Gut am Arbeitgeber finde ich
Ein gut aufgestelltes Unternehmen mit klarem Fokus: Allein mit Malerwerkzeugen einen so hohen Umsatz zu erzielen und europäischer Marktführer zu sein, ist beeindruckend.
Für die Zukunftsfähigkeit ist wichtig, dass der Großteil der Anteile in einer Stiftung liegt. Das sichert die Unabhängigkeit und langfristige Fortführung des Unternehmens.
Das Unternehmen treibt Veränderungen aktiv voran und arbeitet an den Ergebnissen der regelmäßigen Mitarbeiterbefragungen. Positiv ist auch die Möglichkeit, für ein paar Tage an anderen Standorten mitzuarbeiten, das fördert das gegenseitige Verständnis.
Die Hierarchien werden in manchen Abteilungen flacher und man traut sich, Meinungen und Empfehlungen offen einzubringen, auch gegenüber der Geschäftsführung. Für einen Mittelständler dieser Größe ist das bemerkenswert modern. Am Standort Wuppertal gibt es zudem einen Betriebsrat.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Kommunikation, vor allem bei den Hintergründen von Entscheidungen und bei Umstrukturierungen, sowie die fehlenden Entwicklungsperspektiven für ältere und langjährige Kolleginnen und Kollegen. Außerdem werden die internationalen Standorte und Kollegen zu wenig einbezogen, viele Entscheidungen fallen aus Wuppertaler Sicht.
Verbesserungsvorschläge
Den eingeschlagenen Wandel konsequent weiterführen, dabei aber drei Dinge stärker berücksichtigen:
Mehr auf die eigenen Talente setzen, bei Besetzungen wie beim Gehalt. Gerade im oberen Management gab es in den letzten Jahren zu viele externe Besetzungen, die mehr Unruhe als die erhofften Impulse gebracht haben, während interne Kandidaten für denselben Schritt oft länger brauchen. Wer mehr Verantwortung übernimmt, sollte das auch im Gehalt spüren. Sonst gehen gute Leute, und die Nachbesetzung kostet am Ende mehr Geld und Zeit.
Mehr Mut zum Ausprobieren: Projekte und neue Produkte brauchen oft zu lange bis zur Umsetzung. Eine offenere Fehlerkultur und mehr Entscheidungsspielraum für die Fachleute würden helfen.
Offener für alternative Software sein: Ein etablierter Anbieter hat klar Vorrang. Wenn er eine Funktion noch nicht bietet, wird eher gewartet, als eine Alternative einzuführen. So bleiben schnelle Verbesserungen liegen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre empfinde ich als offen und kollegial: Die Kolleginnen und Kollegen sind hilfsbereit und freundlich, und auch bei der Geschäftsführung steht die Tür offen. Das unternehmensweite Du hat dazu beigetragen und wird inzwischen ganz selbstverständlich gelebt. Luft nach oben gibt es bei der Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen: Durch die vielen Umstellungen der letzten Zeit sind Zuständigkeiten nicht immer klar geregelt, sodass sich Probleme an den Schnittstellen teilweise länger hinziehen.
Image
Bei Kunden ist das Image besser, als es intern manchmal wahrgenommen wird. Als europäischer Marktführer dürfte das Unternehmen nach außen ruhig selbstbewusster auftreten. In der Region ist es dagegen weniger bekannt, als es sein könnte. Hier ließe es sich besser positionieren, etwa durch mehr Präsenz und Berichterstattung vor Ort. Ein guter Ansatz war, dass alle Mitarbeitenden Kleidung mit Firmenlogo bekommen haben. Das könnte man wieder stärker fördern, damit sie häufiger und mit Stolz getragen wird.
Work-Life-Balance
Die Arbeitszeiten sind flexibel gestaltbar und es gibt verschiedene Arbeitszeitmodelle zur Auswahl. Mobiles Arbeiten ist möglich, der Umfang hängt allerdings stark von der Abteilung ab. In meinem Team gibt es einen festen Präsenztag pro Woche, die übrigen Tage sind frei wählbar. Gerade im Familienalltag hilft mir diese Flexibilität enorm, und sie sollte unbedingt erhalten bleiben. Ehrlicherweise braucht es aber auch Eigendisziplin: Bei der Vielzahl an Themen und Projekten ist die Arbeitslast teilweise hoch und man muss aktiv Grenzen setzen.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt eine E-Learning-Plattform mit soliden Inhalten, dazu je nach Themengebiet Tagesschulungen im Haus. Eigene Vorschläge für externe Weiterbildungen sind möglich und werden in der Regel unterstützt. Über das Talent-Management haben sich viele Kolleginnen und Kollegen in neue oder höhere Positionen entwickelt. Ausbaufähig sind die Fachkarrieren: Nicht jeder will/muss/sollte führen und Spezialistenrollen sollten mit eigenen, klar aufgezeigten Entwicklungswegen stärker gefördert werden.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist marktüblich und kommt immer pünktlich. Je nach Vertrag gibt es Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie einen Bonus. Dazu kommen gute Benefits wie Fahrradleasing, Corporate Benefits und Urban Sports Club. Was fehlt, ist Transparenz: Die Gehaltsentwicklung hängt stark vom eigenen Verhandlungsgeschick ab, ist kein Part vom Jahresgespräch und hält nicht immer mit zusätzlicher Verantwortung Schritt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Unternehmen tut beim Klimaschutz deutlich mehr, als intern wie extern kommuniziert wird. Hier liegt ungenutztes Potenzial. In den letzten Jahren wurden an vielen Standorten neue PV-Anlagen installiert und effizientere Maschinen angeschafft. Außerdem wurde eine Klimabilanz erstellt, und das Unternehmen hat sich zu wissenschaftsbasierten Klimazielen verpflichtet. Das machen in der Branche nicht viele!
Am Standort Wuppertal gibt es 14 Ladepunkte, an denen man auch das private Auto zum günstigen Selbstkostenpreis laden kann. In der Lieferkette wird bei Risikoländern auf anerkannte Sozialstandards geachtet. Nachholbedarf sehe ich bei den Produkten selbst, vor allem bei der Weiterentwicklung hin zu nachhaltigeren Materialien. Ein früherer Ansatz war nicht so erfolgreich wie erhofft. Statt das Thema abzuhaken, würde ich mir wünschen, an den Kritikpunkten weiterzuarbeiten und selbst neue Standards zu setzen, bevor es der Wettbewerb tut.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt in meinem direkten Team ist hervorragend. Er beruht auf Vertrauen und Offenheit, auch in stressigen Phasen und Umbruchzeiten unterstützt man sich gegenseitig. Neue Ideen und Verbesserungsvorschläge werden offen aufgenommen und gemeinsam umgesetzt. Schön ist auch, dass es in den letzten Jahren mehr gemeinsame Teamevents gab.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Altersmix ist gut und bereichernd, viele Kolleginnen und Kollegen sind schon sehr lange im Unternehmen. Für sie würde ich mir mehr Wertschätzung wünschen, vor allem in Form von echten Entwicklungsperspektiven: Für ältere und langjährige Mitarbeitende gibt es kaum noch eine Weiterentwicklung in andere oder höhere Positionen. Dabei wird viel Potenzial verschenkt. Ihre Erfahrung wird bisher nur individuell weitergegeben, ein strukturierter Wissenstransfer würde hier viel bringen. Auch die langjährige Loyalität sollte stärker anerkannt werden.
Vorgesetztenverhalten
Meine aktuelle Führungskraft führt sehr modern, mit Freiraum, Vertrauen und konstruktivem Feedback. Themen können offen angesprochen werden, auch kritische. Positiv ist außerdem, dass Führungskräfte regelmäßig von ihren Mitarbeitenden bewertet werden und an den Ergebnissen auch gearbeitet wird. Zwischen den Abteilungen gibt es allerdings deutliche Unterschiede im Führungsstil: Nicht überall wird so viel Vertrauen und Eigenverantwortung gelebt. Das hat sich in den letzten Jahren verbessert, ist aber noch nicht überall angekommen. Verbesserungsbedarf sehe ich zudem darin, dass Führungskräfte stark ins Tagesgeschäft eingebunden sind und dadurch zu wenig Zeit für ihre eigentlichen Führungsaufgaben bleibt. Dazu gehört auch, Mehrarbeit im Team im Blick zu behalten und rechtzeitig gegenzusteuern, gerade wenn Mitarbeitende das selbst nicht schaffen.
Arbeitsbedingungen
Am Standort Wuppertal sind die Büros sehr modern und gut ausgestattet, sowohl bei der Hardware als auch bei der Software. Auch fürs Homeoffice wird alles Nötige gestellt: Laptop, Monitor, Headset, Maus, Tastatur und Firmenhandy. Die Arbeitsplätze werden über ein Desk-Sharing-System vorab gebucht, das für mich sehr gut funktioniert. Für längere Online-Meetings oder vertrauliche Gespräche gibt es Rückzugsräume. Kaffee, Tee und ein Obstkorb sind kostenlos und im Workcafe gibt es seit letztem Jahr eine Bowl-Bar. Für Fahrräder gibt es einen eigenen Fahrradkeller, in dem auch E-Bikes geladen werden können. Einziger kleiner Wermutstropfen: Die Parkplätze sind wegen der Lage im Wohngebiet begrenzt.
Kommunikation
In den letzten Jahren ist die Kommunikation deutlich transparenter geworden, trotzdem gibt es weiterhin Luft nach oben, vor allem bei den Hintergründen von Entscheidungen, Personalveränderungen, etc. Das ist dem Unternehmen auch bewusst. Gerade bei Umstrukturierungen sollten die betroffenen Abteilungen von Anfang an eingebunden und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Hinzu gibt es zu viele und parallele Kommunikationskanäle; eine Bündelung wäre hier sinnvoll. Sehr gut finde ich das neue Mittagsformat am Standort Wuppertal: Die Geschäftsführung informiert meist einmal im Quartal über Ergebnisse und aktuelle Themen, und Fragen können vorab oder direkt vor Ort gestellt werden. Wünschenswert wäre ein vergleichbares Angebot für die internationalen Standorte.
Gleichberechtigung
Das Thema Gleichberechtigung wird aktiv angegangen und aus meiner Sicht verbessert sich die Situation. Besonders hervorzuheben ist eine Initiative speziell für Frauen, die eine Kollegin aus eigenem Antrieb ins Leben gerufen hat. Das Unternehmen hat ihr Raum und Zeit gegeben, sie über mehrere Runden durchzuführen. Sehr positiv fand ich außerdem, dass es eine Veranstaltung gab, um Männer für das Thema zu sensibilisieren. Beide Formate ergänzen sich gut. Dass auch die Geschäftsführer an der Veranstaltung für Männer teilgenommen haben, zeigt, dass das Thema ernst genommen wird. Wichtig wird nun sein, dass sich das auch in konkreten Strukturen niederschlägt, etwa bei der Besetzung von Führungspositionen.
Interessante Aufgaben
Es gibt viele abwechslungsreiche Projekte und Aufgaben, an denen man auch über das eigene Themenfeld hinaus mitarbeiten kann, national wie international, wie z.B. Digitalisierung oder KI. Dabei gibt es echten Gestaltungsspielraum: Eigene Ideen sind willkommen und können aktiv vorgestellt und vorangetrieben werden.