Gut am Arbeitgeber finde ich
-Weiterbildungen
-Kollegenzusammenhalt
-Work-Life-Balance
-flexible Arbeitszeiten
-vielfältiges Aufgabenpaket
-verantwortungsvolle Tätigkeiten
-Essenszulage
-Deutschlandticket als Jobticket
-Jobrad
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
-Vorgesetztenverhalten
-fragwürdige/intransparente Stellenbewertungen
-mangelhafter Digitalisierungsfortschritt
Verbesserungsvorschläge
Der Kreis Bergstraße sollte insbesondere seine Führungskräfte dahingehend sensibilisieren, dass Befindlichkeit nicht über Fachlichkeit gestellt werden sollte und ein respektvoller Umgang mit den Mitarbeitenden unabdingbar für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und Wertschätzung ist.
Dabei gehört zur Fairness allerdings auch, dass Wertschätzung keine Einbahnstraße ist und Vorgesetzten diese vonseiten der Mitarbeitenden ebenfalls immer in angemessenem Maße entgegengebracht werden sollte.
Kritik an Prozessen sollte auf faire Art diskutiert werden dürfen. Hinweise auf Mängel oder einfache Fragen sollten von Vorgesetzten nicht persönlich genommen werden.
Gutes Vorgesetztenverhalten sollte kein Luxus sein, den man sich als Arbeitgeber zusätzlich zu anderen Benefits gönnt. Vielmehr sollte man hierauf den Fokus lenken. Denn negatives Vorgesetztenverhalten ist durch nichts kompensierbar.
Wünschenswert wäre zudem ein transparenterer Umgang bei Stellenbewertungen und - soweit im Verantwortungsbereich des Arbeitgebers liegend - eine schnellere und umfassendere Digitalisierung.
Arbeitsatmosphäre
Grundsätzlich angenehm.
Image
Die Wahrnehmung des Landratsamts insgesamt würde ich als positiv bewerten.
Speziell in meiner Abteilung stieß die Wahrnehmung bei den Bürgerinnen und Bürgern aus meiner Sicht allerdings auf ein extrem geteiltes Echo, wovon aber vieles auch subjektives Empfinden gewesen sein mag, was nicht immer im Verantwortungsbereich des Arbeitgebers oder -nehmers lag.
Man erfährt einerseits sehr viel Dankbarkeit in der täglichen Arbeit. Jedoch führen teils lange Bearbeitungszeiten gerade in Phasen hoher Belastungsspitzen auch zu negativem Image bei Menschen, die auf Hilfe durch das Amt angewiesen sind. Nach meinem Empfinden lässt sich dies auf die Personalbemessung zurückführen (siehe Arbeitsbedingungen).
Work-Life-Balance
Die Arbeitszeiten lassen eine sehr gute Work-Life-Balance zu. Es gibt einen Gleitzeitrahmen von werktäglich 06:45 Uhr bis 19:00 Uhr (in Sommermonaten ab 06:00 Uhr). Bis zu 50 Prozent der Wochenarbeitszeit dürfen im Homeoffice verrichtet werden, wobei in den einzelnen Abteilungen näheres geregelt wird.
Karriere/Weiterbildung
Der Kreis Bergstraße zeichnet sich durch sein gutes Weiterbildungsangebot aus. Es werden verschiedene Ausbildungsberufe und auch duale Studiengänge angeboten. Vor allem in den Bachelor-Studiengängen ist das Angebot vielfältig. Wer ein Studium im öffentlichen Dienst mit hohem Praxisanteil anstrebt, ist hier gut aufgehoben. Zudem werden auch berufsbegleitende Masterstudiengänge angeboten. Dieser wurde in meinem Fall sogar hälftig durch den Kreis Bergstraße mitfinanziert, was im öffentlichen Dienst keinesfalls selbstverständlich ist.
Die Unterstützung durch das Personalmanagement war bei meinen Weiterbildungen ausnahmslos sehr positiv.
Allerdings hatte ich den Eindruck, dass die langfristige Bindung der durch den Arbeitgeber selbst ausgebildeten Mitarbeitenden häufig nicht funktioniert.
Auch regelmäßige fachliche Fortbildungen sorgen für eine solide, fortlaufende Weiterentwicklung aller Mitarbeitenden.
Gehalt/Benefits
Seit längerer Zeit werden keine Verbeamtungen bei Neuzugängen mehr durchführt, was nicht negativ ist. Die Bezahlung erfolgt nach TVöD und ist grds. gut.
Negativ war, dass die mir zugeteilten Stellen betreffend die Eingruppierung aus meiner Sicht keinem zeitgemäßen Standard mehr entsprachen. Betreffend die Aufgaben in meiner Abteilung haben sich im Laufe der Jahre sowohl Quantität als auch Qualität spürbar erhöht, was den Stellenbewertungen nicht mehr Genüge tut.
Identische Stellen bei anderen Landratsämtern werden teils höher bewertet.
Mein Antrag auf Höherbewertung meiner Stelle wurde ohne nennenswerte Begründung abgelehnt. Ich hatte den Eindruck, dass von Arbeitgeberseite keine besonders tiefgreifende Prüfung der Sachlage erfolgte.
Es gibt ein Leistungsentgelt zusätzlich zum Grundgehalt. Der Kreis Bergstraße zahlt dieses jedoch per Gießkannenprinzip an alle Mitarbeitenden gleichermaßen aus. Zielvereinbarungen fehlen. Sehr engagierte Kollegen erhalten somit genau so viel, wie Mitarbeitende mit spürbar weniger Arbeitsleistung. Ich empfand dieses System als unfair und wenig motivationsfördernd.
Zum Zeitpunkt meines Ausscheidens gab es Bestrebungen zur Änderung dieses Konzepts.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Würde ich insgesamt als positiv bewerten. Es könnte bei voranschreitender Digitalisierung mit Hinblick auf den Papierverbrauch aber sicher noch besser sein.
Kollegenzusammenhalt
In meinem Team war der Kollegenzusammenhalt ausgesprochen gut. Man hilft sich gegenseitig immer und tauscht Erfahrungen in Einzelfällen aus. Wir haben uns im Team immer gut verstanden.
Selbst in Phasen hoher Arbeitsbelastung findet man immer ein offenes Ohr im Team.
Aufgefallen ist mir jedoch, dass es häufig Silodenken zwischen Teams, bzw. Fachbereichen gibt, was ich sehr bedauert habe. Wissen wird nach meinen Beobachtungen oft für sich behalten, es kommt häufig nicht zu eigentlich notwendigen Absprachen.
Nicht selten wurden dabei die Gesamtziele aus den Augen verloren. Das habe ich nicht nur als unerfreulich empfunden, sondern es wird auch von den Bürger/innen außerhalb des Amtes wahrgenommen und wirft nach meiner Einschätzung kein gutes Licht auf den Arbeitgeber.
Ein Grund mag sein, dass auch abteilungsintern der Datenschutz sehr stark ist. Andererseits gab es meines Erachtens in meiner Abteilung zu wenige wirkliche Mitarbeiterevents oder andere Maßnahmen, mit denen man diese Silodenkweise hätte aufbrechen können.
Insgesamt war der Kollegenzusammenhalt dennoch positiv.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kolleg/innen wurden nach meiner persönlichen Erfahrung genauso wie jüngere Kolleg/innen behandelt und aufgrund ihres Erfahrungsschatzes auch fachlich sehr geschätzt.
Vorgesetztenverhalten
Es gibt Vorgesetzte, die sich sehr engagieren und hinter ihren Mitarbeitern stehen. Zuletzt erlebte ich jedoch infolge personeller und organisatorischer Veränderungen auf Führungsebenen eine m.E. extrem negative Entwicklung in meiner Abteilung, die mir eine Weiterempfehlung des Kreises Bergstraße als Arbeitgeber verunmöglicht.
Versucht man, auf (kleinere) Missstände sachlich hinzuweisen, muss man mit unverhältnismäßig harten Reaktionen von Vorgesetzten rechnen. Hinterfragte ich Prozesse oder Vorgehensweisen, begegneten mir mitunter Wutausbrüche von Vorgesetzten, Angriffe auf persönlicher Ebene und sogar Drohungen. Dabei wurden auch Tatsachen verdreht und Schuldumkehr betrieben.
In einem Fall ging es so weit, dass ich mir prophylaktisch rechtliche Beratung einholen musste. Nur weil ich den Personalrat involvierte, konnte die Situation entschärft werden. Ich hatte den Eindruck, dass ich zu den Wenigen gehörte, die sich gegen derartiges Vorgesetztenverhalten gewehrt haben.
Selbstreflexion habe ich bei den betreffenden Vorgesetzten nach meiner Erfahrung kaum wahrgenommen.
Wer Prozesse verbessern möchte oder Wert auf Compliance legt, sollte m.E. von einer Bewerbung Abstand nehmen.
Arbeitsbedingungen
Gerade vom technischen Standpunkt und im Bereich der Digitalisierung gibt es einigen Aufholbedarf. Der Digitalisierungsprozess befindet sich - je nach Abteilung - in sehr unterschiedlichen Stadien der Entwicklung. In meiner Abteilung wurde mit Papierakten gearbeitet, wobei eine Digitalisierung aus meiner Sicht noch in mittel- bis langfristiger Zukunft liegt.
Dies hemmt nicht nur Arbeitsprozesse, sondern stellt sich auch im Arbeitsalltag als umständlich dar, wenn man bspw. Akten zur Bearbeitung in das Homeoffice bringen muss. Hinzu kommt teils veraltete Software und häufige IT-Probleme, die den Arbeitsrhythmus stören können.
Gerade bei jungen - mit digitalen Tools aufgewachsenen - Arbeitnehmern kann das m.E. auf Dauer für Frustration sorgen.
Die Personalbemessung in unserer Abteilung war knapp, was zu durchgehend angespannten Arbeitsbedingungen führte. Mehr als eine Woche Urlaub am Stück konnte ich mir teils kaum erlauben, da dies zu schwer aufholbaren Bearbeitungsrückständen führte.
Überdies kann es vor allem im Sommer in einigen Büros auf der Südseite zu hohen Temperaturen kommen, die das Arbeiten erschweren. Trinkwasser wird an heißen Tagen aber zur Verfügung gestellt.
Kommunikation
Mit der Kommunikation habe ich sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Größtenteils läuft es wertschätzend ab, wobei es vereinzelt in meiner Abteilung auch zu auf persönlicher Ebene angesiedelten Diskussionen kam, insbesondere mit Vorgesetzten (siehe Vorgesetztenverhalten).
Es hängt sehr häufig von der jeweiligen Person ab und kann daher nicht pauschal bewertet werden.
Die Kommunikation mit dem Personalmanagement und anderen zentralen Diensten war jedoch - nach meiner persönlichen Erfahrung - immer sehr gut.
Gleichberechtigung
Habe ich subjektiv als sehr gut empfunden.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben in meiner Abteilung waren außerordentlich interessant, spannend und vor allem auch vielfältig. Ich hatte viel Verantwortung in Einzelfällen, die alle sehr unterschiedlich gelagert waren. Die Arbeit an sich machte alles in Allem sehr viel Spaß.