Gut am Arbeitgeber finde ich
Benefits für vergünstigte Reisen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Konzernkultur, Sicherheitskultur, Kollegenverhalten, Überheblichkeit, ...
Verbesserungsvorschläge
Austausch der Konzernführung, Aufsichtsrat und Geschäftsführung. Harte Restrukturierung des Konzern, Modernisierung der IT und des Büro. Im Zweifel alte Gebäude am Flughafen aufgeben und extern neu aufbauen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich als von Misstrauen statt Zusammenarbeit geprägt erlebt. Aus meiner Sicht entstand ein Umfeld, in dem Mitarbeitende sich gegenseitig beobachteten und Informationen untereinander weitergegeben wurden, anstatt offen und konstruktiv zusammenzuarbeiten.
Zusätzlich wurde die Atmosphäre durch das Führungsverhalten der damaligen Team- und Abteilungsleitung belastet, die inzwischen nicht mehr in dieser Funktion tätig ist. Mein Eindruck war, dass Kritik eher unerwünscht war und eine offene Fehler- und Diskussionskultur nicht gelebt wurde.
Besonders kritisch empfand ich die Sicherheitskultur. Sicherheitsrelevante Themen erhielten aus meiner Sicht nicht die Priorität, die in einem Luftfahrtunternehmen selbstverständlich sein sollte. Dass sich schließlich sogar das Luftfahrt-Bundesamt mit entsprechenden Sachverhalten befassen musste, unterstreicht für mich, dass die bestehenden Probleme nicht lediglich auf persönliche Wahrnehmungen beschränkt waren.
Image
Nach außen pflegt Lufthansa das Bild eines Premium-Carriers mit deutscher Präzision, Sicherheit und Zuverlässigkeit – ein Image, das laut aktuellen Markenrankings zuletzt sogar an Stärke gewonnen hat. Wer allerdings hinter die Kulissen blickt, sieht eine andere Realität: 2026 kam es zu Tarifkonflikten und Streiks sowohl beim Kabinenpersonal als auch bei den Piloten, mit einer erschreckend hohen Zustimmung zu Arbeitskampfmaßnahmen – ein deutliches Signal für tiefsitzende Unzufriedenheit in der Belegschaft. Aus meiner Erfahrung im Dispatch reiht sich mein Bereich nahtlos in dieses Muster ein: Auch hier klafft eine erhebliche Lücke zwischen dem nach außen kommunizierten Anspruch und der tatsächlich gelebten Realität für die Mitarbeitenden. Während sich das Unternehmen als verlässlicher, sicherheitsorientierter Premiumanbieter inszeniert, wird intern an genau den Stellschrauben gespart, die für Sicherheit, Motivation und Zufriedenheit der Belegschaft entscheidend wären. Ein Image, das auf Hochglanzbroschüren gut aussieht, aber der Realität nicht standhält.
Work-Life-Balance
Der Schichtrhythmus im Flugdienstberater-Bereich ist aus meiner Sicht ein echtes Problem: Man arbeitet 7 Tage am Stück im Wechsel aus Früh-, Spät- und Nachtschichten, bevor 3 freie Tage folgen. Bemerkenswert ist dabei, dass für Flugpersonal – die eine vergleichbare sicherheitskritische Verantwortung tragen – die EASA-Flugdienst- und Ruhezeitvorschriften (ORO.FTL) mit wissenschaftlich fundierten Grenzen für Ermüdung, zirkadiane Tiefphasen und Erholungszeiten gelten. Für Flugdienstberater, die ebenfalls sicherheitsrelevante Entscheidungen wie Routen- und Treibstoffplanung oder Wetterbewertungen treffen, gibt es diesen speziellen Schutz nicht – hier greift lediglich das allgemeine Arbeitszeitgesetz, das für diese Art von Verantwortung schlicht nicht ausreichend konzipiert ist. Ein planbares Privatleben ist unter diesen Bedingungen kaum möglich, zumal regelmäßig auch an Feiertagen gearbeitet werden muss – ohne dass es dafür aktuell einen finanziellen Ausgleich gibt.
Kollegenzusammenhalt
Der Spitzname, den die Abteilung intern wie auch überregional trug, ließ keinen Interpretationsspielraum darüber, wie das Klima dort wahrgenommen wurde: geprägt von Misstrauen, informeller Überwachung und einem Klima, in dem man sich ständig kontrolliert fühlte. Stattdessen herrscht ein aggressives Gegeneinander: Jeder ist sich selbst der Nächste. Einzelne Grüppchen arbeiten gezielt gegeneinander statt miteinander, Informationen werden zurückgehalten oder taktisch eingesetzt, und man hat permanent das Gefühl, dass Kollegen einen für den eigenen Vorteil ohne zu zögern "verkaufen" würden. In einem Arbeitsumfeld, das eigentlich auf enge Abstimmung und gegenseitiges Vertrauen angewiesen wäre, ist dieses Klima nicht nur unangenehm, sondern schlicht kontraproduktiv.
Umgang mit älteren Kollegen
Wie mit älteren, langjährigen Kollegen umgegangen wird, zeigt sich exemplarisch an einem Fall aus meinem Arbeitsumfeld: Ein älterer Kollege, der aufgrund der Arbeitsbelastung mittlerweile ausschließlich im Frühdienst eingesetzt wird und nie mehr zu Nachtdiensten herangezogen wird, schafft sein reguläres Pensum innerhalb der offiziellen Schichtzeit (06:00–14:00 Uhr) faktisch nicht mehr. Statt hier eine nachhaltige Lösung zu finden – etwa durch Anpassung der Aufgabenverteilung, gezielte Entlastung oder ein altersgerechtes Arbeitszeitmodell – wird die Situation schlicht dadurch "gelöst", dass der Kollege inoffiziell bereits eine Stunde früher, um 5 Uhr, beginnt. Anstatt Verantwortung für eine echte betriebliche Lösung zu übernehmen, wird das strukturelle Problem auf dem Rücken eines einzelnen, ohnehin belasteten Mitarbeiters abgeladen. Das zeigt aus meiner Sicht deutlich, wie wenig Wertschätzung und Fürsorge älteren, erfahrenen Kollegen hier tatsächlich entgegengebracht wird.
Vorgesetztenverhalten
Ein Kapitel für sich. Anstatt Führungsversagen zu adressieren, wird nach oben wegbefördert: Eine Teamleitung, die durch ihr Verhalten für erhebliche Unzufriedenheit im Team gesorgt hat, wurde einfach eine Hierarchieebene höher versetzt – Problem gelöst, indem man es woandershin verlagert. Die Abteilungsleitung wiederum wurde nach Jahren erwiesenen Missmanagements zwar tatsächlich aus der Führungsposition entfernt, aber lediglich in die Technik-Abteilung querversetzt statt konsequent zur Verantwortung gezogen. Für mich zeigt dieses Muster exemplarisch, wie im Unternehmen mit Führungsversagen umgegangen wird: Konsequenzen bleiben aus, Verantwortung wird verschoben statt geklärt, und Mitarbeitende, die unter den Folgen leiden, bleiben mit dem Nachsehen zurück.
Arbeitsbedingungen
Auch die räumlichen und infrastrukturellen Arbeitsbedingungen sind alles andere als angemessen. Die Klimaanlage im Büro im 6. Obergeschoss ist seit Jahren "defekt", sodass der Raum weder im Sommer noch im Winter vernünftig temperiert werden kann – für einen Arbeitsplatz, an dem konzentriertes und fehlerfreies Arbeiten sicherheitsrelevant ist, ein untragbarer Zustand. Hinzu kommt eine völlig unpassende Raumaufteilung: Operatives Personal, das den Flugbetrieb in Echtzeit am Laufen hält und auf ungestörte Konzentration angewiesen ist, sitzt unmittelbar zwischen administrativem Personal, das dort parallel Meetings mit entsprechendem Gesprächslärm abhält und durch den halben Raum quatscht. Man versucht also, hochkonzentrierte, sicherheitskritische Entscheidungen mitten im Trubel fachfremder Besprechungen zu treffen. Diese Kombination aus fehlender klimatischer Grundversorgung und einer Arbeitsplatzgestaltung ohne Rücksicht auf die Anforderungen des operativen Bereichs macht deutlich, wie wenig die tatsächlichen Bedürfnisse der Mitarbeitenden im Tagesgeschäft berücksichtigt werden.
Kommunikation
Eine offene und transparente Kommunikation habe ich während meiner Zeit im Unternehmen nicht erlebt. Obwohl wöchentliche Teammeetings stattfanden, wurden dort häufig Themen behandelt, die bereits seit Tagen bekannt waren oder hinter den Kulissen längst entschieden worden waren. Die Meetings wirkten daher eher informativ als dialogorientiert.
Mein Eindruck war, dass wesentliche Sachverhalte und Entscheidungen überwiegend im kleinen Kreis zwischen Team- bzw. Abteilungsleitung und einzelnen Referenten besprochen wurden, ohne das Team frühzeitig einzubeziehen. Dadurch entstand der Eindruck, dass wichtige Informationen eher "hinter verschlossenen Türen" als im direkten Austausch mit den betroffenen Mitarbeitenden behandelt wurden.
Für Rückfragen, fachliche Diskussionen oder eine offene Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Meinungen blieb aus meiner Sicht nur wenig Raum. Transparenz, frühzeitige Information und eine Kommunikation auf Augenhöhe habe ich daher vermisst.
Gehalt/Benefits
Auch bei der Vergütung bleibt einiges zu wünschen übrig. Das Grundgehalt bewegt sich in der Gruppe G zwischen 4.557,56 € und 5.703,72 €, als Mission Supporter zwischen 4.924,93 € und 6.120,92 € – in Anbetracht der hohen Verantwortung, der psychischen Belastung durch Schichtarbeit und der sicherheitskritischen Tätigkeit ist das aus meiner Sicht nicht angemessen. Die tariflichen Zulagen fallen zudem vergleichsweise gering aus und bieten kaum einen echten Ausgleich für die Belastungen des Schichtdienstes. Besonders ärgerlich: Früher wurde Feiertagsarbeit noch mit einem zusätzlichen Urlaubstag plus 50 % Zulage vergütet. Im Rahmen eines Sparprogramms wurde diese Regelung ersatzlos gestrichen – Feiertagsarbeit wird inzwischen nur noch 1:1 als Freizeit abgegolten, ohne jeglichen finanziellen Ausgleich. Diese Änderung sorgt bei den Kollegen zu Recht für erheblichen Unmut, da sie eine spürbare Verschlechterung darstellt, während die Belastung durch Feiertagsarbeit unverändert hoch bleibt.
Interessante Aufgaben
Die inhaltliche Seite der Arbeit im Dispatch ist tatsächlich der einzige echte Lichtblick: Die Tätigkeit ist fachlich anspruchsvoll, abwechslungsreich und für den reibungslosen und sicheren Ablauf des gesamten Flugbetriebs von zentraler Bedeutung. Umso ärgerlicher ist es, dass die technische Ausstattung dieser Verantwortung in keiner Weise gerecht wird. Die eingesetzte Mission-Support-Software ist veraltet und in ihrer Bedienbarkeit nicht mehr zeitgemäß. Besonders bezeichnend: Für eine Wettersoftware wurden offenbar mehrere Millionen Euro investiert, ohne dass das Tool im täglichen Betrieb tatsächlich praxistauglich ist. Für einen Flugbetrieb dieser Größenordnung und Komplexität ist eine derart unzureichende technische Infrastruktur nicht nachvollziehbar – hier klafft eine deutliche Lücke zwischen dem Anspruch an die Mitarbeitenden und den bereitgestellten Mitteln, um diesem Anspruch gerecht zu werden.