Zu viele Häuptlinge
Arbeitsatmosphäre
Ganz ehrlich und krass gesagt:
Warum beschäftigt unsere Abteilung Pick und Pack zwölf Führungskräfte, wenn aus meiner Sicht nicht einmal die Hälfte ihren Aufgaben gerecht wird?
Sechs Schichtführer und sechs Teamkoordinatoren – aber was bringt diese enorme Führungsstruktur den Mitarbeitern tatsächlich? Früher reichten Gruppenleiter und Teamkoordinatoren aus. Heute gibt es zusätzlich Schichtführer. Insgesamt haben also zwölf Personen + 2 Gruppenleiter etwas zu sagen, doch eine entsprechend bessere Führung ist für mich nicht erkennbar. Eher im Gegenteil: Es entsteht zunehmend der Eindruck von mehr Chaos statt einer besseren Organisation.
Kollegenzusammenhalt
Positiv hervorheben möchte ich zwei bis drei Teamkoordinatoren, die auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern sprechen und von allen geschätzt und respektiert werden. Sie hören zu, bleiben respektvoll und begegnen den Kollegen nicht von oben herab. Genau so sollte Führung aussehen: präsent, menschlich, fair und klar. Gute Zusammenarbeit entsteht durch Vertrauen, Kommunikation und gegenseitigen Respekt.
So sollte es sein.
Umgang mit älteren Kollegen
Es wird Zeit, dass nicht mehr nur auf die Anzahl der Führungskräfte geschaut wird, sondern darauf, was sie tatsächlich leisten. Lieber weniger Führungskräfte, die ihre Aufgaben ernst nehmen, Verantwortung übernehmen und das Team unterstützen, als zwölf Positionen ohne erkennbaren Mehrwert.
Bevor es die Schichtleiter gab, haben die TK deren Job gemacht. Da haben 2-3 TK pro Schicht gereicht. Und ich finde sie haben es super gemacht.
Vorgesetztenverhalten
Auch das Kontrollverhalten gegenüber den Mitarbeitern hat aus meiner Sicht ein völlig übertriebenes Maß erreicht.
Es wird genau beobachtet, wer mit wem spricht, sein Handy kurz benutzt oder sich kurz nicht mit der Arbeit beschäftigt. Teilweise wird dieses Verhalten sogar schriftlich festgehalten. Besonders unmöglich finde ich die Doppelmoral, und auch das die neuen Schichtführer gemeinsam mit einem Teamkoordinator gezielt durch die Gänge gehen, um vermeintliches Fehlverhalten aufzudecken.
Das empfinde ich nicht als Führung, sondern als reine Bespitzelungen.
Natürlich ist es nicht in Ordnung, 20 oder 25 Minuten herumzustehen und andere von der Arbeit abzuhalten. Aber ein kurzes Gespräch von ein oder zwei Minuten ist etwas völlig anderes.
Gerade bei monotonen Tätigkeiten wie Kommissionieren und Zählen sollte ein normaler menschlicher Austausch möglich sein.
Wir sind Mitarbeiter und keine Maschinen, die ohne Unterbrechung funktionieren müssen.
Übertriebene Kontrollen schaffen kein besseres Arbeitsklima, sondern führen zu Druck, Frustration und Unzufriedenheit. Wer seinen Mitarbeitern ständig misstraut, darf sich nicht wundern, wenn Motivation und Vertrauen verloren gehen.
Arbeitsbedingungen
Ein weiteres Problem ist die Erreichbarkeit der Teamkoordinatoren. Telefonisch sind sie zwar erreichbar, aber am Pult ist selten jemand anzutreffen. Wenn man einen TK benötigt, muss man häufig auf einen TKS ausweichen. Wie sollen Mitarbeiter Unterstützung bekommen, wenn die zuständigen Ansprechpartner häufig nicht dort sind, wo sie gebraucht werden? Auch hier stellt sich die Frage, ob die Aufgaben und die Präsenz auf der Fläche tatsächlich so wahrgenommen werden, wie es von einer Führungskraft erwartet werden sollte.
Warum müssen sechs Personen am Pult stehen? Warum können die Schichtführer und die TK nicht mit Packen oder Kommissionieren?
Ein guter Schichtführer wird nicht allein durch seine Position zu einer guten Führungskraft, sondern dadurch, wie er mit seinen Mitarbeitern umgeht.
Wer versucht, sich mit Druck, der Hauruck-Methode oder ständiger Bespitzelungen Respekt zu verschaffen, wird damit langfristig keinen Erfolg haben.
Respekt und Anerkennung muss man sich durch Kompetenz, Fairness, Vertrauen und ein respektvolles Miteinander verdienen. Wer seine Mitarbeiter ständig kontrolliert, statt sie zu unterstützen, wird kaum ein Team hinter sich haben, das ihm wirklich vertraut
Kommunikation
Die Geschäftsleitung sollte sich ernsthaft fragen, ob sechs Schichtführer + 6 Teamkoordinatoren in unserer Halle wirklich notwendig sind. Andere Hallen kommen mit deutlich weniger aus. Warum also nicht auch bei uns?
Wären zwei oder drei engagierte Schichtführer, die ihre Aufgaben tatsächlich erfüllen, nicht sinnvoller als sechs Stellen, deren Nutzen für das Team fragwürdig ist?
Dabei geht es auch um die Wirtschaftlichkeit.
Von sechs Schichtführern kann man aus meiner Sicht vier vergessen. Das ist eine deutliche Aussage, aber genau das ist mein Eindruck von der aktuellen Führungssituation. Eine Führungskraft reißt sämtliche Aufgaben an sich und läuft Gefahr, sich damit völlig zu überlasten und im schlimmsten Fall in einem Burnout zu landen. Eine andere scheint keinen wirklichen Plan zu haben, zwei weitere verbringen gefühlt mehr Zeit mit ihren Handys im Büro, als auf der Fläche präsent zu sein und ihre Aufgaben wahrzunehmen.
Am Ende bleiben gerade einmal zwei Schichtführer übrig, die sich wirklich Mühe geben, Verantwortung übernehmen und für die Mitarbeiter auf der Fläche präsent sind.
Gleichberechtigung
Auch die Urlaubsplanung sollte dringend überdacht werden. Früher waren dafür die Gruppenleiter zuständig, und meiner Meinung nach sollte das auch so bleiben. Mittlerweile wird teilweise schon wegen ein oder zwei Urlaubstagen unnötig diskutiert. Natürlich müssen betriebliche Abläufe berücksichtigt werden, aber auch Mitarbeiter haben private Verpflichtungen und wichtige Termine, die sich nicht einfach verschieben lassen.
Es kann nicht sein, dass selbst wenige Urlaubstage zum Problem werden. Eine faire und unkomplizierte Urlaubsplanung sollte selbstverständlich sein, statt den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, sich für jeden einzelnen Urlaubstag rechtfertigen zu müssen.

