Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Was ich besonders kritisch finde, ist der starke Fokus auf Abverkauf, Umsatz und Kennzahlen. Dieser Druck kommt aus meiner Wahrnehmung auch von der Head of Retail und der Area Managerin Nord und wird teilweise bis auf die Fläche weitergegeben.
Ein konkretes Beispiel war eine Kundin, die sich nach ihrem Einkauf über die sehr aufdringliche Beratung der Area Managerin Nord beschwerte und sagte, dass sie sich teilweise zum Kauf von Produkten gedrängt gefühlt habe. Gleichzeitig wurde an der Kasse vor der Kundin eine Mitarbeiterin deutlich darauf hingewiesen, dass die Kundin ihre Registrierung per E-Mail bestätigen müsse, damit sie die 10 % Rabatt erhält. Obwohl die Kundin bereits einen größeren Einkauf getätigt hatte, wurde keine Ausnahme gemacht.
Besonders negativ ist mir eine Aussage der Head of Retail der L’occitane Group, vor dem Weihnachtsgeschäft in Erinnerung geblieben. Sinngemäß wurde vermittelt, dass die Menschen zu Weihnachten Geld hätten und man diese Gelegenheit nutzen müsse, um ihnen möglichst viele Produkte zu verkaufen, auch wenn es sich hart anhöre, müsse man den Kunden das Geld „aus der Tasche ziehen“. Uns wurde dabei auch vermittelt, dass wir nicht selbst entscheiden sollten, wann ein Kunde bereits genug gekauft hat oder ob ein weiterer Kauf für ihn zu teuer ist, da es schließlich nicht unser eigenes Geld sei. Diese Einstellung empfand ich als sehr herzlos und nicht als die Art von Kundenberatung, mit der ich mich identifizieren möchte.
Verbesserungsvorschläge
Mehr Wert auf eine faire und transparente Vergütung sowie echte Entwicklungsmöglichkeiten für langjährige Mitarbeitende legen. Die Personalplanung sollte verbessert werden, damit Mitarbeitende nicht regelmäßig allein im Store stehen und ihre Pausen bzw. grundlegende Bedürfnisse nicht zu kurz kommen. Auch bei Krankheitsausfällen und Umsatzzielen sollte mehr Rücksicht auf die tatsächliche Personalsituation genommen werden.
Zudem würde ich mir mehr Wertschätzung für Mitarbeitende wünschen, insbesondere nach besonders belastenden Phasen. Die Kommunikation durch Führungskräfte sollte einheitlicher und fairer erfolgen, ohne dass einzelne Mitarbeitende bevorzugt behandelt werden. Auch die Nachhaltigkeitsmaßnahmen und Produktveränderungen sollten aus meiner Sicht transparenter und nachvollziehbarer kommuniziert werden.
Arbeitsatmosphäre
locker aber die Zahlendruck zerstört die Atmosphäre durch gedtresste vorgesetze/Manager, welches sich auf die MA auswirkt
Image
Das Image der Marke empfinde ich als zwiegespalten. L’Occitane steht nach außen stark für Nachhaltigkeit, natürliche und pflanzliche Inhaltsstoffe sowie die Verbindung zur Natur. Gleichzeitig finde ich es widersprüchlich, dass Verpackungen und das äußere Erscheinungsbild der Produkte teilweise mehrfach verändert werden und gleichzeitig immer wieder neue Produkte bzw. Produktvarianten auf den Markt kommen.
Auch beim Thema Recycling habe ich im Store selbst erlebt, dass Kunden leere Glas- und Kunststoffverpackungen verschiedener Marken gegen 10 % Rabatt abgeben konnten, diese anschließend jedoch bei uns gesammelt und letztendlich über die Gelbe Tonne entsorgt wurden. Dadurch war für mich nicht nachvollziehbar, welchen tatsächlichen nachhaltigen Mehrwert diese Aktion hatte.
Hinxi kommen häufige Produktveränderungen und Preiserhöhungrn, die gerade von langjährigen Kunden kritisch wahrgenommen werden. Gleichzeitig versucht sich die Marke durch das Rebranding stärker an eine jüngere, Social-Media-affine Zielgruppe zu richten. Dadurch entsteht für mich ein gewisser Widerspruch zwischen dem nachhaltigen, naturverbundenen Image und der tatsächlichen Entwicklung der Marke.
Work-Life-Balance
sehr schlecht:
Die Work-Life-Balance sehe ich eher kritisch. Durch die saisonalen Anforderungen im Einzelhandel ist die Urlaubsplanung teilweise stark eingeschränkt. Gerade in besonders wichtigen Verkaufszeiträumen, beispielsweise rund um Ostern, im Sommer sowie teilweise über Weihnachten und Silvester, ist es schwierig, Urlaub flexibel zu planen. Wenn mehrere Mitarbeitende gleichzeitig Urlaub nehmen möchten, entstehen entsprechend schnell Konflikte.
Zusätzlich gibt es verschiedene Events, bei denen Mitarbeitende aus den Boutiquen teilnehmen sollen. Teilweise wird beispielsweise vorgegeben, dass pro Filiale eine bestimmte Anzahl an Mitarbeitenden anwesend sein muss. Private Verpflichtungen werden dabei nicht immer ausreichend berücksichtigt, sodass solche Termine die persönliche Freizeitplanung zusätzlich erschweren können. Alles sachen die nicht in Jobbeschreibungen stehen!
Insgesamt hätte ich mir daher mehr Flexibilität gewünscht
Karriere/Weiterbildung
webinare und Möglichkeit Produktwissen weiterzugeben von MA zu MA mit vergütung
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist für eine junge Person, die die Tätigkeit als Nebenjob ausübt, grundsätzlich in Ordnung. Für jemanden, der davon dauerhaft einen eigenen Haushalt oder beispielsweise eine Familie finanzieren muss, stelle ich mir die Vergütung jedoch eher schwierig vor. Für meine persönlichen langfristigen beruflichen Ziele wäre die Tätigkeit daher nicht als dauerhafte Perspektive geeignet.
Bei den Benefits gibt es hingegen einige positive Punkte. Man erhält regelmäßig Produkte, wodurch sich über die Zeit einiges ansammelt, und auch die Möglichkeit, auf Kosten des Unternehmens Sportangebote zu nutzen, finde ich positiv. Allerdings bleibt durch die Arbeitsbelastung und den damit verbundenen Stress teilweise wenig Zeit, diese Benefits tatsächlich in Anspruch zu nehmen.
Kollegenzusammenhalt
kommt auf die Person an. Eher freundliche Kollegen
Umgang mit älteren Kollegen
Grundsätzlich habe ich nicht den Eindruck, dass es eine Altersdiskriminierung gibt. Allerdings haben ältere bzw. langjährige Mitarbeitende aus meiner Sicht nicht automatisch mehr Vorteile als neuere Mitarbeitende, weder beim Gehalt noch bei der Wertschätzung. Auch eine lange Betriebszugehörigkeit führt nicht unbedingt zu einer Weiterentwicklung innerhalb des Unternehmens. Selbst bei einem Jubiläum bleibt man häufig in derselben Position, während sich das Unternehmen weiterentwickelt und verändert. Die Anerkennung fällt dabei teilweise auf eine kurze Dankes-E-Mail zum Jubiläum hinaus. Dadurch entsteht für mich der Eindruck, dass langjährige Mitarbeit und gewonnene Erfahrung nicht entsprechend wertgeschätzt oder für eine Weiterentwicklung genutzt werden.
Vorgesetztenverhalten
Ich habe das Vorgesetztenverhalten insbesondere durch die Area Managerin Nord als sehr zahlen- und leistungsorientiert erlebt. Verkaufszahlen, Monatsziele und Action-Pläne standen stark im Vordergrund, während Wertschätzung und die tatsächliche Belastung der Mitarbeitenden aus meiner Sicht zu kurz kamen.
Mehrere ehemalige Kolleginnen und Kollegen berichteten mir persönlich, dass sie sich durch den Führungsstil nicht wertgeschätzt fühlten. Gleichzeitig habe ich eine hohe Fluktuation erlebt. Auch bei personellen Engpässen blieb der Verkaufsdruck bestehen; teilweise mussten Mitarbeitende allein im Store arbeiten und konnten dadurch ihre Pausen kaum oder nicht nehmen.
Neben Verkauf, Beratung und Service fallen zahlreiche zusätzliche Aufgaben. Zusätzlich haben Kunden immer recht auch wenn sie MA gegenüber respektlos sind. Dann veranlassen Vorgesetzte wie Area managerin Nord oben drauf Gutscheine für Kunden die sich respektlos verhalten.
Auch die Kommunikation und Organisation von führenden Positionen fand ich häufig als unzureichend. Informationen zu Preisänderungen, Aktionen oder Kampagnen kamen teilweise verspätet oder unvollständig, sodass die Mitarbeitenden vieles selbst machen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen waren teilweise schwierig, insbesondere durch die häufige Alleinbesetzung im Store. Gerade bei vielen Krankheitsausfällen musste ich teilweise ganze Schichten allein arbeiten und gleichzeitig die Umsatzziele erreichen. Dadurch war es teilweise nicht möglich, regulär Pause zu machen oder kurz für einen Toilettengang den Store zu verlassen, da jederzeit Kunden kommen konnten.
Auch die Temperaturen in den Boutiquen waren teilweise problematisch, da es weder eine richtige Heizung noch eine Klimaanlage gibt. Im Sommer steht man teilweise mit einem kleinen Ventilator im Laden, der kaum für Abkühlung sorgt, während man im Winter in vorgegebenen Arbeitskleidung friert, die nicht für die kalten Temperaturen ausgelegt ist. Man friert im Winter und schwitzt im Sommer.
Zusätzlich steht man teilweise unter kontinuierlichem Stress und Leistungsdruck. Auch wenn die Tätigkeit nur als Nebenjob ausgeübt wird, nimmt man diesen Druck mit nach Hause. Nicht erreichte Umsatzziele werden per E-Mail, Telefon oder im direkten Austausch immer wieder thematisiert. Besonders ist war, dass nach schwierigen Phasen und zusätzlichem Einsatz kein Danke kommt
Kommunikation
transparent aber auch passiv aggressiv
Gleichberechtigung
Intern ist deutlich wahrnehmbar, dass Mitarbeitende mit teilweise mehr Erfahrung und längerer Betriebszugehörigkeit nicht zwangsläufig besser vergütet werden als neuere Mitarbeitende. Teilweise scheint der erzielte Umsatz einen größeren Einfluss auf die Vergütung zu haben, wodurch erfahrene Mitarbeitende trotz ihrer zusätzlichen Erfahrung finanziell schlechter gestellt sein können.
Auch im Umgang durch die Area Managerin entsteht aus meiner Sicht ein deutlicher Eindruck von Favoritismus. Eine von ihr ins Unternehmen geholte Mitarbeiterin, die anschließend eine Managerposition in einer Boutique übernommen hat, wird in Meetings besonders positiv hervorgehoben. Gleichzeitig werden Fehler dieser Mitarbeiterin teilweise deutlich weniger kritisch behandelt, während vergleichbare Fehler anderer Mitarbeitender wesentlich stärker thematisiert und kritisiert werden. Diese unterschiedliche Behandlung ist im Arbeitsalltag deutlich spürbar.
Interessante Aufgaben
Interessante Aufgaben gibt es aus meiner Sicht kaum. Die „Produktivität“ wird bei L’Occitane im Wesentlichen über den persönlichen Umsatz gemessen. Wer weniger Umsatz macht, gilt entsprechend als weniger produktiv – unabhängig davon, wie viele andere Aufgaben an diesem Tag erledigt wurden. Neben Verkauf und Kundenberatung gehören zahlreiche weitere Tätigkeiten dazu: Warenannahme und Lieferungen, Kassenöffnung und -abschluss, Kassenabrechnungen, Bankeinzahlungen, Reinigung des Stores, Müllentsorgung, Umbauten, Visual Merchandising, Preisanpassungen, Warenumbuchungen, Eventvorbereitungen, Fotodokumentationen sowie Webinare und Schulungen. Auch die Beratung mit Analyse- und Facecare-Geräten erfordert Zeit und Fachwissen.
Durch die häufigen Änderungen von Sortiment, Produktaufmachung, Preisen und Visual Merchandising entsteht zusätzlich viel Aufwand. Bei fehlenden oder fehlerhaften Materialien muss vor Ort improvisiert werden. Es zählt am Ende vor allem: Wie viel Umsatz wurde persönlich gemacht?
Dadurch entsteht aus meiner Sicht ein erheblicher Druck und das Gefühl, dass viele tatsächlich geleistete Aufgaben und Verantwortlichkeiten nicht als Leistung wahrgenommen werden.