Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Ausbildungsvergütung empfand ich als vergleichsweise gut.
Positiv fand ich außerdem die Rotation zwischen verschiedenen Abteilungen und die Möglichkeit, unterschiedliche Bereiche eines großen IT-Systemhauses kennenzulernen.
Die technische Ausstattung ist grundsätzlich modern und man sammelt viel praktische Erfahrung im realen Kunden-, Support- und Unternehmensumfeld.
Gerade für den Einstieg ins Berufsleben kann man dadurch viel darüber lernen, wie IT-Prozesse und der Arbeitsalltag in einem großen Systemhaus funktionieren.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die aus meiner Sicht stark hierarchisch geprägte Unternehmenskultur, teilweise widersprüchliche Kommunikation und das Fehlen einer für mich wahrnehmbaren unabhängigen Anlaufstelle in Konfliktsituationen empfand ich als besonders negativ.
Während meiner Zeit im Unternehmen habe ich außerdem eine aus meiner Sicht sehr hohe Fluktuation wahrgenommen. Viele Kolleg verließen das Unternehmen oder wechselten aus ihren bisherigen Bereichen. Dadurch entstand bei mir teilweise ein Gefühl von Unsicherheit und fehlender Kontinuität. Wenn erfahrene Mitarbeitende gehen, geht aus meiner Wahrnehmung auch Wissen verloren, das nicht immer unmittelbar ersetzt werden kann. Ich hatte persönlich den Eindruck, dass die stark hierarchisch geprägte Kultur und begrenzte Entwicklungsperspektiven zumindest zur allgemeinen Unzufriedenheit beitragen könnten. Die individuellen Gründe für einzelne Kündigungen kann ich selbstverständlich nicht beurteilen.
Auch kulturell wirkte das Unternehmen auf mich an einigen Stellen wenig zeitgemäß. Ein kleines, aber für mich bezeichnendes Beispiel war, dass an meinem Standort während meiner Ausbildungszeit nach meiner Erfahrung kurze Hosen im Büro nicht erlaubt waren. Insgesamt fühlte sich die Unternehmenskultur für mich stellenweise wie eine leicht modernisierte Version einer klassischen Bürokultur aus den 1980er-Jahren an: moderne IT und moderne Hardware auf der einen Seite, gleichzeitig aber vergleichsweise traditionelle Regeln, deutliche Hierarchien und teilweise wenig Flexibilität auf der anderen.
Das Desk-Sharing-Konzept empfand ich ebenfalls als wenig attraktiv. Zusätzlich fand ich die Anordnung einiger Arbeitsplätze im Hinblick auf Privatsphäre und Vertraulichkeit ungünstig. Während meiner Zeit habe ich mehrfach erlebt, dass Bildschirme von Personen eingesehen werden konnten, die lediglich durch den jeweiligen Bürobereich liefen. Je nachdem, woran gerade gearbeitet wurde, konnten dabei aus meiner Sicht auch Informationen sichtbar sein, die nicht für unbeteiligte Personen bestimmt waren.
Für mich persönlich wirft diese Gestaltung zumindest Fragen hinsichtlich Sichtschutz und Datenschutz auf. Ich möchte damit ausdrücklich nicht behaupten, dass ein konkreter DSGVO-Verstoß vorlag; die räumliche Gestaltung empfand ich jedoch teilweise als vermeidbares Datenschutzrisiko. Einige Räume waren aus meiner Wahrnehmung deutlich besser vor fremden Blicken geschützt als andere.
Die teilweise eingeschränkten Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten passten für mich ebenfalls nicht ganz zu dem Bild eines modernen IT-Unternehmens.
Bei der Ausbildung hätte ich mir außerdem häufiger anspruchsvollere technische Aufgaben und weniger dauerhaft wiederkehrendes operatives Tagesgeschäft gewünscht.
Auch die langfristigen Entwicklungs- und Gehaltsperspektiven nach der Ausbildung waren für mich persönlich nicht attraktiv genug, um das Unternehmen als langfristigen Arbeitgeber in Betracht zu ziehen.
Verbesserungsvorschläge
Aus meiner Sicht sollte stärker auf Vertrauen statt auf Kontrolle gesetzt werden. Gerade Auszubildende sollten schrittweise mehr Eigenverantwortung erhalten und gleichzeitig wissen, dass sie bei Problemen eine wirklich unabhängige Anlaufstelle haben.
Feedback sollte regelmäßiger, konkreter und vor allem konsistenter gegeben werden. Wenn unterschiedliche Verantwortliche unterschiedliche Erwartungen vermitteln, entsteht unnötige Unsicherheit.
Weiterbildungen und Zertifizierungen sollten möglichst erst dann konkret angekündigt werden, wenn eine realistische Aussicht besteht, dass diese auch tatsächlich durchgeführt werden können.
Das Rotationsmodell könnte außerdem durch kürzere oder zusätzliche Stationen erweitert werden. So könnten Auszubildende einen größeren Teil des Standorts kennenlernen und besser herausfinden, in welchem Bereich sie sich langfristig entwickeln möchten.
Beim Arbeitsplatzkonzept würde ich mir zumindest die Möglichkeit eines dauerhaft zugeordneten Arbeitsplatzes wünschen. Zusätzlich wären verlässlichere und transparentere Regelungen zum mobilen Arbeiten aus meiner Sicht zeitgemäß.
Auch bei den Karriere- und Gehaltsperspektiven nach der Ausbildung würde mehr Transparenz helfen.
Arbeitsatmosphäre
Die technische Ausstattung ist grundsätzlich modern und auf einem guten Niveau. Das Arbeitsplatzkonzept hat diesen Vorteil für mich jedoch teilweise wieder aufgehoben.
Während meiner Zeit habe ich erlebt, dass viele Mitarbeitende Desk-Sharing nutzten, während einzelne Führungskräfte über feste Arbeitsplätze bzw. eigene Büros verfügten. Arbeitsplätze mussten teilweise reserviert werden, wodurch man sich seinen Arbeitsplatz kaum dauerhaft ergonomisch oder persönlich einrichten konnte.
Unterschiedliche Dockingstations, Monitore und Peripheriegeräte führten bei mir außerdem regelmäßig zu technischen Problemen und vermeidbarem Zeitverlust. Die grundsätzliche Qualität der Ausstattung empfand ich dennoch als gut.
Auch die Raumbedingungen empfand ich teilweise als unangenehm. Innerhalb des Gebäudes gab es für mich deutlich spürbare Temperaturunterschiede zwischen verschiedenen Bereichen, während manche Räume auf mich etwas staubig wirkten.
Durch unterschiedlich starke Nutzung von mobilem Arbeiten waren manche Bereiche außerdem häufig sehr leer. Beim Kollegenzusammenhalt hatte ich teilweise den Eindruck, dass sich relativ feste Gruppen gebildet hatten und der Austausch zwischen einzelne
Karrierechancen
Grundsätzlich gibt es im Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass diese teilweise stark davon abhängen, wie gut man sich in bestehende Strukturen und Erwartungen einfügt.
Gerade Feedback wird während der Ausbildung als wichtiger Bestandteil der Entwicklung vermittelt. In der Praxis habe ich dieses Feedback jedoch teilweise als unregelmäßig, widersprüchlich oder wenig konkret erlebt.
Die Unternehmensstruktur empfand ich als deutlich hierarchisch geprägt. Während es aus meiner Sicht auf Führungsebene gute Entwicklungsmöglichkeiten gibt, habe ich gleichzeitig Mitarbeitende erlebt, die über längere Zeit in Positionen ohne für mich erkennbare weitere Perspektive geblieben sind.
Arbeitszeiten
Die regulären Arbeitszeiten lagen bei mir zwischen 8 und 17 Uhr, unter anderem aufgrund einer einstündigen Pause.
Gerade während der Wintermonate empfand ich das persönlich als belastend, weil man morgens teilweise im Dunkeln zur Arbeit fährt und das Büro ebenfalls erst wieder im Dunkeln verlässt.
Mobiles Arbeiten wurde in meinem Umfeld häufig unter dem Begriff „agiles Arbeiten“ kommuniziert. Nach meiner Erfahrung bestand jedoch kein fest zugesicherter Homeoffice-Anspruch.
Wie häufig mobiles Arbeiten tatsächlich möglich war, hing stark von der jeweiligen Abteilung und Tätigkeit ab. In meinen jeweiligen Einsatzbereichen waren für mich maximal ungefähr 1,5 Tage mobiles Arbeiten pro Woche möglich, in manchen Bereichen deutlich weniger.
Ausbildungsvergütung
Die Ausbildungsvergütung liegt aus meiner Sicht eher im oberen Bereich und war grundsätzlich fair.
Im Vergleich zu tarifgebundenen Unternehmen, beispielsweise Betrieben mit entsprechenden Tarifverträgen, empfand ich das Gesamtpaket dennoch als etwas weniger attraktiv.
Ich erhielt während meiner Ausbildung keine Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Dadurch wirkt die monatliche Ausbildungsvergütung zunächst attraktiv, beim Vergleich des gesamten Jahrespakets relativiert sich dieser Vorteil meiner Meinung nach etwas.
Positiv waren Verpflegungspauschalen bei entsprechenden externen Einsätzen.
Die Ausbilder
Die Betreuung habe ich als sehr wechselhaft erlebt. Positiv war, dass grundsätzlich Ansprechpartner vorhanden waren. Gleichzeitig habe ich mehrfach widersprüchliche Aussagen, fehlendes oder verspätetes Feedback und Erwartungen erlebt, die aus meiner Sicht nicht immer konsistent vermittelt oder eingehalten wurden.
In Konflikt- oder Problemsituationen fehlte mir persönlich eine wirklich unabhängige Anlaufstelle. Da die Ausbildungsbetreuung teilweise gleichzeitig aus dem HR-Bereich kam, hatte ich nicht immer das Gefühl, dass die Interessen der Auszubildenden unabhängig von anderen Unternehmensinteressen vertreten werden konnten. Während meiner Ausbildung stand mir persönlich außerdem kein Betriebsrat als Ansprechpartner zur Verfügung.
Auch Entwicklungsmöglichkeiten wie Zertifizierungen wurden teilweise in Aussicht gestellt, konnten später jedoch unter anderem mit Verweis auf die wirtschaftliche Situation nicht umgesetzt werden. Wenn man sich bereits darauf vorbereitet und darauf gefreut hat, ist das natürlich enttäuschend.
Spaßfaktor
In einigen Bereichen habe ich zeitweise eine vergleichsweise hohe Anzahl an Praktikant und Auszubildenden erlebt. Dadurch entstand bei mir teilweise der Eindruck, dass Nachwuchskräfte stark zur Abdeckung des operativen Tagesgeschäfts eingesetzt wurden.
Gerade im On-Site- und 1st-Level-Bereich bestanden die Tätigkeiten über längere Zeit aus sehr ähnlichen Aufgaben. Dadurch wurde der Arbeitsalltag für mich schnell monoton.
Ein klarer Pluspunkt war dagegen die Rotation zwischen unterschiedlichen Abteilungen. Dadurch erhält man zumindest Einblicke in verschiedene Bereiche des Unternehmens.
Aufgaben/Tätigkeiten
Viele Tätigkeiten bestanden über längere Zeit aus wiederkehrenden operativen Aufgaben, beispielsweise Hotline, Auslieferung von Equipment bzw. Rucksäcken, Drucker entsperren oder Passwörter zurücksetzen.
Solche Aufgaben gehören selbstverständlich zum IT-Support. Für eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration hätte ich mir jedoch häufiger anspruchsvollere Tätigkeiten, mehr technische Tiefe und größere eigene Projekte gewünscht.
Variation
Das Rotationsmodell ist grundsätzlich einer der besseren Aspekte der Ausbildung. Auszubildende lernen mehrere Abteilungen kennen und können teilweise auch Wünsche für zukünftige Stationen äußern, auch wenn diese verständlicherweise nicht immer umgesetzt werden können.
Die einzelnen Einsätze dauern allerdings häufig ungefähr sechs Monate. Dadurch lernt man während der Ausbildung nur einen begrenzten Teil des Standorts wirklich kennen.
Kürzere oder zusätzliche Rotationen würden meiner Meinung nach helfen, mehr Fachbereiche kennenzulernen und später besser einschätzen zu können, welche Richtung fachlich und persönlich am besten passt.
Respekt
In Konflikt- oder Problemsituationen habe ich mich als Auszubildender nicht ausreichend vertreten und geschützt gefühlt. Mir fehlte insbesondere eine unabhängige Anlaufstelle außerhalb der normalen Führungs- und HR-Strukturen.
Dazu kamen aus meiner Sicht widersprüchliche Aussagen, nicht eingehaltene Erwartungen und teilweise ein geringes Vertrauen gegenüber Auszubildenden.
In manchen Situationen entstand bei mir eher das Gefühl ständiger Kontrolle, anstatt schrittweise mehr Eigenverantwortung und Vertrauen zu erhalten.