwieriger geworden sind.
Abgesehen davon fällt es mir schwer, noch weitere positive Aspekte zu nennen. Viele der Stärken, die das Unternehmen früher einmal ausgezeichnet haben, sind aus meiner Sicht durch den starken Fokus auf Faktura, fehlende strategische Weiterentwicklung und eine zunehmend realitätsferne Führung verloren gegangen. Das vorhandene Potenzial der Mitarbeitenden wird nicht ausgeschöpft, wodurch sowohl Beschäftigte als auch das Unternehmen selbst Chancen verschenken.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Den nahezu ausschließlichen Fokus auf Faktura und kurzfristige Kennzahlen. Mitarbeitende werden zunehmend als abrechenbare Ressourcen betrachtet und nicht als Menschen mit Erfahrung, Ideen und Entwicklungspotenzial. Fachliche Qualität, Innovation und nachhaltige Unternehmensentwicklung treten dadurch immer weiter in den Hintergrund.
Besonders negativ empfinde ich die Führungskultur. Entscheidungen wirken häufig realitätsfern, Kritik wird nur ungern angenommen und notwendige Veränderungen werden immer wieder aufgeschoben. Statt tragfähige Konzepte für neue Geschäftsfelder, moderne Beratungsleistungen oder eine zukunftsfähige Unternehmensstrategie zu entwickeln, wird bei wirtschaftlichen Problemen vor allem der Druck auf die Mitarbeitenden erhöht.
Aus meiner Sicht hat sich das Unternehmen von den Werten entfernt, mit denen es früher einmal geworben hat. Die Diskrepanz zwischen Außendarstellung und gelebter Unternehmenskultur ist inzwischen so groß, dass ich das Unternehmen als Arbeitgeber nicht mehr weiterempfehlen kann. Wer Wert auf moderne Führung, Wertschätzung, langfristige Perspektiven und eine klare strategische Ausrichtung legt, wird hier meiner Meinung nach enttäuscht werden.
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen benötigt keinen weiteren Fokus auf Faktura, sondern endlich eine grundlegende Veränderung seiner Führungs- und Unternehmenskultur. Solange kurzfristige Kennzahlen über strategisches Denken und den Menschen gestellt werden, werden die Probleme weiter zunehmen.
Die Führungsebene sollte sich ehrlich hinterfragen, warum qualifizierte Mitarbeitende das Unternehmen verlassen. Die Antwort liegt aus meiner Sicht nicht in mangelnder Leistungsbereitschaft der Belegschaft, sondern in einer Führungskultur, die auf Druck statt auf Lösungen setzt. Schlechte Geschäftszahlen lassen sich nicht dauerhaft dadurch beheben, dass Mitarbeitende immer mehr abrechenbare Stunden leisten sollen.
Es braucht endlich eine Unternehmensstrategie, die diesen Namen verdient. Hochqualifizierte Berater sollten dort eingesetzt werden, wo sie den größten Mehrwert schaffen: bei komplexen Projekten, strategischer Beratung, Architektur, Innovation und der Koordination verschiedener Dienstleister. Einfache Routinetätigkeiten gehören – sofern wirtschaftlich sinnvoll – an kostengünstigere Standorte und nicht zu hochbezahlten Spezialisten, nur damit deren Auslastung stimmt.
Die Führungskräfte sollten wieder anfangen zu führen, anstatt lediglich Kennzahlen zu verwalten. Es fehlen neue Ideen, Innovationen und der Mut, bestehende Geschäftsmodelle kritisch zu hinterfragen. Wer sich ausschließlich darauf konzentriert, den Status quo zu erhalten, wird langfristig weder Kunden noch Mitarbeitende überzeugen.
Ebenso sollte eine echte Feedbackkultur geschaffen werden. Kritik darf nicht als Angriff verstanden werden, sondern muss als Chance zur Verbesserung genutzt werden. In meinem Eindruck wurden Probleme häufig angehört, aber selten gelöst.
Mein wichtigster Verbesserungsvorschlag lautet daher: Weniger Selbstzufriedenheit, weniger kurzfristiges Denken und deutlich mehr Mut zu Veränderungen. Das Unternehmen verfügt über hervorragende Mitarbeitende – ihnen fehlt jedoch eine Führung, die Potenziale erkennt, fördert und eine klare Zukunftsvision entwickelt. Ohne einen grundlegenden Kultur- und Strategiewechsel wird es aus meiner Sicht zunehmend schwer werden, qualifizierte Fachkräfte zu halten und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Der Mensch stand nicht mehr im Mittelpunkt, sondern ausschließlich die Faktura und abrechenbare Stunden. Dadurch entstand ein hoher Leistungsdruck, bei dem Qualität und sinnvolle Aufgabenverteilung oft in den Hintergrund rückten.
Image
Das Image des Unternehmens passt aus meiner Sicht kaum noch zur Realität. Nach außen wird ein modernes, innovatives und mitarbeiterorientiertes Beratungsunternehmen präsentiert. Intern habe ich jedoch das Gegenteil erlebt: Statt Innovation dominieren Stillstand, kurzfristiges Denken und eine Führungskultur, die sich vor allem an abrechenbaren Stunden orientiert.
Die Unternehmensführung vermittelt den Eindruck, Veränderung zu wollen, handelt aber kaum danach. Neue Ideen werden selten konsequent verfolgt, strategische Weiterentwicklungen bleiben aus und offensichtliche Probleme werden lieber ausgesessen, als aktiv gelöst. Anstatt die Ursachen wirtschaftlicher Herausforderungen zu analysieren und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, wird der Druck auf die Mitarbeitenden erhöht. Die Antwort auf schlechte Zahlen lautet regelmäßig: mehr Faktura.
Besonders enttäuschend ist der Umgang mit hochqualifizierten Beratern. Anstatt ihre Erfahrung für komplexe Kundenprojekte, strategische Beratung oder die Erschließung neuer Themenfelder zu nutzen, werden sie häufig mit einfachen Tätigkeiten beschäftigt, nur damit die Auslastung stimmt.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance war grundsätzlich in Ordnung. Allerdings wurde sie durch den ständigen Druck, möglichst viele abrechenbare Stunden zu erzielen, erheblich belastet. Teilweise wurden Mitarbeitende mit hoher Qualifikation für einfache Tätigkeiten eingesetzt, nur um ihre Faktura zu erhöhen. Solche Aufgaben könnten sinnvollerweise an Offshore-Standorte ausgelagert werden. Stattdessen sollten erfahrene Principal-Mitarbeitende ihre Zeit für komplexe Themen, strategische Aufgaben und die Weiterentwicklung des Unternehmens einsetzen. Dadurch würden sowohl die Mitarbeitenden als auch das Unternehmen langfristig profitieren.
Karriere/Weiterbildung
Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten waren aus meiner Sicht zwar auf dem Papier vorhanden, in der Praxis standen sie jedoch häufig hinter dem kurzfristigen Ziel, möglichst viele abrechenbare Stunden zu erzielen. Für fachliche Weiterentwicklung blieb oft kaum Zeit, da jede nicht fakturierbare Stunde kritisch betrachtet wurde.
Der Druck, die persönliche Auslastung zu maximieren, war deutlich höher als das Interesse daran, Mitarbeitende langfristig weiterzuentwickeln. Statt neue Technologien zu erlernen, Zertifizierungen zu absolvieren oder sich in zukunftsrelevante Themen einzuarbeiten, stand die Faktura im Vordergrund. Wer Zeit in Weiterbildung investieren wollte, musste dies häufig rechtfertigen.
Gehalt/Benefits
Gutes Marktgerechtes Gehalt
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kolleginnen und Kollegen war hingegen sehr gut. Besonders mit den Mitarbeitenden, mit denen man über einen längeren Zeitraum zusammengearbeitet hat, herrschte ein vertrauensvolles und unterstützendes Miteinander. Dieser Zusammenhalt war einer der größten Pluspunkte des Unternehmens.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten war aus meiner Sicht einer der Hauptgründe für meinen Weggang. Die Führungsebene war zunehmend weit von der Realität des operativen Geschäfts entfernt. Anstatt sich mit den eigentlichen Ursachen wirtschaftlicher Probleme auseinanderzusetzen oder neue Strategien zu entwickeln, lautete die Lösung bei schlechten Zahlen nahezu ausschließlich: mehr Faktura, mehr abrechenbare Stunden und noch mehr Druck auf die Mitarbeitenden.
Mein Eindruck war, dass viele Führungskräfte vor allem damit beschäftigt waren, ihre eigenen Verantwortungsbereiche und Positionen zu sichern. Nachhaltige Lösungen für die Mitarbeitenden oder das Unternehmen rückten dabei in den Hintergrund. Das Unternehmen wirkte wie ein Schiff, das den Eisberg bereits gerammt hat, während auf dem Deck weiterhin Musik gespielt wird und alle so tun, als wäre nichts passiert. Diese fehlende Selbstreflexion und der mangelnde Veränderungswille haben letztlich dazu geführt, dass ich keine Zukunft mehr für mich im Unternehmen gesehen habe.
Kommunikation
Die Kommunikation der Führungskräfte war aus meiner Sicht unzureichend. Anliegen und Probleme der Mitarbeitenden wurden häufig nicht ernst genommen oder nicht verstanden. Wenn man Missstände offen und konstruktiv angesprochen hat, wurde teilweise empfindlich oder ablehnend reagiert. Konkrete Verbesserungen blieben trotz mehrfacher Hinweise aus.
Interessante Aufgaben
Gab es immer, wenn man dies wollte.


