Papierhandtücher retten das Klima
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich finde es schon erstaunlich, wie stolz man darauf ist, durch das Recycling von Papierhandtüchern CO₂ einzusparen und sich als besonders nachhaltig darzustellen. Gleichzeitig wird ab dem 01.07. für Mitarbeitende im Umkreis von 60 km die Anwesenheitspflicht von einmal im Monat auf zweimal pro Woche erhöht. Die zusätzlichen Fahrten, die verlorene Zeit und die dadurch entstehenden Emissionen scheinen dabei plötzlich keine Rolle mehr zu spielen.
Als Begründung hört man unter anderem, dass man sich dann öfter an der Kaffeeinsel sieht und mal wieder miteinander spricht. Ernsthaft? Dafür sollen Menschen mehrere Stunden pro Woche zusätzlich im Auto verbringen?
Noch absurder wird es, wenn man sich den Arbeitsalltag anschaut. Viele Teams bestehen aus einer Mischung aus Remote- und Vor-Ort-Mitarbeitenden. Das bedeutet in der Praxis: Man fährt ins Büro, setzt sich an seinen Platz und macht die gleichen Teams-Meetings wie vorher im Homeoffice. Oft sogar mit Kollegen, die im gleichen Gebäude sitzen. Der große Mehrwert der Anwesenheit erschließt sich mir bis heute nicht.
Dazu kommt der Umbau auf Großraumbüros. Mittlerweile ist es teilweise so laut, dass nach ANC-Kopfhörern für die Belegschaft gesucht wird. Das muss man sich mal vorstellen: Erst schafft man eine Arbeitsumgebung, in der konzentriertes Arbeiten schwieriger wird, und anschließend sucht man nach technischen Lösungen, um genau dieses Problem wieder auszugleichen.
Auch die Kommunikation der Geschäftsführung wirkt stellenweise ziemlich realitätsfern. Aussagen wie „Wir kommen doch auch jeden Tag ins Büro“ kommen bei mir nicht besonders gut an, wenn sie von Leuten kommen, die mit Tankkarte und Firmenwagen unterwegs sind. Für Mitarbeitende, die ihren Arbeitsweg selbst bezahlen und ihre Zeit dafür opfern, sieht die Realität nun einmal anders aus.
Dazu kommt, dass die Rückkehr ins Büro für viele nicht nur Zeit kostet, sondern auch ganz konkret ins Geld geht. Höhere Spritkosten, mehr Verschleiß am Auto und insgesamt deutlich mehr Pendelaufwand summieren sich am Ende des Monats spürbar. Unterm Strich bleibt dadurch bei vielen einfach weniger Netto vom Gehalt übrig, ohne dass sich die eigentliche Arbeit verändert hätte.
Der Frust in der Belegschaft ist dadurch spürbar gestiegen. Viele haben das Gefühl, dass ihre Lebenszeit und ihre privaten Kosten bei den Entscheidungen kaum berücksichtigt werden.
Am Ende bleibt bei mir der Eindruck, dass viel über Nachhaltigkeit, Kultur und moderne Zusammenarbeit gesprochen wird. Wenn es dann aber um konkrete Entscheidungen geht, passen Anspruch und Wirklichkeit leider nicht immer zusammen.


